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Kinder brauchen Zeit für freies Spiel

Vermutlich jeder und jede von uns erinnert sich mit Blick auf die eigene Kindheit an Situationen intensiven Spielens. Die Zeit schien stehen zu bleiben, nur das Spiel selbst und die Mitspielenden waren wichtig. Zu Recht lieben Kinder diese Momente, in denen sie sich ungebremst in eine Sache vertiefen können und ihre Fantasie, Geschicklichkeit und Kreativität freien Lauf erhalten.

Genau diese freien Spielzeiten sind heute häufig bedroht. Bereits in den Kitas werden die Tages- und Wochenpläne immer enger getaktet. In vielen Schulen ähneln die Stundentafeln den Kalendern von Managern. Schularbeitszeiten von deutlich mehr als 40 Stunden sind keine Seltenheit.

„Ein kognitiv verengter Bildungsbegriff und eine falsch verstandene „Förderung“ drängen das freie Spiel immer mehr an den Rand.“

Auf der Strecke bleibt das freie kindliche Spiel. Ein kognitiv verengter Bildungsbegriff und eine falsch verstandene „Förderung“ drängen das freie Spiel immer mehr an den Rand oder vereinnahmen es für Zwecke des Lernens. Selbstverständlich lernen Kinder im Spiel. Aber sie spielen nicht (nur), um zu lernen.

Ein schleichender Abschied vom zweckfreien Kinderspiel

widerspricht dem in Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention niedergelegten Recht jedes Kindes auf Ruhe, Freizeit, Spiel und Erholung. Wir sollten den Kindern die für ihre Entwicklung so wichtigen Spielräume zurückgeben. Denn ein Verlust an kindlicher Spielfreude ist auch ein Verlust an Persönlichkeitsbildung.

Medien sind wichtig – altersgerecht genutzt

Beim Thema Spielen und Freizeit wie auch beim Lernen stehen wir immer wieder vor der Medienfrage: Ab wann und wie lange dürfen Kinder fernsehen? Soll der Wunsch nach der Playstation erfüllt werden? Gehört der Laptop in jeden Kindergarten?

Kinder mit der Welt um sie herum vertraut zu machen, bedeutet auch, sie in die Welt der Medien einzuführen. Schon in den ersten Lebensjahren entscheidet das Medienklima in der Familie über den kindlichen Medienkonsum. Das Vorbildverhalten der Eltern ist dafür ausschlaggebend.

Der Schlüssel für den notwendigen Erwerb von Medienkompetenz liegt in der frühen Begegnung mit einem „alten“ Medium: dem Buch. Das Hineinwachsen in eine (Vor-)Lesekultur bietet die beste Voraussetzung dafür, dass Kinder allmählich auch die anderen, neuen Medien für sich erobern und sinnvoll nutzen.

Medien können dazu beitragen, Kindern die Welt zu erschließen und Brücken zu ihrer inneren Welt zu bauen. Wir sollten Kinder dabei unterstützen, diese Chance zu nutzen.

Kinderrechte ins Grundgesetz

Das Aufwachsen von Kindern positiv zu gestalten und ihre Entwicklung möglichst umfassend zu fördern, ist eine unserer ganz zentralen Aufgaben. Diese Aufgabe konkurriert aber immer mit anderen Anliegen in Politik und Praxis.

Deutschland ist eine alternde Gesellschaft, und über die damit verbundenen Herausforderungen können die Interessen der nachwachsenden Generationen leicht in den Hintergrund geraten. Ein wichtiges Element, um hier gegenzusteuern, ist die Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz.

Zwar sind Kinder Grundrechtsträger, aber sie sind keine kleinen Erwachsenen. Kinder haben besondere, altersspezifische Bedürfnisse nach Schutz, Förderung und Beteiligung. Dies sollte auch in unserer Verfassung zum Ausdruck kommen. Besonders wichtig wäre die Verankerung eines allgemeinen Kindeswohlvorrangs. Gesellschaft und Politik sollten sich einen Ruck geben. Die Zeit dafür ist reif.

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