Insbesondere in Kindergärten, die mit einem ausgesprochen hohen Anteil an Kindern nicht deutscher Familiensprachen arbeiten, hat die Frage der Sprachenförderung einen besonderen Stellenwert. Wachsen diese zusätzlich in ausgewiesenen sozialen Brennpunkten auf, entstehen schnell Bildungsungleichgewichte gegenüber Kindern mit einer deutschen Biografie.

Das pädagogische Team aus dem FRÖBEL-Kindergarten Highdechsen in Berlin-Neukölln erkannte, dass das Fördern der deutschen Sprache ein Schlüssel ist, um die Bildungschancen seiner Kinder zu erhöhen. Nur wie, wenn die Freizeit- und Familiensprache im Kiez fast ausschließlich eine andere ist, ein förderliches Bildungsumfeld in vielen Familien fehlt und der Sozialraum kaum für Erkundungen verlassen wird?

Ausgestattet mit Bollerwagen, Matschhosen und Regenjacken können Kinder ab drei Jahren bei jedem Wetter umgestürzte Bäume, Höhlen und Hügel erkunden, Tiere begutachten und sich den vielen Fragen und Möglichkeiten des Waldes widmen.

Die Antwort lag versteckt in der „Königsheide“, einem nahe gelegenen, aber für viele Kinder dennoch fremden Waldgebiet. Erzieher setzten sich zusammen, schmiedeten Pläne und trotz einiger Schwierigkeiten folgte eine spannende und erfolgreiche Zeit für die Kinder und Fachkräfte. „Wir wollten, dass sich die Kinder aus verschiedenen Kulturen und Familiensprachen gegenseitig kennenlernen, sich im besten Fall Freundschaften bilden, um so auch Vorurteilen entgegenzuwirken.

Der Wald bietet zum Entdecken und Erleben der Welt ganz andere Möglichkeiten als die Kindergärten mit ihren streng bemessenen Räumen und den alltäglichen zwischenmenschlichen Konflikten“, erklärt Manuela Reißhauer, Kindergartenleiterin.

Seit Juni 2016 treffen sich wöchentlich feste Gruppen des Kindergartens Highdechsen mit Kindern ihrer jeweiligen FRÖBEL-Partnereinrichtung in unterschiedlichen Waldgebieten Berlins. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Stiftung Parität Berlin konnte zusätzliches Fachpersonal eingestellt und somit das Waldprojekt forciert werden.

Ausgestattet mit Bollerwagen, Matschhosen und Regenjacken können Kinder ab drei Jahren bei jedem Wetter umgestürzte Bäume, Höhlen und Hügel erkunden, Tiere begutachten und sich den vielen Fragen und Möglichkeiten des Waldes widmen. Mit richtigem Werkzeug wird geschnitzt, gesägt und gehämmert. Ohne Blick auf die eigene Herkunft und die jeweiligen Sprachkompetenzen begegnen sich unterschiedlichste Kinder, finden Gemeinsamkeiten und lernen, sich zum Beispiel in Bauprojekten sprachlich abzustimmen.

In einer kleinen Lichtung entsteht ein überdachtes Camp, in dem nach einer stärkenden Mittagszeit Bücher vorgelesen werden oder gemalt wird. Indem die pädagogischen Fachkräfte den Ideen, Gedanken oder Fragen der Kinder folgen und diese sprachlich aufgreifen, findet Sprachförderung und vor allem die Förderung von Deutschkenntnissen gezielt statt.

Die Bücher für den Waldtag packt ein Kind mit einer Facherzieherin für Sprachförderung.

Buchtipps

Wir packen unsere Buchtasche und nehmen mit …

Tipps zum Vorlesen im Wald:

  • „Mein kleiner Wald“ - Katrin Wiehle
  •  „Schau, was krabbelt im Wald?“ - Katarzyna Bajerowicz
  • „Nacht-Wimmelbuch“ - Rotraut Susanne Berners