Stumpfes Auswendiglernen von Vokabeln, seitenweise Rechenpäckchen addieren und subtrahieren, langweiliger Unterricht, Mitschüler, die immer schneller kapieren, und täglich Hausaufgaben, die nicht bewältigt werden können.

Lehrer sind mit großen und sehr heterogenen Klassen häufig überfordert. Welche Möglichkeiten gibt es, Schülern das Schulleben attraktiver und Lust aufs Lernen zu machen?

Wir befragten dazu drei Experten aus unterschiedlichsten Disziplinen: Rolf Kosakowski (RK), Dr. Stephan Kyas (SK) und Josef Blank (JB). Alle drei beschäftigen sich täglich mit der Zielgruppe Kinder und müssen ihre Ideen und Produkte so entwickeln und gestalten, dass Kinder Lust aufs Lernen bekommen und möglichst auch behalten.

Damit Kinder sich für Themen interessieren und diese für sie greifbar und verständlich sind, muss der Lernstoff mit den Lebenswelten der Kinder verknüpft werden. Diese Erkenntnis nutzt Rolf Kosakowski mit seinem Team für die Entwicklung von Marketingkonzepten für die Bereiche der Bildungskommunikation: „Der Unterricht wandelt sich langsam und Schulbuchverlage sind sehr bemüht, die Inhalte möglichst interessant aufzubereiten.

Es geht nicht mehr nur um das reine 'Pauken' von Unterrichtsstoff, sondern um die sinnvolle Verbindung von Lerninhalten. So müssen zum Beispiel Bücher nicht nur für Kinder interessant sein, sondern auch Lehrern eine Anleitung geben, diese vielfältig einzusetzen und individuell nutzen zu können.“

Vor dem Hintergrund der Digitalisierung des Lernens stellt sich die Frage: Warum brauchen wir heute eigentlich noch Schulbücher?

SK: „Das Schulbuch als begleitender Kompass durch den Unterricht ist aus drei Gründen sehr wichtig. Erstens: Es ist verlässlich. Ein Schulbuch behandelt einen Wissenskanon, der mit einer gewissen Halbwertzeit ausgestattet ist und nicht tagesaktuellen Veränderungen unterliegt. Zweitens: Es ist didaktisiert. Alle lehrplanrelevanten Inhalte sind von Experten fachlich und methodisch, aufbereitet und in differenzierter Form sofort verfügbar. Drittens: Es ist qualitätsgesichert.

Durch die Prüfungsverfahren der Kultusministerien ist eine Passung an den Lehrplan mit einem Schulbuch gewährleistet. Verlage bieten auch digitale Zusatzangebote, die die Schüler mit interaktiven Medien unterstützen Ein Beispiel dafür ist www.kapiert.de, ein Online Lernportal, das sowohl zur Nachhilfe als auch im Unterricht eingesetzt werden kann.“

Als Anbieter von speziellen Soft- und Hardwarelösungen für den Unterricht setzt sich SMART Technologies stark mit der Zukunft des Lernens und dem digitalen Lernen auseinander. Was glauben Sie, Herr Blank, wie Unterricht auf der digitalen Ebene spannender werden kann?

JB: „Um digitale Bildung breitflächig zu etablieren, müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass alle daran teilhaben können und wollen. Hier geht es nicht nur um die digitale Infrastruktur, sondern auch um die Kompetenzen der Lehrenden und das Erkennen der Grenzen von Technologie im Unterricht. Technologie muss immer pädagogischen und didaktischen Vorgaben folgen. Sie kann nie den Lehrer ersetzen.

Es wäre aber auch fatal, digitale Medien aus dem Klassenzimmer auszuschließen. Durch sie lernen die Schüler Digitalkompetenzen über die Inhalte traditionellen Unterrichts hinaus. Das kann für das spätere Berufsleben entscheidend sein.

Die kluge Vernetzung von mobilen Geräten im Klassenzimmer ermöglicht Unterricht, bei dem die Schüler nicht allein hinter dem PC oder Tablet sitzen – Themen können gemeinschaftlich, kreativ und im direkten Austausch mit Lehrkräften und Mitschülern erarbeitet werden.“

Es gibt unterschiedliche Blickwinkel, über die Ansprache von Kindern und Schülern. Wie kann dieses Wissen die Hersteller von Unterrichtsmaterialien unterstützen, damit das „perfekte“ Schulbuch beziehungsweise Lernprogramm entsteht, das es Schülern einfach macht, den Lernstoff zu erfassen und sich diesen langfristig zu merken?

RK: „Es ist sicherlich schon hilfreich, wenn Pädagogen, Schulbuchverlage und Marketingleute ihre Erfahrungen übereinanderlegen und man sieht, wo sich Potenziale ergeben. Einfach mal mit den Augen von Kindern auf die Medien schauen und entdecken, wo es hakt, kann schon enorm helfen.

Wir laden regelmäßig Kinder ein und tauschen uns darüber aus, was gut und was langweilig bei unseren Kampagnenideen ist. Wir können Kinder innerhalb von Millisekunden begeistern. Warum sollten die Verlage von Unterrichtsmaterialien das nicht auch lernen und nutzen können?“