Sie sind Teil der Geschichte, gestalten, spielen, erleben aktiv das Geschehen mit. Ist das noch Lesen? Unbedingt! Und ein gelungenes Beispiel dafür, wie Geschichtenwelten mehrdimensional, kommunikativer und damit auch für Leseungewohnte zugänglicher werden.

Diese digitalen Angebote bieten eine große Chance, Jugendliche für Lesestoffe zu begeistern, vor allem diejenigen, die nicht bereits von Haus aus gerne lesen, sondern Lesen eher distanziert gegenüberstehen. Für sie ist Lesen gleichbedeutend mit Schule, Zwang und gedruckten Büchern und hat (scheinbar) nichts mit der eigenen Lebensrealität zu tun.

Sie sind eher bei YouTube oder in Gamingwelten zu Hause, hier jedoch genauso an Geschichten und deren Inszenierung interessiert. Und was sind Lesestoffe anderes?

„Digitale Angebote bieten eine große Chance, auch Jugendliche für Lesestoffe zu begeistern.“

Moderne Leseförderung nutzt multimedial erzählte Geschichten, die in Enhanced E-Books, Apps, interaktiven Websites und Konsolenspielen erzählt werden, um Jugendliche zur Auseinandersetzung mit Texten zu animieren und ihnen zu zeigen, was sie spielerisch machen: sie lesen!

Allein der Hinweis darauf, dass bei manchem Computerspiel einiges an Leseleistung notwendig ist, schafft ein Aha-Erlebnis bei deren Nutzern. Sie merken: Lesen ist nichts Unerreichbares.

„Deathbook“ von Andreas Winkelmann zeigt, was alles im Zusammenspiel verschiedener Mediengattungen möglich ist. Einzelne Handlungsstränge der Geschichte werden auf Websites und Social-Media-Plattformen fortgesponnen, die fester Bestandteil der jugendlichen Lebenswelt sind, und wer möchte, kann aktiv an der Handlung teilhaben: So lassen Nachrichten einzelner Protagonisten auf das Smartphone des Lesers die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verblassen und ermöglichen ein komplettes Eintauchen in die Geschichte.

Das Angebot richtet sich an Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene gleichermaßen und begeistert eine wachsende Fan-Community. Die positiven Effekte von Leseförderung mit digitalen Medien zeigen auch erste Studien in diesem Bereich.

So haben Untersuchungen des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen ergeben, dass digitale Medien, aber auch bildstarke Lesemedien wie Zeitschriften dabei helfen, das Leseimage gerade bei sogenannten „lesefernen“ Kindern und Jugendlichen zu verbessern und somit Zugangshürden zu überwinden.

Lesen ist überall und nicht nur zwischen zwei gedruckten Buchdeckeln. Digitale Leseangebote, qualitativ und nah an der Zielgruppe, werden zu Erlebniswelten und öffnen damit Zugänge zum Lesen. Diese brauchen wir dringend: Lesefreude und Lesekompetenz schaffen Bildungszugang, gesellschaftliche Teilhabe, wirtschaftlichen Erfolg.

Faktoren, die für den Wirtschaftsstandort Deutschland grundlegend sind – und nicht selbstverständlich angesichts 7,5 Millionen Erwachsener bundesweit, die nur auf niedrigstem Niveau lesen und schreiben können.