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Wir sind Familie: Lea, Mama und Tante

Foto: Sophie Biebl

Die Zwillingsschwestern Nina und Lara (29) erziehen gemeinsam Ninas Tochter Lea (7). Im Interview sprechen sie über ihr Leben zu dritt, Kinderwunschbehandlungen und ihren Einsatz für die Enttabuisierung von unkonventionellen Familienmodellen.

Nina, was bedeutet Familie für euch? Und wie sieht ein normaler Tag in eurem Familienalltag aus?

Nina: Familie bedeutet für uns viel mehr, als eine Zusammensetzung von verschiedenen Familienangehörigen. Familie ist ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, von Liebe. Familie ist für uns ein Team aus ganz vielen Teammitgliedern, bei denen es völlig egal ist, ob sie verwandt sind. Liebe und Vertrauen ist die Grundlage.

Lara, wie sieht ein normaler Tag in eurem Familienalltag aus?

Lara: Beim Frühstück oder nach dem Frühstück stoße ich zu Nina und Lea dazu und wir beginnen den Tag zusammen. Wenn Lea in die Schule geht, arbeiten wir von zu Hause aus. Auch den Nachmittag verbringen wir größtenteils zusammen, teilen uns die Hausarbeiten – wie in allen anderen Familien auch. Der einzige Unterschied ist, dass ich abends zurück in meine Wohnung gehe, meistens vor der Gute-Nacht-Geschichte.

Warum habt ihr euch für dieses Familienkonzept entschieden?

Lara: Das war keine bewusste Entscheidung, wir sind da hineingewachsen.

Nina: Genau, schon während meiner Schwangerschaft war klar, dass Leas leiblicher Vater nicht an unserer Seite sein wird. Lara hat mir von Anfang an geholfen, mich zum Frauenarzt, zu den Geburtsvorbereitungskursen und auch bei der Geburt begleitet. Lara hat dadurch eine viel größere Rolle für mein Kind eingenommen, als eine „normale“ Tante es tun würde.

Seid ihr euch in eurer Kindheit auch schon so nahe gewesen?

Lara: Es war überwiegend schon so, dass wir eine sehr enge Beziehung hatten.

Nina: In der Pubertät haben wir schon versucht uns ein bisschen voneinander abzugrenzen, doch das hat nicht lange angehalten. Dafür war und ist unsere Beziehung zu innig.

Gibt es in eurer Familienkonstellation auch mal Reibereien?

Nina: Absolut.

Lara: Voll.

Nina: Es fängt bei Kleinigkeiten wie dem Haushalt an, also wer bringt den Müll herunter oder warum ist die Kochverteilung gerade so ungleichmäßig verteilt.

Lara: Bei uns gibt es die gleichen Streitereien wie in der typischen Familie.

Nina: Zum Glück sind die aber genauso schnell auch wieder weg wie sie gekommen sind. Im Großen und Ganzen läuft es bei uns sehr harmonisch.

Wie sind die Reaktionen von Freunden, Eltern, Außenstehenden auf euer Familienmodell?  

Lara: Unsere Eltern finden das selbstverständlich, dass wir uns gegenseitig unterstützen.

Nina: Wir erfahren sehr wenig Gegenwind – zum Glück! Auch, wenn wir schon mal komisch angeguckt wurden, zum Beispiel beim Elternabend. Andere haben ihren Partner mitgebracht, ich meine Schwester. Die haben zwar nichts gesagt, aber uns schon kritisch beäugt.

Lara: Da hat man schon gemerkt, dass das in manche Köpfe einfach nicht reingeht und solche Veranstaltungen nur für die auf dem Papier vorgeschriebenen Eltern da sind.

Nina: Ich glaube auch, dass es manche Menschen gibt, die doof darüber denken, aber zumindest traut es sich niemand es uns ins Gesicht zu sagen. In den sozialen Medien ist das leider anders.

Inwiefern?

Lara: Das fühlt sich manchmal an, als hätten alle einen Freifahrtschein und jeder kann seinen Senf zu unserer Familie dazugeben.

Nina: Ja, da bekommen wir Nachrichten, dass es nicht gut für Leas Entwicklung ist, dass sie ein falsches Weltbild bekommt, usw.

Lara: Zum Glück überwiegen aber die lieben Nachrichten und den Gegenwind haben wir gelernt zu ignorieren – es ist unser Leben und unsere Familie.

Wünscht ihr euch ein „Geschwisterchen“ für Lea?

Nina: Dass ist ein sehr aktuelles Thema für uns.

Lara: Ich hatte vor kurzem einen frühen Abgang und bin nach wie vor in einer Kinderwunschbehandlung. Mein größter Wunsch ist es, Mutter zu werden. Es wäre so schön, wenn Lea bald eine Cousine oder einen Cousin bekommt.

Nina: Ich wünsche mir auch ein Geschwisterchen für Lea und werde das Thema voraussichtlich auch mit Hilfe einer Kinderwunschbehandlung in Angriff nehmen, sofern gesundheitlich nichts dagegen spricht.

Lara, wie kam es dazu, dass du dich für eine künstliche Befruchtung entschieden hast?

Das war ein Prozess, der über Jahre ging. Angefangen hat es damit, dass ich die Bereitschaftspflege gemacht habe und Kindern ein Zuhause auf Zeit gegeben habe. Da ist mir bewusst geworden, dass ich auch ein leibliches Kind haben möchte, was ich nicht nach ein paar Monaten abgeben muss.

Warum nicht auf dem natürlichen Weg?

Lara: Ein Kind zu bekommen und großzuziehen möchte ich nicht an einem Partner festmachen. Ich mache mein Glück nicht davon abhängig, was die Gesellschaft von mir fordert, also: Studium, Mann, Heirat, Kinder.

Nina: Dem schließe ich mich zu 100 % an.

Wie kam es, dass ihr ein Buch geschrieben habt? 

Nina: Wir bekommen sehr viele Fragen über die sozialen Medien und oft haben wir gar nicht den Raum diese alle zu beantworten. Zudem wollen wir die Augen dafür öffnen, dass die scheinbar perfekte Social-Media-Welt gar nicht so perfekt ist.

Lara: Wir kämpfen für mehr Toleranz in der Gesellschaft und wenn man bei Instagram immer wieder darüber redet, hat man irgendwann das Bedürfnis das zu verschriftlichen. 

Nina: Wir wollen zeigen, wer wir sind und warum wir uns so stark für alternative Familienmodelle machen.

Welche Tipps möchtet ihr anderen Familien mit auf den Weg geben, die ein alternatives Familienkonzept leben/planen?

  • Mach es einfach und lass dich nicht von deinem Weg abbringen!
  • Umgebt euch mit den richtigen Leuten! Nur die, die wirklich hinter dir stehen sind es Wert, dass du es auch tust.
  • Du kannst es nicht jedem recht machen – egal, stehe drüber!

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