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Meine Familie

„Frühe Vorsorge bedeutet, Entwicklungen ganzheitlich zu betrachten“

Foto: Unsplash, Edi Libedinsky

Vom ersten Lebensjahr bis ins Kleinkindalter: Eltern treffen täglich Entscheidungen rund um die Gesundheit ihrer Kinder. Dr. Nikola Klün (@kinderleibundseele) gibt Orientierung und praxisnahe Tipps für den Familienalltag.

Dr. Nikola Klün

Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, Ernährungsmedizinerin und Autorin

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Warum ist frühe Gesundheitsvorsorge bei Kindern – etwa durch U-Untersuchungen und Impfungen – so entscheidend für ihre Entwicklung?

Frühe Gesundheitsvorsorge ist essenziell für die kindliche Entwicklung. Deshalb gibt es in Deutschland die U-Untersuchungen, die Eltern dabei unterstützen, mögliche Auffälligkeiten rechtzeitig zu erkennen. Denn Eltern sind keine Mediziner und können nicht immer einschätzen, ob sich ihr Kind altersgerecht entwickelt. In diesen Untersuchungen betrachten wir alle Entwicklungsbereiche: motorische Fähigkeiten, Sprache, Verhalten, aber auch körperliche Aspekte wie Organe, Haut, Augen, Herz oder Lunge. Gleichzeitig überprüfen wir Wachstum, Gewicht und Ernährung.

Ziel ist es, ein möglichst umfassendes Bild zu bekommen und Kinder bestmöglich zu begleiten. Dabei ist wichtig zu wissen: Die Bandbreite der normalen Entwicklung ist sehr groß. Ein Kind kann mit zehn Monaten laufen – oder erst mit 18, und beides ist völlig normal.

Genau deshalb ist die professionelle Einschätzung so wichtig. Auch Impfungen sind ein zentraler Bestandteil dieser Vorsorge und eine wichtige Säule der Prävention.

Können gesundheitliche Probleme wie Seh- oder Hörstörungen dennoch erst später erkannt werden oder sich erst im Laufe der Zeit entwickeln?

Ja, das ist durchaus möglich. Zwar beginnen wir schon im Babyalter mit ersten Untersuchungen, etwa bei den Augen, um grobe Auffälligkeiten wie Hornhautverkrümmungen oder angeborene Erkrankungen zu erkennen. Allerdings handelt es sich dabei zunächst um Screenings – sie erfassen nicht alle Probleme. Deshalb empfehlen wir ergänzend Untersuchungen beim Augenarzt, auch wenn zuvor alles unauffällig war, etwa im Alter von zwei und sechs Jahren. Dort können feinere Auffälligkeiten erkannt werden, die im Screening nicht sichtbar sind.

Ähnlich ist es beim Hören: Das Neugeborenen-Hörscreening funktioniert in Deutschland sehr gut und deckt viele angeborene Probleme früh auf. Dennoch gibt es Hörstörungen, die sich erst später entwickeln – etwa durch wiederkehrende Infekte und Flüssigkeit im Mittelohr. Kinder können dadurch über Monate schlechter hören, was sich wiederum auf die Sprachentwicklung auswirken kann.

Solche Veränderungen entstehen im Alltag und müssen deshalb kontinuierlich beobachtet werden.

Wie können Eltern im Alltag mögliche Warnsignale frühzeitig erkennen – gerade, wenn Kinder einen Großteil des Tages in der Kita verbringen?

Viele Eltern haben ein gutes Gespür für ihr Kind – das sollte man nicht unterschätzen. Häufig entsteht dieses Gefühl auch im Vergleich mit anderen Kindern im Umfeld, etwa im Freundeskreis oder durch Geschwister. Auffälligkeiten zeigen sich oft im Alltag: beim Spielen, in der Sprache oder im Verhalten.

Gleichzeitig gibt es heute deutlich mehr Informationen als früher, die Eltern Orientierung geben. Das kann helfen, birgt aber auch die Gefahr der Verunsicherung.

Umso wichtiger ist es, sich nicht ausschließlich darauf zu verlassen, sondern weiterhin auf Vorsorgeuntersuchungen und fachliche Einschätzung zu setzen.

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