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Zukunft Lernen

Die Zukunft der Schule ist digital

Veranstaltung auf der Konferenz Bildung Digitalisierung 2019 in Berlin. Foto: Florian Freund.

Der digitale Wandel weckt große Hoffnungen und massive Ängste. Entsprechend polarisiert die Debatte. Auch in der Bildung. Für die einen sollen digitale Medien richten, was dem Bildungssystem bisher nicht gelang: mehr Spaß am Lernen, individuelle Förderung im Unterricht und die Möglichkeit, die Potenziale der Schüler messbar zu machen. Andere fürchten, dass künstliche Intelligenz und Algorithmen Lehrkräfte ersetzen.

Dr. Nils Weichert

Geschäftsführender Vorstand Forum Bildung Digitalisierung e. V. 

Der kompetente Umgang mit neuen Technologien und digitalen Informationen ist eine zentrale Voraussetzung für eine erfolgreiche gesellschaftliche Teilhabe. Insofern ist es selbstverständlich anzunehmen, dass unsere Schulen alle Kinder und Jugendlichen in die Lage versetzen, die Chancen der Digitalisierung nutzen zu können. Lernen mit digitalen Medien darf nicht vom Einkommen der Eltern oder vom Wohnort abhängig sein.

Ein Blick in die ICILS-Studie zeigt: Nur ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler in Deutschland besucht eine Schule mit WLAN-Zugang und bei der Computerausstattung schafft Deutschland ein Endgerät für zehn Schüler. Was aber schwerer wiegt ist, dass ein Drittel der Jugendlichen nicht viel mehr als einen Link anklicken oder einen Suchbegriff eingeben kann. Und dass soziale Herkunft auch bei der Medienkompetenz die entscheidende Rolle spielt.

Mit dem Digitalpakt erhalten Schulen nun die Möglichkeit, WLAN, Laptops und Lernprogramme anzuschaffen. Dieser Anstoß war dringend notwendig, ist aber auch nur der Anfang. Wir brauchen eine große politische und letztlich gesamtgesellschaftliche Anstrengung, um Schule nicht völlig von der Lebenswelt der Menschen abzukoppeln. Es reicht nicht aus, Bildungseinrichtungen beim Aufbau digitaler Infrastrukturen und der Ausstattung mit Geräten zu unterstützen. Stattdessen ist es unabdingbar, Bildungsprozesse ganzheitlich neu zu betrachten; ausgehend von der Frage, welche Kompetenzen Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt tatsächlich benötigen.

Länder wie Singapur haben bereits vor 20 Jahren mit der Entwicklung des digitalen Lernens begonnen. Dort stehen Themen wie Cyber Wellbeing, Kollaboration und Kreativität ganz oben auf der schulischen Agenda. Auch Dänemark gilt als mutiger und experimentierfreudiger Vorreiter digitaler Unterrichtsentwicklung. Neue Technologien werden direkt ausprobiert und auf ihre Praxistauglichkeit hin bewertet. Estland hat nicht nur eine übergeordnete Digitalstrategie und entsprechend abgeleitete bildungspolitische Leitplanken gesetzt, sondern diese auch mit einer Vielzahl an Maßnahmen organisch verwoben: von der IT-Ausstattung für Lehrkräfte und Schüler, über Self-Assessment-Tools für Schulen und einheitlichen Datenbanken bis hin zu einer e-Schoolbag mit digitalen Lernmedien. Damit wird der Rucksack der Schüler leichter und der Weg in die individuelle Zukunft ebenso.  

Um anschlussfähig zu werden und Bildungsgerechtigkeit in der digitalen Welt zu erreichen, müssen unsere Schulen wesentlich selbstständiger, offener und vernetzter werden und vor allem neue Kompetenzen fördern. Wir benötigen massive Investitionen in die Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte und neue, bedarfsgerechte Formate der Qualifizierung, die alle erreichen. Daneben braucht es eine gemeinsame Vision und konkrete Zielsetzungen für die Schule der Zukunft.

INFORMATION

Forum Bildung Digitalisierung hat fünf Staaten hinsichtlich des Digitalisierungsfortschritts in und für Schulen untersucht. Welche Ideen und Konzepte Deutschland ableiten kann und soll lesen Sie auf forumbd.de.

Reformstrategien weltweit. Schule in der digitalen Welt.
forumbd.de/publikationen/reformstrategien-weltweit-schule-in-der-digitalen-welt/ 

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