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Wenn Essen zum Feind wird

Foto: George Rudy via shutterstock

„Piep, piep, piep – guten Appetit!“ Mit diesem kleinen Spruch sind wir alle aufgewachsen und er ist auch heute noch bei Beginn einer gemeinsamen Mahlzeit ein gängiges Ritual in Familien und Kitas. Fünf kleine Worte, die bei gesunden Menschen Gefühle wie, Geborgenheit, Vertrautheit, Wärme oder die Vorfreude auf ein gutes Essen auslösen. Für Menschen mit einer Essstörung hingegen, beginnt spätestens in diesem Moment ein Horrortrip.

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Dipl. Psych. Andreas Schnebel

Warum? Weil Essen für Menschen die an Magersucht, Bulimie, Orthorexie, oder an einer Binge-Eating-Störung leiden ein Feind ist und somit die Gedankenwelt der Betroffenen zum Kriegsschauplatz wird. Dieser Vergleich ist durchaus gerechtfertigt.

Die Essstörung verlangt Gehorsam von den Betroffenen, sie macht sie zu wahren Meistern der Tarnung, Täuschung und Verleugnung. Die Betroffenen legen aus Verzweiflung falsche Fährten und manipulieren ihre Umwelt. All diese Strategien, nur um ihre Essstörung zu schützen.  

Menschen mit einer psychischen Erkrankung haben oft einen sehr langen Leidensweg hinter sich, bevor sie die Entscheidung treffen, eine Psychotherapie zu beginnen. Dieser wichtige Schritt des Patienten verdient den Respekt und die volle Aufmerksamkeit des Therapeuten.  

Klingt für Sie verrückt? Dann freuen Sie sich, den Sie gehören nicht zu der bundesweiten fünfprozentigen Bevölkerungsgruppe, die an einer Essstörung erkrankt ist. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendliche in Deutschland im Alter von 11 bis 17 Jahren Symptome einer Essstörung. Die Zahl der Mädchen und jungen Frauen ist deutlich höher als die von Jungen bzw. Männern.

Jährlich sterben 10 bis 15 Prozent der an Anorexia Nervosa (Magersucht) erkrankten Menschen und damit ist Magersucht die psychische Störung mit der höchsten Sterberate. 

Entstehung und Ursachen von Essstörungen

Um eine Essstörung zu entwickeln, spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Diskutiert wird der Einfluss verschiedener Hormone und Neurotransmitter sowie
eine genetische Disposition. Der familiäre Kontext und individuelle Lernerfahrungen spielen auch eine große Rolle. In den Familien von Betroffenen, wird oft übermäßig viel Wert auf eine schlanke und sportliche Figur gelegt und eine „emotionale Diät“ ist zu beobachtet.

Gefühle werden nicht angemessen geäußert und benannt, sodass Betroffene ihre Emotionen nicht spüren und ihnen auch keinen Ausdruck verleihen können. Viele, der an einer Essstörung erkrankten Menschen, sind perfektionistisch und wenig selbstbewusst. Sexuelle und/oder körperliche Gewalterfahrungen finden in zahlreichen Patientenhistorien einen Platz. Nicht vergessen werden darf, der gesellschaftliche Einfluss und die Anforderung an das widersprüchliche Schönheitsideal. Schön, schlank, sportlich, sexy und auch noch erfolgreich soll Frau heute sein. Das Alter und der körperliche Entwicklungsstand spielen dabei keine Rolle. Das widersprüchliche Frauenbild kann besonders bei Mädchen zu schweren Irritationen führen.

Die Gefahren dieser bizarren Entwicklung sind bekannt und immer häufiger werden Gegenmaßnahmen, wie beispielsweise die Einführung eines Mindest-BMI für Laufstegmodells (BMI >18,5) oder dem Verbot von provokanter Werbung eingeführt. Diskutiert wird aktuell auch die Kennzeichnungspflicht von nachbearbeiteten Fotos.

Hilfe

Informieren Sie sich jetzt über Therapien und Beratungen des ANAD e.V. Versorgungszentrum Essstörungen zu diesem Thema unter www.anad.de

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