Vom ersten Lebensjahr bis ins Kleinkindalter: Eltern treffen täglich Entscheidungen rund um die Gesundheit ihrer Kinder. Dr. Nikola Klün (@kinderleibundseele) gibt Orientierung und praxisnahe Tipps für den Familienalltag.

Was ist bei der Ernährung von Kindern besonders wichtig – und wie gelingt es, gesunde Essgewohnheiten früh zu fördern?
Im ersten Lebensjahr lassen sich Kinder meist sehr gut an eine große Vielfalt an Lebensmitteln heranführen. Diese Phase sollte genutzt werden, um unterschiedliche Geschmäcker kennenzulernen und die Konsistenzen schrittweise anzupassen. Besonders wichtig ist es, süße Lebensmittel möglichst spät einzuführen, da Kinder von Natur aus eine starke Vorliebe für Süßes haben. Im Kleinkindalter folgt dann häufig eine Phase, in der Kinder beim Essen wählerischer werden. Das ist völlig normal und Teil der Entwicklung. Entscheidend ist hier vor allem Geduld: Lebensmittel sollten immer wieder angeboten werden – oft braucht es viele Versuche, bis ein Kind etwas akzeptiert.
Hilfreich ist auch der gemeinsame Familientisch. Kinder lernen durch Beobachtung und erleben, dass andere Familienmitglieder unterschiedliche Lebensmittel essen. Wichtig ist dabei, keinen Druck auszuüben, nicht zu belohnen oder abzulenken, sondern eine entspannte Essatmosphäre zu schaffen. Langfristig entwickeln die meisten Kinder so ein ausgewogenes Essverhalten.
Welche Auswirkungen hat zunehmende Bildschirmnutzung auf Kinder – und wie wichtig sind Alternativen wie Bücher und gemeinsames Lesen?
Die zunehmende Nutzung von Bildschirmen ist eines der großen Themen unserer Zeit. Gerade bei kleinen Kindern kann sie die Entwicklung beeinflussen – insbesondere die Sprachentwicklung. Denn Bildschirme ersetzen keine echte Interaktion.
Zudem wirken digitale Medien stark belohnend und können schnell zur Gewohnheit werden. Kinder verlieren dadurch leichter die intrinsische Motivation, ihre Umwelt aktiv zu entdecken. Dabei ist genau diese Neugier ein zentraler Motor ihrer Entwicklung. Empfohlen wird daher, Kinder unter drei Jahren möglichst ohne Bildschirmmedien aufwachsen zu lassen und auch danach die Nutzung stark zu begrenzen. Bücher, Vorlesen und gemeinsames Erleben sind deutlich wertvoller: Sie fördern Sprache, Konzentration und Fantasie – und stärken gleichzeitig die Bindung.
Was raten Sie Eltern, deren Kind eine chronische Erkrankung oder eine Entwicklungsstörung hat?
Eine solche Situation ist für Familien eine große Herausforderung. Wichtig ist, sich Unterstützung zu holen – sowohl medizinisch als auch im persönlichen Umfeld. Niemand muss das alleine bewältigen. Eltern entwickeln mit der Zeit oft ein enormes Wissen über die Erkrankung ihres Kindes und werden zu echten Expertinnen und Experten. Gleichzeitig ist es entscheidend, auch auf sich selbst zu achten und eigene Belastungsgrenzen ernst zu nehmen.
Nur wenn Eltern selbst stabil bleiben, können sie ihre Kinder langfristig gut begleiten. Deshalb sind Austausch, Entlastung und professionelle Unterstützung zentrale Bausteine im Alltag.
Welchen abschließenden Rat möchten Sie Eltern mitgeben?
In einer Zeit, in der Informationen jederzeit verfügbar sind und soziale Medien oft ein perfektes Bild vermitteln, ist es besonders wichtig, bei sich selbst zu bleiben. Der ständige Vergleich kann verunsichern und den Blick auf das eigene Kind verstellen. Entscheidend ist, auf das eigene Gefühl zu vertrauen und sich nicht von unrealistischen Erwartungen leiten zu lassen. Kinder brauchen keine Perfektion, sondern Aufmerksamkeit und echte Nähe.
Wer es schafft, im Alltag präsent zu sein und die gemeinsamen Momente bewusst zu erleben, legt die wichtigste Grundlage für eine gesunde Entwicklung.


