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Meine Familie

Liebe, Konflikte, Zusammenhalt: Ein ehrlicher Blick in das Leben einer Patchwork-Familie

Fotos: Moments Fotodesign

Fünf Kinder, Patchwork-Alltag und ein Leben zwischen Organisation, Emotionen und ganz viel Liebe: Simi (@simi.mit.kindern) teilt auf Instagram ehrlich, was viele Eltern denken, aber selten aussprechen. Im Interview mit uns spricht sie darüber, wie sie mit Herausforderungen umgeht und warum Familie für sie vor allem eines ist: ein Ort zum Wachsen.

Simi

Mutter und Mutmacherin

Mehr Einblicke auf Instagram!

Du lebst in einer Patchwork-Familie mit fünf Kindern – was bedeutet Familie für dich persönlich?

Familie ist für mich der Raum für Verbindung, Wertschätzung und Liebe. Der Ort, an dem jeder Mensch er selbst sein kann und Wert darauf gelegt wird, dass keiner untergeht. Wo Bedürfnisse und Vorstellungen frei ausgesprochen und verhandelt werden. Und sobald Kinder im Spiel sind, ist Familie für mich ein soziales Übungsfeld. Hier wird gelernt, wie man sich selbst zurück nimmt und die Perspektive anderer sieht. Wie man Konflikte löst, wie man Teil einer Gemeinschaft ist, wie man zusammen mit anderen ein gemeinsames Ziel findet und seinen Beitrag dazu leistet – und wenn es nur heißt, dass sich alle darum bemühen, dass wir es beim Abendbrot miteinander schön haben.

Für mich macht es da keinen Unterschied, ob die Kinder biologisch meine sind oder nicht. Wer zu meiner Familie gehört, hat den gleichen Stellenwert wie alle anderen. Unsere 5 Kinder hier sind auch sehr klein, das Älteste wird demnächst 8. Da sind die Herausforderungen auch nochmal ganz anders als bei einer Patchworkfamilie, in der zum Beispiel Kleinkinder und Teenys aufeinander treffen.

Uns war vor allem wichtig, den Kindern ein gutes Fundament zu geben, das ihnen Sicherheit gibt. Gerade kleine Kinder brauchen das ja auch nochmal verstärkter und uns war immer wichtig, dass kein Kind in unserer Dynamik untergeht.

Das gemeinsame Baby war dann ein Wagnis, das sich aber ausgezahlt hat, weil seine Geschwister es extrem lieben und sich ein Leben ohne das Baby nicht mehr vorstellen können.

Welche körperlichen oder mentalen Herausforderungen erlebst du im Mama-Alltag?

Das ist teils sehr unterschiedlich: Als Mama ist die Fremdbestimmung und das Leben um den Terminkalender der Kinder herum zehrend. Viel Zeit meines Alltags geht alleine für die Fahrten zu Schule, Kindergarten und Kurse drauf. Wäre ich nicht selbstständig, wäre das alles nicht machbar. Was das Patchwork-Ding angeht, belastet mich oft der Fakt, dass hier 4 von 5 Kindern mit getrennten Eltern aufwachsen. Ich weiß, dass es ihnen grundsätzlich gut geht, dass sie viel Positives aus der Situation ziehen, aber der Schmerz darüber sitzt trotzdem tief. Ich möchte, dass meine Kinder auf ihre Kindheit zurückblicken und sagen können: Mir ging es gut und ich war glücklich.

Auf Instagram nennst du dich „Mutmacherin“, wie lebt sich diese Haltung in deinem Familienalltag?

Ich sehe mich eigentlich als Mutmacherin für Mütter, weil ich auf Instagram sehr ehrlich teile, was mich am Alltag als Mutter stresst und welche Situationen ich als überfordernd oder belastend empfinde und empfand. Tatsächlich passt die Parallele zur Familie aber auch, weil ich – quasi ganz klassisch nach dem Emotional Load-Modell – indirekt für die Familienstimmung zuständig bin. Ich fang viele Gefühle auf und versuche zu trösten, einzuordnen und zu helfen. Grad den Kindern muss man im Schul- und Kindergartenalltag ja immer wieder Mut machen und eine Stütze sein.

Dein Freund ist Kinderarzt, wie bereichert sein medizinisches Wissen Ihren Blick auf Gesundheit und Vorsorge in der Familie?

Lustigerweise weniger als man denkt, weil man bei den typischen Krankheiten wie Grippe und Co ja sowieso wenig machen kann. Es ist aber eine sehr große Erleichterung, dass er immer sofort weiß, was zu tun ist und mich beruhigen kann. Was uns daran vor allem so verbindet ist einfach die grundsätzlich Beschäftigung mit Kindern.

Wir reden viel über die (mentale) Gesundheit von Kindern und was es braucht, damit Kinder glücklich groß werden. Uns liegt das einfach beiden sehr am Herzen.

Wie gelingt es dir, die Balance zwischen Fürsorge für die Kinder, Partner und eigene Bedürfnisse zu halten?

Meine eigenen Bedürfnisse finden gerade nur im Sport und indirekt in meiner Arbeit auf Social Media Platz (was Arbeit bleibt, aber mir halt auch sehr viel gibt). Das ist für mich aber auch okay – ich hab einfach nur begrenzt Zeit und die geht gerade sehr viel in die Kinder, den Haushalt und unsere Partnerschaft. Wir haben beide eine gescheiterte Ehe hinter uns, wir priorisieren deswegen unsere gemeinsame Zeit sehr – auch wenn die, unter anderem durch das Baby, gerade auf den gemeinsamen Abend nach der Einschlafbegleitung begrenzt ist.

Welchen kleinen, aber wirksamen Tipp hast du für Eltern, die sich im Alltag oft gestresst oder überfordert fühlen, um wieder Ruhe und Klarheit zu gewinnen?

Ich find es total schwer, einen Tipp zu geben, der für alle Familien funktionieren soll. Genau das ist ja oft in Debatten unser Problem: Nur weil ich hier 5 Kinder habe, hab ich ja keine Ahnung, wie andere Kinder sind und welche Dynamik sich zwischen Eltern und Kindern anderer Familien entwickelt haben. Wir haben da zu wenig Einblick, um Allgemeingültigkeiten abzuleiten.

Mir persönlich hat kurzfristig für stressige Zeiten die radikale Akzeptanz geholfen: Also der Gedanke, dass ich jetzt nicht ändern kann, dass es aktuell anstrengend und überfordernd ist. Ich könnte jetzt natürlich sagen, dass es leichter wird, wenn die Kinder älter werden (zumindest was die extreme Verfügbarkeit des eigenen Körpers angeht ist das meine subjektive Erfahrung), aber das bringt Eltern, die gerade in der Kleinkindphase stecken, oft wenig.

Ich glaube, was wirklich gesellschaftlich helfen würde, wäre eine neue Perspektive von außen. Dass Mutterschaft weniger romantisiert wird und man ehrlich anerkennt, was da in Familien heutzutage abgeht, weil sie alles gleichzeitig schultern müssen. Mehrere Jobs, ständige Betreuungsausfälle, ein größtenteils abwesendes familiäres Umfeld, das Rangeln um Erwerbs- und Carearbeit, und anhaltendes Unverständnis anderer darüber, dass sich die Maßstäbe für Erziehung halt nun mal verändert haben. Wenn das Benennen der Probleme und Missstände dann noch als „Rumgejammer junger Mütter“ abgetan wird, ist keinem geholfen und Familien fühlen sich noch isolierter in ihren Sorgen.

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