Manche Hunde sind extrem aufmerksam und neugierig, lernen scheinbar mühelos neue Tricks und Verhaltensweisen. Andere sind total phlegmatisch oder wirken, mit Verlaub, einfach nicht besonders helle. Woher kommen diese großen Unterschiede? (Rasse? Familie? Individuell?)

Grundsätzlich gibt es natürlich auch bei Hunden Unterschiede in Bezug auf ihre Intelligenz! Genauso wie beim Menschen gibt es schlaue Hunde sowie Hunde, die sich schwer tun, Neues zu lernen. Oftmals hängt es jedoch gar nicht mit der Intelligenz zusammen, ob ein Hund ein Verhalten schnell lernt oder nicht, sondern mit seiner Motivation.

Ein Labrador Retriever, wird das Apportieren eines Gegenstandes sehr schnell lernen, vor allem dann, wenn es noch ein Leckerchen dafür gibt, da ihm einerseits das Apportieren im Blut liegt, denn er wurde seit Generationen in Bezug auf die Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet, und er andererseits grundsätzlich sehr futtermotiviert ist.

Ein Herdenschutzhund wird dagegen nur einen müden Blick für seinen Menschen übrig haben und – wenn überhaupt – dem Ball gelangweilt hinterher schauen, da er weder einen Sinn darin sieht, mit dem Menschen zusammen zu arbeiten, noch generell sich für Spielereien wie das Apportieren von Bällen interessiert. Aber auch, wenn es grundsätzliche Rasseveranlagungen gibt, muss man sich immer auch den Hund individuell anschauen.

Dabei spielt dann z.B. eine Rolle, wie der Hund als Welpe aufgewachsen ist, wie er geprägt und sozialisiert wurde, und eben einfach auch, welche individuelle Veranlagung er mit sich bringt.

Sind das biologische/genetische Unterschiede, oder haben manche Arten einfach „keinen Bock“ auf Tricks, obwohl sie könnten?

Einige Verhaltensweisen sind tatsächlich genetisch fixiert, wie z.B. das Vorstehen von Jagdhunden. Diese verharren mit hochgezogenem Vorderbein vor einem Vogel, den sie im Gebüsch ausmachen. Dieses Verhalten ist ihnen angeboren, das braucht der Mensch dem Hund nicht beibringen. Einem Hütehund wird man ein solches Verhalten daher auch nur schwer beibringen können, da es in seinem genetischen Bauplan gar nicht vorgesehen ist.

In Bezug auf alltägliche Verhaltensweisen kann man diese aber natürlich im Grunde genommen jedem Hund beibringen. Jeder Hund kann also z.B. lernen, nicht an der Leine zu ziehen, bei Besuch entspannt auf der Decke liegen zu bleiben oder aber auf den Rückruf zu reagieren. Wie schnell und wie leicht ein Hund dies jeweils lernt, hängt aber wieder von den oben beschriebenen Veranlagungen und Lernerfahrungen des Hundes ab.

Ist man als Hundehalter eigentlich wirklich immer „Herrchen“ – Chef, Boss, „Alphatier“? Gibt es Hunde (-rassen), die nicht (oder weniger) über Autorität/Hierarchie „funktionieren“?

Man sollte zumindest immer „Herrchen“ bzw. „Frauchen“ sein. Das hat nun aber nichts damit zu tun, dass man als despotischer Chef den Hund herumkommandiert und dieser als Befehlsempfänger immer genau das tun muss, was der Chef ihm sagt. Vielmehr übernimmt der Mensch in Bezug auf den Hund die Rolle des Erziehungsberechtigten. Er übernimmt also vergleichbar die Vater- bzw. Mutterrolle, indem er für den Hund sorgt, Verantwortung übernimmt, das Leben regelt und dem Hund damit Sicherheit und Entspannung bietet.

Natürlich hat man damit dann eine hierarchische Struktur, diese ist jedoch geprägt von Geborgenheit und Verständnis. In Bezug auf den Hund gibt es dabei tatsächlich rassebedingte Unterschiede. So gibt es sehr selbstständige Rassen, die gern auch einmal ausprobieren, inwieweit sie allein durchs Leben kommen. Andere Rassen dagegen, insbesondere die Rassen, die für die Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet wurden, wie viele Jagd- und Hütehunde, warten sozusagen nur darauf, dass der Mensch die Führung übernimmt und das Leben in der Familie lenkt und leitet.

Von ganz kleinen Kindern bis zu ganz alten Damen – die verschiedensten Menschen/Gruppen lieben Hunde. Was „machen“ Hunde mit ihren Besitzern?

Wer einen Hund hält, muss sich auf ein anderes Lebewesen, auf eine andere Art einlassen. Er muss lernen, die Bedürfnisse des Hundes zu erkennen und entsprechend dieser Bedürfnisse das gemeinsame Leben gestalten. Damit geht immer auch einher, dass man eigene Bedürfnisse hintenan stellt.

Würde man abends vielleicht lieber gemütlich auf der Couch liegen, muss der Hund dennoch noch einmal nach draußen… Tag für Tag, Wetter für Wetter - Ausflüge und Urlaube müssen so geplant werden, dass der Hund mitkann oder gut untergebracht ist. Man lernt eine vollkommen neue Sprache kennen, die Sprache des Hundes, und muss sich auf diese einlassen. Hunde eröffnen Menschen daher vollkommen neue Welten.

Wem würden Sie einen Hund empfehlen? Wem vielleicht besser abraten?

Auch wenn der Hund uns jede Menge gibt, darf man doch nicht vergessen, dass er ein eigenständiges Wesen mit eigenen Bedürfnissen ist. Hunde leben in einer sozialen Gemeinschaft. Wer also z.B. den ganzen Tag arbeitet und den Hund 8 bis 10 Stunden allein zu Hause lässt, sollte sich besser keinen Hund anschaffen. Aber Hunde brauchen auch Beschäftigung. Sie lieben es, ihre Nase einzusetzen, Beute zu jagen und draußen aktiv zu sein.

Wer also lieber auf der Couch sitzt und fernsieht, wem Aktivität – egal bei welchem Wetter zu viel ist, der ist mit einem anderen Haustier, welches nicht so viele Ansprüche an den Menschen stellt, besser bedient. Vor allem würde ich bei der Anschaffung eines Hundes raten, den Weg ins Tierheim anzutreten. Die Tierheime sind wirklich rappelvoll mit tollen Hunden. Manche Menschen haben aber immer noch die Angst, dass dort nur verhaltensauffällige und schwierige Hunde sitzen würden. Dem ist aber absolut nicht so.

In Großstädten kann es passieren, dass man in die S-Bahn tritt und eine Gruppe cooler Jugendlicher lässt ihren coolen Kampfhund frei im Wagen herumlaufen – einfach weil es cool ist (- und vielen Leuten Angst macht). Abgesehen von der Frage nach einem „Hundeführerschein“, für den Sie seit langem werben – was macht man am besten in so einer Situation? (Vor allem, wenn der Hund aggressiv ist –gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die jeden Hund beruhigen o.ä.?)

Ich würde raten, die Bahn an der nächsten Haltestelle zu verlassen bzw. den Wagen zu wechseln. Natürlich geht ein solches Verhalten aber gar nicht. Rücksicht sollte gerade unter Hundehaltern oberstes Gebot sein, denn nicht jeder Mensch mag Hunde und ist entspannt im Umgang mit ihnen, selbst wenn der Hund absolut freundlich ist. Hat man aber nun gerade einen nicht so entspannten Hund vor sich, sollte man sich aus Hundesicht deeskalierend verhalten.

Schnell weglaufen hilft dabei übrigens gar nicht, genauso wenig wie laut schreiend die Hände hochzureißen. Diese Verhaltensweisen animieren den Hund eher noch, die Verfolgung aufzunehmen. Man sollte sich also ruhig verhalten, den Hund nicht fixieren und sich leicht seitlich wegdrehen, den Hund aber dennoch im Blick behalten.  Allerdings gibt es leider keine Garantie, dass ein Hund dann in jedem Fall das Interesse verliert und sich abwendet.

Wir haben von Ihnen gelernt, dass Hunde die einzigen Tiere sind, die Angehörige einer anderen Spezies - uns - als vollwertigen Sozialpartner erkennen und akzeptieren. Können Wildhunde das (theoretisch) auch, oder ist das ein Ergebnis von Zucht und Domestizierung?

Genau das ist das Ergebnis der Domestizierung des Hundes. Dieser hat gelernt, sich dem Menschen anzuschließen und ihn als Sozialpartner anzuerkennen. Es gibt viele Versuche, Wolfswelpen beim Menschen aufzuziehen und an den Menschen zu gewöhnen. Und selbst wenn die Wolfswelpen dem Menschen anfangs auch hinterher laufen, wird sich ein so aufgezogener Wolf im erwachsenen Alter nicht so an den Menschen anschließen, wie es ein Hund tut.

„Wie das Herrchen so der Hund“ – oder war es andersrum? Was ist dran an diesem Gedanken?

Eine äußerliche, optische Ähnlichkeit ist ja eher selten zu bestaunen. Aber charakterlich oder im Verhalten kann man mitunter schon eine Annäherung erkennen. Meine erste Hündin Mina beispielsweise wurde mit der Zeit immer klüger. Meine Kinder sagten dann immer: Sie wird aber auch verfressener (lacht).

Wird man sich tatsächlich immer ähnlicher? Oder vielleicht besser gefragt: Macht es Sinn / ist es möglich, sich einen Hund zuzulegen, der irgendwie „so ist wie man selbst“? (Groß oder klein, lang- oder kurhaarig, hyperaktiv oder eher stinkefaul, etc)

Grundsätzlich macht es tatsächlich Sinn, sich einen Hund zuzulegen, der zu einem passt. Ein sehr aktiver Mensch, der sich gerne bewegt, lange Tageswanderungen unternimmt oder täglich mehrere Kilometer joggt, wird wohl kaum mit einem Bernhardiner oder Mops glücklich werden, da diese im ersten Fall wenig Motivation haben auf so viel Aktivität und im zweiten Fall einfach vom Körperbau her nicht für lange sportliche Aktivitäten geeignet sind.

Genauso wird aber ein eher gemütlicher Mensch, der den Hund zur Gesellschaft möchte und dem es reicht, dreimal täglich gemütlich eine Runde durch den Stadtpark zu drehen, kaum mit einem aktiven Jagd- oder Hütehund, wie einem Deutsch Drahthaar oder Border Collie, glücklich werden. Bei dieser Frage spielt, wie man jedoch sieht, allerdings eher der Charakter des Hundes eine Rolle, und weniger das Aussehen!

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FREISPRUCH! Die neue Tour mit Martin Rütter

Bitte erheben Sie sich von Ihren Plätzen! Denn jetzt kommt der einzig wahre „Anwalt der Hunde“. In seinem neuen Live-Programm „FREISPRUCH!“ hält Martin Rütter ein bellendes Plädoyer für die Beziehung von Hasso und Herrchen.

Im Auftrag der Hunde und zur Aufklärung ihrer Menschen. Martin Rütter räumt mit dem Mythos des notorischen Problemvierbeiners ein für alle Mal auf. Er holt sie runter von der knochenharten Anklagebank: die Ausgestoßenen, die Ausgesetzten und die Ausgebüxten.

Denn was wir alle längst wissen, aber kaum zu denken wagen, bringt der Hundeprofi Nummer 1 unmissverständlich auf den Punkt: SCHULD ist nie der Hund.

Fotocredit: Guido Engels / Mina Entertainment