Herr Michalsky, wie stehen Sie zu ausgeleierten Konfuzius-Zitaten?

Sie finden Konfuzius ausgeleiert? Dann antworte ich wie folgt: Fordere viel von dir selbst und erwarte wenig von den anderen. Ich finde Konfuzius cool; und übrigens oft auch zeitgemäß.

Wunderbar! Hier ist noch eins: Wähle einen Beruf, den du liebst, und du brauchst keinen Tag mehr zu arbeiten.

Oh ja, schön wär’s. Der gute Konfuzius verbrachte seine Tage damit, nachzudenken. Easy. Aber wie wir alle wissen, auch Liebe ist Arbeit. Und das sage ich kurz vor Weihnachten…

Sie lieben ihren Beruf ja bekanntlich bis zu 18 Stunden am Tag – und arbeiten also eigentlich überhaupt nicht mehr. Sind sie so auch zur Inneneinrichtung gekommen?

Ja, in der Tat war es so, dass ich eines Nachts halb vier zwischen zwei Laptops, meinem Handy, drei Fachbüchern und einem Berg Musterstoffen auf meinem Sofa saß. Da kommt mein Freund herein und reicht mir ein Glas Champagner Wasser. Ich beuge mich vor, um es zu nehmen. Dabei fallen die Laptops und alle vorher geordneten Musterstoffe runter auf den Boden. In diesem Moment dachte ich, die Welt braucht größere Sofas! Und schon gab es eine Michalsky Sofa-Kollektion und: noch mehr Liebe. Der Mann hat mich übrigens verlassen. (lacht)

Seit 2012 gibt es jedenfalls ziemlich coole Einrichtungsgegenstände von MICHALSKY. Die Wohnung als „zweiter Körper“, der auch „gute Kleidung“ braucht?

Stimmt. Eine schöne Metapher. Ich sehe Interior Design als eine Spielart von Modedesign – nur kleide ich keine Menschen, sondern Räume. Es ist spannend, wenn ein Raum durch die Einrichtung ein Leben erhält und dadurch warme Gefühle weckt. Man kann zum Beispiel in einen Raum kommen und fühlt sich dort sofort wohl. Derselbe Raum kann durch anderes Design Unbehagen erzeugen. Interessant, oder?

Wie wichtig ist ihnen gutes Interior Design im Alltag? Also wenn Sie nicht zuhause sind – können sie sich überhaupt noch in Ruhe an einen richtig häßlichen Tisch setzen?

An dem häßlichen Tisch sitzen dann hoffentlich schöne Menschen. Aber ja, manchmal ist das ein Problem, wenn ich in komischen Umgebungen bin. Wobei meine Gedanken dann eher in die Richtung fliessen, was ich in diesem Raum alles anders machen würde. Mich inspirieren die Dinge zu neuen Ideen. Ich kann ja nicht die ganze Welt gestalten. So viel Liebe habe nicht einmal ich.

Dann nochmal kurz zurück zu Konfuzius: Gilt das nicht auch andersrum? Dass man also, wenn man seine Leidenschaft zum Beruf macht, auch Gefahr läuft, die Leidenschaft irgendwo im Tagesgeschäft zu verlieren?

Liebe und Leidenschaft, das alte Drama. Leidenschaft fragt nicht, achtet nicht auf die Details. Leidenschaft genießt und stürzt sich ins Leben. Liebe will Substanz, Sicherheit, Stärke, auch Dauer. Solange ich die Leidenschaft liebe und füttere und hüte und achte, so lange bleibt sie bei mir.

Was gehört unbedingt zum Zuhause von Michael Michalsky?

Ein schöner Raumduft, das riesige Sofa, Musik, Kunst, Ordnung, Sicherheit, Wärme – ich.

Hat ihr Einrichtungsstil sich im Laufe der Zeit stark verändert?

Wissen Sie, mit dem Alter… (lächelt). Wenn ich an meine Buden in London zurückdenke. Da war immer Stil, das ist schon wahr. Aber welcher! Doch lassen sie mich kurz überlegen. Ich schreibe gerade an einem Buch über „Style“. Mein Einrichtungsstil hat schon immer sehr gut zu mir in der jeweiligen Zeit gepasst. Früher war er wild und laut. Heute eben eher geordnet und klar.