Herr Metzelder, Sie haben sich neben dem Sport der Förderung von Kindern und Jugendlichen verschrieben. Wie kam es dazu?

Mit der Gründung der Christoph Metzelder Stiftung Ende 2006 habe ich mein soziales und gesellschaftliches Engagement in einem Projekt gebündelt. Gerade die Zeit im Ruhrgebiet und die Begegnung mit vielen jungen Menschen hat in mir den Wunsch reifen lassen, mich in Deutschland für sozial schwache Kinder und Jugendliche einzusetzen.

Neben der menschlichen Ebene – jedes Mädchen und jeder Junge hat seine eigene (Lebens-)Geschichte – ging es mir immer auch um die volkswirtschaftlichen Konsequenzen von Kinderarmut und Jugendarbeitslosigkeit. Wir können es uns nicht leisten, so viele junge Menschen auf dem Weg ins Berufsleben zu verlieren, geschweige denn über Generationen hinweg Transferleistungen zu bezahlen.

Und wir erleben gleichzeitig immer mehr, dass sich (junge) Menschen in prekären Verhältnissen nicht mehr verstanden oder repräsentiert fühlen. Sie sind nicht mehr in unserer Gesellschaft integriert.

Was liegt Ihnen  besonders am Herzen?

Ich habe ein ernsthaftes Interesse an den jungen Menschen in den Projekten, die wir unterstützen. Deswegen besuche ich die Einrichtungen und verbringe Zeit mit ihnen. Neben der finanziellen Förderung des Projektes geht es mir auch um die Wertschätzung jedes Einzelnen.

Ich bin der tiefen Überzeugung, dass jeder Mensch ein besonderes Talent hat und irgendwas besonders gut kann. Wir wollen Kinder und Jugendliche dabei unterstützen, ihre Fähigkeiten zu entdecken und an ihnen zu arbeiten, um irgendwann ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Wie kann man sich die Förderung genau vorstellen?

Wir haben von Anfang an unseren Fokus auf ein zusätzliches außerschulisches Bildungs- und Ausbildungsangebot gelegt. Wir gehen also bewusst in Brennpunkt-Stadtteile und stärken dort die Institutionen, die sich bestens auskennen und bereits großes Vertrauen genießen. In diesen Einrichtungen implementieren wir dann ein Bildungsangebot.

Grundsätzlich wollen wir all diejenigen unterstützen, die aus den unterschiedlichsten Gründen Hilfe benötigen.

Oft kommt die Nachfrage nach einer zusätzlichen Hausaufgabenbetreuung oder Lernhilfe sogar von den Kindern selbst. Sie bewegen sich in einem ihnen vertrauten Umfeld und haben damit eine ganz andere Grundmotivation.

Viele Kinder kennen es auch nicht, gemeinsam zu essen oder gar in den Urlaub zu fahren. Diesem Mangel wirken wir mit Essenstafeln und pädagogischen Ferienfreizeiten entgegen. Flüchtlingskindern bieten wir eine zusätzliche Sprach- und Schulförderung an.

Wer kann wie davon profitieren?

Aufgrund der Förderung von Einrichtungen in prekären Stadtteilen richtet sich das Angebot hauptsächlich an Kinder aus Hartz-IV-Familien und Kinder mit Migrationshintergrund. Grundsätzlich wollen wir aber all diejenigen unterstützen, die aus den unterschiedlichsten Gründen Hilfe benötigen. Mittlerweile begleiten wir täglich fast 10.000 Kinder und Jugendliche in 28 Projekten auf ihrem Lebensweg.

Bitte erzählen Sie uns zum Abschluss von einer Begegnung, die Sie besonders berührt hat.

Vor einigen Jahren besuchte mich in den Herbstferien eine Gruppe von Kindern aus der „Freien Schule Essen-Katernberg“ beim Training von Schalke 04. Nach einer Stadionführung und dem Trainingsbesuch gab es Autogramme und Fotos mit meinen Mannschaftskollegen, als ein kleiner Junge zu mir kam und sagte: „Metze, vielen Dank für den schönen Urlaub!“ Ein Tag im sechs Kilometer entfernten Gelsenkirchen-Schalke fühlte sich für ihn wie Urlaub an. Das war berührend und aufrüttelnd zugleich!