Welche Optionen stehen einem Profifußballer zur Verfügung, um sich fortzubilden?

Optionen gibt es sehr viele. Es kommt darauf an, wie ich meine Rolle interpretiere und wo ich hinmöchte. Ich kann jedes Training als Fortbildung sehen, um auf meiner Position besser zu werden, jedes Spiel, um mein Verständnis von Taktik zu verbessern.

Durch das inzwischen sehr professionelle Umfeld kann ich mich vertieft mit den Themen Pflege, Regeneration und Ernährung auseinandersetzen, Gesprächspartner und Experten finden und treffen. Ich habe für mich durch das Kapitänsamt zusätzlich viel über Führung gelernt.

Über den Sport hinaus habe ich natürlich zeitliche Einschränkungen und Vorgaben durch Trainings- und Spielplan. Aber prinzipiell steht es auch jedem Fußballprofi offen, ein Fernstudium zu starten oder sich auf andere Art und Weise zusätzliche Bereiche zu erarbeiten.

Denken Sie, dass Bildung Voraussetzung für Erfolg ist?

Ja. Jetzt nicht zwingend die höchste Schulbildung, aber immer eine gewisse Form von Ausbildung. Ich denke, es geht um ein grundlegendes Verständnis und Wissen. Denn nur wer grundsätzlich versteht, was um ihn herum passiert und warum, kann sich integrieren oder bewusst abgrenzen. Ich muss die Regeln lernen und verstehen.

Und ich muss mich selbst kennenlernen und einordnen können. Dann kann ich mir in meinem Bereich eigene Ziele setzen und auch erfolgreich sein, weil ich sie erreiche. Bildung ist die Voraussetzung, um selbstbestimmt handeln
zu können.

Sie sind vielseitig engagiert, wie entscheiden Sie, wofür Sie sich einsetzen möchten?

Das erste und einfachste Kriterium ist: Es muss zu mir passen. Das heißt, ich bin Münchner, Familienmensch, Sportler, genauer Fußballprofi, war zehn Jahre Nationalspieler, Kapitän des FC Bayern. Ich bin Fußballweltmeister und Triplesieger mit meinem Heimatverein. Ich bin entsprechend geprägt, was Werte und Erfahrungen angeht. Und diese möchte ich weitergeben.

Am Anfang, als junger Spieler, habe ich mich als Botschafter und Pate eingesetzt.

Selbstbewusstsein vermitteln. Zusammen mit Partnern, die sich für dieselben Inhalte einsetzen möchten. Und in meinen eigenen Projekten, wie dem Philipp Lahm Sommercamp, wo es um Bewegung, Ernährung und Persönlichkeitsentwicklung geht, weil diese drei Themenfelder für mich selbst wichtig waren und ich sie als Grundlage meiner Erfolge sehe.

Wie haben Ihre Engagements begonnen?

Am Anfang, als junger Spieler, habe ich mich als Botschafter und Pate zum Beispiel für die SOS-Kinderdörfer oder den Welt-Aids-Tag eingesetzt. Nach einer privaten Südafrikareise 2007 mit Besuchen in Projekten und Townships wollte ich mehr tun, eigene Projekte starten und voranbringen.

Deshalb habe ich meine eigene Stiftung gegründet: die Philipp Lahm-Stiftung für Sport und Bildung. Im kommenden Jahr können wir bereits das zehnjährige Jubiläum feiern.

Neben drei Hauptprojekten habe ich als Vorstand der Stiftung einige wenige passende Botschafterrollen angenommen – für die AOK-Initiative „Gesunde Kinder – gesunde Zukunft“ oder auch für die Stiftung Lesen.

Was ist das Schönste an den Förderungen? Was liegt Ihnen dabei besonders am Herzen?

Das Schönste ist, wenn man sieht oder erlebt, dass die Kinder, zum Beispiel im Sommercamp, etwas für sich mitnehmen. Dass es funktioniert, was wir uns überlegt haben, sie etwas lernen.

Bücher habe ich aber nach wie vor lieber in der Hand.

Besonders wichtig ist mir, dass sie dabei Spaß haben, weil ich überzeugt bin, dass man nur dann dranbleibt. Das habe ich selbst so erlebt. Es ist schön, dass ich durch meine Karriere und Erfolge Vorbild sein kann. Ich möchte diese Aufmerksamkeit nutzen und meine Erfahrungen weitergeben.

Lesen Sie zu Hause aus Büchern vor oder vom Tablet?

Aus Büchern.

Lesen Sie Ihre Zeitung auf dem Papier oder digital?

Inzwischen meistens digital. In einem Fußballerleben gibt es viele Wartezeiten, die man gut nutzen kann, um sich zu informieren. Dass ich das jederzeit über mein Handy machen kann, ist praktisch.

Bücher habe ich aber nach wie vor lieber in der Hand. Das ist dann Lesen zum Genuss, ohne Ablenkung durch WhatsApp, E-Mails oder Ähnliches. Höchstens durch einen ungeduldigen Vierjährigen, der den Papa als Feuerwehrmann in seinem Spiel gerade dringend braucht.

Wie stehen Sie zu Lernapps und Co.? Wie lernt Ihr Sohn?

Momentan vor allem durch Zuschauen und Nachahmen und Nachplappern. Das Thema Lern-apps ist bei uns noch nicht ganz aktuell, weil Julian frühestens nächstes Jahr in die Schule kommt. Aber generell bin ich da aufgeschlossen.

Wie ich vorher schon mal gesagt habe, halte ich Spaß für sehr wichtig, damit man etwas lernt und motiviert bleibt. Es gibt bestimmt tolle Apps, die Inhalte spielerisch vermitteln. Außerdem ist es wichtig, dass Kinder heutzutage einen verantwortungsvollen Umgang mit den digitalen Medien lernen.

Das gehört dazu. Meine Frau und ich werden uns bemühen, dass wir die richtige Dosierung finden.

Was war Ihr Traumberuf, als Sie klein waren?

Das hat gewechselt, wie bei allen Kindern, denke ich. Aber Bäcker stand relativ lange Zeit hoch im Kurs.

Was würden Sie gerne noch in Ihrem Leben lernen?

Da gibt es sehr viel! Im Prinzip habe ich gerade meine zweite Ausbildung begonnen und lerne momentan täglich aus Gesprächen, Telefonaten oder Mails durch die verschiedenen Unternehmen, an denen ich beteiligt bin.

Ich frage mich: Was passt zu mir? Wofür stehe ich? Wofür möchte ich mich einsetzen?

Ich hoffe irgendwann einmal auch hier eine ähnliche Kompetenz wie im Fußball zu haben, aber da stehe ich gerade noch ganz am Anfang. Ich denke, das Wichtigste ist, neugierig zu bleiben und ein gutes Netzwerk aufzubauen.

Denn es gibt so viel zu lernen, dass man das gar nicht alles selbst wissen kann.

Wie entscheiden Sie, an welchen Unternehmen Sie sich beteiligen möchten?

Ähnlich wie bei meinem sozialen Engagement. Ich frage mich: Was passt zu mir? Wofür stehe ich? Wofür möchte ich mich einsetzen? Stimmt das Thema? Stimmen das Team, das Management, die Mitarbeiter?

Im Prinzip befassen sich alle Firmen, bei denen ich momentan dabei bin, mit den Themen bewusste Lebensführung und Gesundheit – und Digitalisierung. Weil ich glaube, dass es in dem Bereich besonders viel zu lernen gibt, das in der Zukunft wichtig ist.