Von Abo-Fallen über illegale Tauschbörsen bis hin zu Cybermobbing lauern dort zahlreiche Gefahren auf sie, welche in ihrem Ausmaß oft schwierig abzuschätzen sind. Der Kölner Medienanwalt Christian Solmecke rät zur Aufklärung der Kinder, um sie vor allfälligen Schäden zu schützen.

In welchen Bereichen sind Kinder im Netz besonders gefährdet?

Es gibt unterschiedliche Bereiche, wo man als Eltern auf seine Kinder aufpassen sollte. Zum einen betrifft das den zivilrechtlichen Bereich, zu dem beispielsweise die Abo-Fallen gehören. Ein anderer Bereich ist Pornographie, die sich ja überall im Internet findet.

Eine weitere Problematik besteht darin, dass Kinder oft in Chats angesprochen werden und dort möglicherweise in Beziehungen gelockt werden können. Was wir ebenfalls täglich erleben ist das Cyber-Mobbing über Facebook und andere Portale, etwa durch Identitäts- oder Passwortklau. 

Ganz aktuell ist beispielsweise die Zong-Abzocke, wo sich jemand ein identisches Fake-Profil auf Facebook zulegt, das exakt wie das eines Ihrer Freunde aussieht. Von diesem "Freund" erhalten Sie in der Folge die Bitte, mit Ihrer Handyrufnummer einen Zahlencode zu bestätigen, als angeblicher Freundschaftsdienst.

In Wirklichkeit wurde im Hintergrund aber der Zahldienst Zong genutzt. Solche Sachen gibt es schon länger, aber in letzter Zeit grassieren sie geradezu.

Wie funktionieren die Abo-Fallen, die Sie angesprochen haben?

Eine berühmte Falle war die Seite “vornamen-heute”, wo sich Personen die neusten Vornamen anschauen konnten. Durch eine Registrierung schloss man aber ein Vornamen-Abo ab, was 80 Euro im Jahr kostete. Vergleichbares gibts auch mit Routenplanern oder PDF-Programmen.

Es ist zum Glück sehr simpel, hier wieder rauszukommen. Verträge, welche Kinder abschliessen, sind unwirksam, solange die Eltern sie nicht genehmigt haben. Das gilt auch für Kaufverträge. Es gibt eine Ausnahme: Wenn der Vertrag mit Taschengeld abgeschlossen wurde, dann ist er rechtsgültig, solang der Sinn des Taschengeldes erfüllt ist.

Sich das Geld über mehrere Monate anzusparen und danach im Internet eine Playstation zu kaufen, entspricht beispielsweise nicht dem Sinn des Taschengeldes.

Wie steht es mit illegalen Tauschbösen?

Hier geht es nicht um Verträge, sondern um Schäden. Der typische Satz “Eltern haften für ihre Kinder” gilt hier nicht. Wenn Kinder im Web etwas hochladen oder auf einer Tauschbörse tauschen, dann können sie dafür haften und zwar bereits ab sieben Jahren. Eltern haften nur für ihr eigenes Verschulden, wenn sie beispielsweise ihre Aufsichtspflichten verletzten.

Im berühmte Morpheus-Urteil aus dem Jahre 2012 hat der Bundesgerichtshof festgehalten, dass Eltern ihre minderjährigen Kinder einmalig belehren müssen. Sie haften dann nicht für ihre Kinder, müssen sie aber auch nicht ständig beim Surfen beaufsichtigen.

Die Abmahngefahr ist bei illegalen Tauschgeschäften sehr gross und hier kann es auch teuer werden. Wir haben Fälle erlebt, wo bis zu 25’000 Euro bezahlt werden sollten, weil das Kind in einer Sammelwut einfach alles heruntergeladen hat.

Was können Eltern bei Cybermobbing tun?

Wenn sein Kind im Internet beledigt wird, dann könnte man als erstes versuchen, mit Lehrern oder den Eltern eine Lösung zu finden. Oftmals wissen die Lehrer genau, wer denn mobbt. Im schlimmsten Fall kann man den Gang zum Anwalt tun.

Wenn das Persönlichkeitsrecht sehr schwer verletzt wird, dann schicken wir auch schon mal die Polizei vorbei, das wirkt oft nachhaltig. Es ist natürlich schade, wenn die Ultima Ratio die Rechtskeule ist, aber in einigen Fällen ist das die einzig wirksame Lösung.

Wie kann ich mein Kind vor den Gefahren im Internet schützen?

Das Beste ist sicherlich eine Aufklärung und ein offener Umgang. Man sollte seinem Kind erklären, welches die grössten Gefahren sind, was im Internet alles zu finden ist und dass es niemals seinen Namen, Geburtsdatum und Anschrift angeben soll.

Ein aufgeklärtes Kind fragt vielleicht erst, bevor es etwas tut, was ihm schaden könnte. Dass man selbst die ganze Zeit neben seinem surfenden Kind sitzt, ist geradezu unrealistisch. Es kann aber nie schaden, das Medienverhalten seiner Kinder im Blick zu haben.

Zusätzlich kann man gewisse Ports sperren, welche die Tauschbörsen nutzen. Damit hat man ungefähr 95 Prozent der Gefahren im Griff. 

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