Johannes, wann hast du selbst dein Talent fürs Singen entdeckt?

Ich komme aus einer Musikerfamilie und war, seit ich geboren wurde, immer von Musik umgeben. Ich habe das Musikerleben quasi vorgelebt bekommen und habe das dann auch adaptiert.

Inwiefern?

Meine Eltern haben geübt, gespielt, gesungen und ich war immer mittendrin. Mit drei Jahren habe ich bereits überdurchschnittlich viel gesungen, mit zehn Gitarrenunterricht bekommen, mit 14 die erste Band gegründet und einer musste singen, das war dann ich.

Inwieweit haben dich deine Eltern unterstützt?

Die fanden das natürlich immer prima und haben mich gefördert, jedoch niemals Druck auf mich ausgeübt. Sie haben nie von mir erwartet, dass ich in ihre musikalischen Fußstapfen trete und auch Musiker werde. Das hat sich so ergeben, wohl auch, weil Musik von Geburt an ein großer und wichtiger Teil meines Lebens war.

Freilassen. Das Kind einfach so sein lassen, wie es ist.

Auch wenn deine Eltern nie zu viel gefordert haben, warst du dennoch mal an einem Punkt der Überforderung?

Man kommt immer mal an einen Punkt, wo es einen überfordert, wo es zu viel Stress ist und der Druck sehr groß ist. Gerade wenn man eine Verantwortung für eine ganze Band hat, quasi für ein musikalisches Unternehmen, und viele Jobs davon abhängig sind.

Wie wirkt sich das bei dir aus?

Ich werde heiser und meine Stimme versagt, dann weiß ich, dass es gerade zu viel ist. Dann mache ich mir schon Gedanken und habe Angst, vielleicht nie wieder singen zu können.

Schlussendlich ist das aber auf den Druck zurückzuführen, und ich bin jemand, der sich schnell selbst unter Druck setzt, was auch eine Schwäche von mir ist und mich ehrlich gesagt auch ziemlich ärgert. Aber vielleicht kriege ich es ja mit dem Alter hin, etwas gnädiger zu mir selbst zu werden. (lacht)

Hast du bei „The Voice Kids“ manchmal übereifrige Eltern erlebt, die ihre Kinder überfordern?

Ich muss sagen, dass die Eltern, die ich kennenlernen durfte, alle sehr entspannt waren. Es ist ja auch so, dass sich bei „The Voice Kids“ sehr viele Kinder bewerben, und bei denen, die dann in die engere Auswahl kommen, wird das ganze Umfeld genau von Pädagogen und Psychologen gecheckt, um genau diese Art von Eltern, die sogenannten Eiskunstlaufeltern, herauszufiltern.

Denn genau das wollen wir nicht, dass die Kinder zu uns kommen, weil es der Traum ihrer Eltern ist. Sie sollen teilnehmen, weil es ihr eigener Traum ist. Weil da gute Vorarbeit geleistet wird, sind mir solche Eltern nie begegnet.

Wäre das nicht so, würdest du die Show dann machen?

Wenn ich gemerkt hätte, da steckt keine Leidenschaft sondern Druck, beispielsweise von Eltern, dahinter, dann hätte ich daran nicht teilgenommen.

Und wenn dir so ein Fall erst während der Show aufgefallen wäre?

Dann hätte ich das Kind herausgewählt, um das Kind einfach zu schützen. Aber zum Glück habe ich so einen Fall nicht erlebt. 

Mit welchem Credo hast du die Talente gefördert?

Der für mich richtige Ansatz, wie ich es auch bei der Erziehung meines Sohnes mache, ist Vorleben. Bei den Talenten von „The Voice Kids“ habe ich es ähnlich gehalten. Ich habe ihnen gezeigt, dass jeder Mal seinen Text vergisst, Fehler macht und auf der Bühne nicht immer 100 Prozent geben kann – dass man deshalb jedoch nie sein Können infrage stellen darf.

Ich erzähle dann immer von Situationen, die mir passiert sind. Ich denke, ehrlich zu sein und von solchen Momenten zu berichten, macht alles menschlicher und dadurch am Ende wieder einfacher. Schließlich ist niemand perfekt.

Was würdest du machen, wenn dein Sohn berühmt werden will? 

Ich würde ihn zuerst fragen, warum und womit er berühmt werden will. Das Ziel sollte niemals sein, berühmt zu werden, das fände ich totalen Quatsch, denn es kann kein Lebensziel sein, berühmt zu werden. Wer das ins Poesiealbum als Berufswunsch schreibt, mit dem würde ich mal ein ernstes Wort reden. Wenn man jedoch einen Traum hat, wie „Ich möchte Musiker werden“, dann kann ich das total unterstützen und würde immer hinter ihm stehen.

Bitte gib unseren Lesern Tipps, wie Sie ihr Kind perfekt fördern können und seine Talente entdecken.

Freilassen. Das Kind einfach so sein lassen, wie es ist und niemals versuchen die eigenen Vorstellungen auf das Kind zu projizieren, sondern einfach achtsam zu sein, was das Kind wirklich interessiert. Eltern sollten ihre eigenen Ambitionen in diesem Punkt immer hinten anstellen, denn auch wenn man selbst total sportlich ist, muss das Kind es noch lange nicht sein.

Eltern sollten ihr Kind beobachten und so Talente entdecken. Wenn man Etwas gefunden hat, sollte man in seinem Umkreis gucken, ob es Möglichkeiten gibt, das Talent zu fördern wie Musik-, Kunstschulen oder Vereine.

Man sollte seinem Kind immer Sachen anbieten, es niemals zwingen und wenn dann Interesse da ist, vier Wochen lang schauen, ob es nur ein vorübergehendes Interesse war oder es sich zu einer Leidenschaft entwickelt.

Ich finde es auf der anderen Seite aber auch nicht gut, wenn Kinder bereits 25 Hobbys haben und gar nicht mehr wissen, was sie nachmittags zuerst machen sollen und schon total unter Stress stehen. Also bitte die Kids nicht permanent so überladen, denn Kinder sollen Kinder sein – das dürfen Eltern nie vergessen!