Herr Lahm, 2007 haben Sie die Philipp Lahm Stiftung gegründet und haben es sich zur Aufgabe gemacht, benachteiligte Kinder und Jugendliche aus Deutschland und Kinder aus Afrika in den Bereichen Bildung, Sport und Gesundheit zu fördern. Wie kam es dazu?

Der Auslöser waren die persönlichen Eindrücke während meiner Südafrikareise im Sommer 2007. Ich bin mit meinem damaligen Nationalmannschaftskollegen Piotr Trochowski in das Land gereist, in dem 2010 die WM stattfinden sollte, um uns ein eigenes Bild zu machen.

Wir haben ein SOS-Kinderdorf und auch Townships besucht. Die Armut und Perspektivlosigkeit vieler Kinder und Jugendlicher ist mir sehr nahe gegangen. Zurück in Deutschland ist dann die Idee entstanden, meine eigene Stiftung zu gründen.

Auch für Sie ist Gesundheit ein wichtiger Aspekt. Wie genau engagieren Sie sich in diesem Bereich?

Als Spitzensportler ist es besonders wichtig, fit zu sein, deshalb habe ich mich viel damit befasst. Weil ich es für mich so erlebt habe, bin ich überzeugt, dass eine bewusste Ernährung und ausreichend Bewegung die Grundlagen für ein glückliches Leben darstellen.

Das möchte ich an junge Menschen weitergeben. Zum einen in meinem eigenen Projekt, dem Philipp Lahm Sommercamp, in dem Ernährung, Bewegung und Persönlichkeitsentwicklung die drei zentralen Themen sind.

Hier geht es darum, den 9- bis 12-jährigen Teilnehmern innerhalb einer Woche die Möglichkeit zu geben, ihre Talente zu entdecken, Selbstbewusstsein zu entwickeln und Spaß an Bewegung und gesundem Essen zu finden.

Dazu passend habe ich vergangenes Jahr die Botschafterrolle für die AOK-Initiative „Gesunde Kinder – gesunde Zukunft“ übernommen. Hier geht es darum, das Familienumfeld mit einzubeziehen, die Vorbildrolle der Eltern und konkrete Tipps und Unterstützung zu geben, wie sich gesundes Essen und genug Bewegung in den Alltag integrieren lassen.

Sie sind selbst Vater, und Eltern sind bekanntlich Vorbilder. Wie leben Sie Ihrem Sohn „Gesundheit“ vor?

Ich versuche, den Spaß an Bewegung und gesundem Essen vorzuleben. Als ich selbst Kind war, waren wir sehr viel draußen unterwegs, haben Zeit und Raum zum Austoben gekriegt. Das versuchen meine Frau und ich auch Julian zu ermöglichen. Wir gehen zusammen in den Garten, machen kleine Ausflüge in den Zoo oder wandern am Tegernsee.

Bei den Mahlzeiten versuchen wir, wann immer es geht, zusammen zu essen und auf die Qualität zu achten. Es ist wichtig, dass man sich Zeit nimmt fürs Essen. Bewusst und regelmäßig. Und ich glaube, auch Liebe und Geborgenheit sind wichtig, damit es einem Kind gut geht.

Welche Rolle spielt Prävention?

Eine zentrale! Wenn du als Sportler über Jahre auf höchstem Niveau Leistung bringen möchtest, ohne deinen Körper dabei zu ruinieren, und auch nach der aktiven Karriere noch ein glückliches Leben ohne Einschränkungen führen willst, ist die richtige Pflege absolut entscheidend.

Bewusste Ernährung, ausreichend Schlaf, Zeit zur Regeneration nach Belastungen sind wesentlich, dass es erst gar nicht zu Verletzungen oder Langzeitschäden kommt. Das sollte auch für Nichtsportler gelten. Es geht um die Entwicklung eines Gefühls für den eigenen Körper, was tut gut, was brauche ich. Das ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben!

Was möchten Sie Eltern mit auf den Weg geben?

Kinder lernen viel, schnell und gerne. Man muss manchmal den Mut haben, sie einfach ausprobieren zu lassen! Es macht großen Spaß, mit ihnen gemeinsam die Welt nochmals neu zu entdecken.

So einen kleinen Nachmacher zu Hause zu haben, führt einem die eigenen Angewohnheiten ganz bewusst vor Augen – das ist eine gute Gelegenheit, zusammen zu lernen und manche Verhaltensweise auch für sich nochmals zu überdenken.

Warum liegt Ihnen dieses Thema so am Herzen?

Weil ich mir absolut bewusst bin, dass ich in meinem Leben sehr viel Glück hatte, mit einer Familie, die mich immer unterstützt hat, einer behüteten Kindheit, mit meiner Karriere. Daraus entsteht für mich eine natürliche Verantwortung, sich für andere einzusetzen. Vor allem bei Kindern kann man oft mit sehr wenig schon extrem viel bewirken.

Den Sport habe ich selbst als Lebensschule erfahren und sehe ihn als einfaches Instrument an, junge Menschen zu erreichen, zu begeistern und grundlegende Werte zu vermitteln. Gesundheit ist die Grundlage. Nur wenn es mir gut geht, kann ich ein selbstbestimmtes und glückliches Leben führen.