Herr Kloeppel, Sie haben den Com.mit Award für Schüler ins Leben gerufen. Warum?

Weil ich festgestellt habe, dass es viele junge Menschen gibt, die sich für Medien und das Thema Integration interessieren, was auch daran liegt, dass wir an immer mehr Schulen in Deutschland einen hohen Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund haben.

Dadurch kommt es zwangsläufig auch zu Konflikten, für die es aber auch Lösungsmöglichkeiten gibt. Ich wollte den jungen Menschen die Möglichkeit geben, diese Thematik mit den Mitteln des Fernsehens aufzugreifen. 

In Form des miteinander und voneinander Lernens?

Natürlich, denn es ist immer wichtig, dass man nach Gemeinsamkeiten sucht, aufeinander zugeht, voneinander und miteinander lernt. Und das in allen Lebenslagen – ob in der Schule, bei der Ausübung  seines Hobbys oder eben bei der Teilnahme am Com.mit Award. Gemeinsames Lernen bringt Menschen zusammen. 

„Abends vor dem Schlafengehen eignet sich eine Gutenachtgeschichte besonders gut.“

Auch Lesen spielt in Ihrem Leben eine wichtige Rolle.

Das stimmt. Ich habe beruflich viel mit Lesen zu tun. Ich muss viel lesen, um mich zu informieren, und dann lesen wir ja auch die Nachrichten teilweise vor. Daher weiß ich, wie wichtig es ist, durch Lesen seinen Horizont zu erweitern.

Lesen ermöglicht auch Zugänge zu Themen, mit denen man ansonsten eher weniger zu tun hat. Je früher man damit anfängt, desto besser. Ich selbst habe schon als Kind gern vorgelesen bekommen.

Und als ich dann selbst so weit war, habe ich Bücher regelrecht verschlungen. Das hatte auch viel damit zu tun, dass bei uns zu Hause immer viel gelesen wurde.  Diese Tradition habe ich auch in meiner Familie fortgesetzt und meiner Tochter immer viel vorgelesen. Das Schöne ist: Auch sie wurde früh angesteckt und liest heute noch gern. Eltern sind also auch Lesevorbild. 

Was würden Sie Eltern raten?

Lesen sollte zum Tagesablauf dazugehören. Abends vor dem Schlafengehen eignet sich eine Gutenachtgeschichte besonders gut, um die Kinder auch von der medialen Reizüberflutung wie durch Fernseher, Handy, iPad runterzubringen.

Lesen kann aber auch in andere Tageszeiten integriert werden, beispielsweise morgens bei der gemeinsamen Zeitungslektüre. Es gibt vieles, was man sich zusammen anschauen beziehungsweise erlesen kann. Das hat etwas sehr Verbindendes.  

Und was macht ein Lesepate?

Wir sprechen beispielsweise in Interviews wie diesem darüber, wie wichtig es ist, gut lesen zu können, weil es tatsächlich neue Welten erschließt. Zudem gehe ich in Schulen und lese Kindern vor, spreche mit ihnen über das Gelesene oder über Bücher allgemein. Das macht mir großen Spaß …

… und bildet die Kinder gleichzeitig. 

Absolut, Bildung ist für jede Gesellschaft schon immer wichtig gewesen, in doppelter Hinsicht. Da ist die äußere Bildung, die das Aneignen von Wissen und neuen Kenntnissen, das Begreifen von geschichtlichen Zusammenhängen meint. Genauso wichtig ist aber auch die innere Bildung, also die Herzensbildung.

Kinder lernen so zu verstehen, was es bedeutet, für andere da zu sein, sich für Schwächere einzusetzen, sich Themen zu erarbeiten, die erst einmal gar nichts mit Lernen zu tun haben, sondern vielmehr mit der Vermittlung von Werten. Erst die Kombination aus innerer und äußerer Bildung gibt uns die Chance, dass wir uns auch als Gesellschaft weiterentwickeln.

Kommt die innere Bildung häufig zu kurz?

Das ist immer abhängig von den Lehrern, mit denen man zu tun hat. Ich wünsche mir – wie schon damals als Schüler –, dass Lehrkräfte nicht einfach nur den Schulstoff durchpauken, sondern den Schülern auch etwas fürs Leben beibringen. Dafür müssen sie aber auch verinnerlichen, dass Bildung weit mehr ist als das, was die Lehrpläne und der schulische Kanon vorgeben.