Was die Norweger essen? Die Belgier? Und die Bulgaren? Nadja Beer hat auf all diese Fragen eine Antwort. Die 19-Jährige ist Internatsschülerin in der Nähe von Ulm und nimmt seit mehreren Jahren an Comenius, einem Austauschprojekt der Europäischen Union, teil.

„Vor kurzem war ich in Norwegen“, sagt Internatsschülerin Nadja. Dabei ist ein Kochbuch mit den wichtigsten europäischen Gerichten herausgekommen. Eine Woche lang war Nadja zu Gast bei einer norwegischen Familie, im nächsten Jahr bekommt sie Besuch aus Norwegen.  

Die Schülerin hat in ihrer Comenius-Zeit viel über andere Länder gelernt, nicht nur, was dort gegessen wird, sondern auch, wie Schule im Ausland funktioniert und wie schnell das Anfreunden auf Englisch geht. Seit 1998 nimmt ihr Internat an dem EU-Projekt teil, über 50 Schüler reisen so jedes Jahr ins Ausland.

„Wir haben in Europa schon alles abgeklappert“, sagt Projektleiterin Inge Banholzer und lacht herzlich. Sie begleitet ihre Schüler ins Ausland und bereitet sie im Unterricht auf die Workshops mit den Partnerklassen vor. „Die Schüler verlieren schnell ihre Scheu“, sagt Inge Banholzer, „die träumen nach ein paar Tagen sogar auf Englisch.“ 

„Das Arbeiten mit anderen Nationen wird immer wichtiger“

Wer am Comenius-Projekt teilnimmt, bekommt zum Abitur einen so genannten Mobilitätspass ausgestellt, der dokumentiert, in welchen Ländern der Schüler während der Internatszeit war. „Das Arbeiten mit anderen Nationen wird immer wichtiger“, sagt Inge Banholzer. „Bei uns haben die Schüler schon früh die Möglichkeit, das zu lernen.“ 

Das Comenius-Projekt steht dabei stellvertretend für viele Internatsaktivitäten im Ausland – sei es die Teilnahme des Basketballkaders an internationalen Sportwettkämpfen in den USA, der Austausch mit der Partnerschule in Nanjing in China oder das Hilfsprojekt in Tansania, wo die Internatsschüler beim Aufbau einer Schule für die Massai helfen. „Wir denken grenzübergreifend“, so die Schulleiterin. „Das wird in unserer globalisierten Welt immer wichtiger.“ 

Deshalb kommt ein Teil der Internatsschüler nicht aus Deutschland, sondern aus dem europäischen Ausland,  aus den USA, aus China und Russland. „Da bekommen unsere Schüler ganz viele Bräuche mit“, sagt Schulleiterin Ingrid Sund. Dazu passt auch ihre eigene Biographie: Sie lebte in Manila auf den Philippinen, in Paris und in Genf.

„Ich habe immer zugegriffen, wenn sich die Möglichkeit ergab, ins Ausland zu gehen“, erzählt die Leiterin. „Diese Offenheit möchte ich auch meinen Schülern vermitteln.“  Doch nicht nur Internationalität spielt an Internaten eine immer größere Rolle, auch Sport ist ein wichtiger Faktor. Aus diesem Grund spezialisieren sich Internate immer häufiger auf eine Sportrichtung.

„Wer in die NBA will, muss ein Sportinternat besucht haben“

Internate sind heutzutage nicht nur global, sondern auch sportlich. Sportinternate, wie das Basketballinternat auf der Schwäbischen Alb, verbindet Hochleistungssport mit exzellenter Schulbildung. Davon profitieren alle Schüler – auch die, die nicht Basketball spielen.

Sid wischt sich den Schweiß von der Oberlippe, auch Kevins Schulter glänzt. Die beiden sind im Kader des führenden Basketballinternats in Deutschland. 40 Jugendliche werden hier von vier Trainern auf Profi-Niveau unterrichtet – vor der Schule, nach der Schule, am Wochenende. Das Internat in der Nähe von Ulm unterhält erst seit 1998 eine eigene Basketballakademie und hat es doch schon geschafft, einen A-Nationalspieler hervorzubringen:

Lucca Staiger spielt heute für Alba Berlin. „Er ist unser großes Vorbild“, sagt Kevin nach dem Spiel. Ein Profi-Basketballer, das will Kevin auch einmal werden.Das Internat hat ihm dafür die optimalen Voraussetzungen geboten: Seit sechs Jahren besucht der 18-Jährige das Sportinternat, nach dem Abitur wird er an der University of Vanderbilt in den USA Management studieren – und viel trainieren.

Wer in die amerikanische NBA will, muss nach Einschätzung der Trainer ein solches Basketball-College besucht haben. „Jeder, der hier ist, weiß, dass Basketball sein Leben ist“, sagt Kevin. Ohne das intensive Einzel- und Mannschaftstraining wäre Kevin nicht zu dem alles entscheidenden Turnier nach Florida gekommen: „Und dann wäre mein Trainer auch nicht angesprochen worden“, sagt Kevin und lächelt. Mehr als ein Dutzend Absolventen haben inzwischen ein Sportcollege in den USA absolviert.