Inklusion ist ein großes Thema, besonders auch im Bildungsbereich. Wie sehen Sie hier den aktuellen Stand?

Unsere aktuelle forsa-Umfrage zeigt ganz deutlich, dass es eine große Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt. Inklusion wird nicht gelingen, wenn die Lehrkraft alleine, ohne Unterstützung durch weitere Professionen und nicht ausreichend fortgebildet, in zu großen Klassen und zu kleinen Räumen unterrichten muss! Die repräsentativen Ergebnisse belegen aber wie schon 2015, dass genau das nach wie vor die Realität an deutschen Schulen ist.

Das Konzept der Inklusiven Schule erkennt die Individualität jedes Kindes sowie die Verschiedenheit der Schüler innerhalb einer Lerngruppe an. Wie sieht die Umsetzung genau aus?

Die Lehrkräfte haben die Aufgabe, sinnvoll zu differenzieren. So erhalten manche einfachere Aufgaben oder müssen nicht so viele Aufgaben erfüllen, während andere zusätzliche oder schwierigere Aufgaben erhalten.

Wir sind davon überzeugt, dass die Inklusion ein Konzept ist, das für alle Schülerinnen und Schüler Vorteile hat.

Damit die Kinder entsprechend ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert werden, ist es notwendig, dass die Lehrkraft durch eine Sonderpädagogin oder einen Sonderpädagogen unterstützt wird.

Sie können optimal auf sonderpädagogische Förderbedarfe eingehen und den Kindern zum Beispiel mit speziellen Lerntechniken oder Konzentrationsübungen weiterhelfen.

Was haben die Schüler davon?

Wir sind davon überzeugt, dass die Inklusion ein Konzept ist, das für alle Schülerinnen und Schüler Vorteile hat. In der repräsentativen forsa-Umfrage zur Inklusion sagten die befragten Lehrkräfte allgemeinbildender Schulen, dass für sie vor allem die Förderung von Toleranz, die Förderung sozialer Kompetenzen und das soziale Lernen (voneinander lernen) für eine gemeinsame Unterrichtung spricht. Für alle Kinder relevant ist natürlich auch, dass Berührungsängste und Vorurteile abgebaut werden beziehungsweise gar nicht erst entstehen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Mehr Praxisnähe der politischen Entscheidungen! Nur in Sonntagsreden die Inklusion hochloben wird nicht reichen, um sie wirklich umzusetzen. Die Politik muss Sorge dafür tragen, dass die Gelingensbedingungen stimmen. Dazu gehören die Doppelbesetzung aus Lehrkraft und Sonderpädagoge, die Unterstützung durch multiprofessionelle Teams, die Schaffung schulbaulicher Voraussetzungen, kleinere Klassen und eine angemessene Vorbereitung der Lehrkräfte durch entsprechende Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote.