Stichwort Zukunft Lernen: Inwiefern bereiten sich die privaten Hochschulen darauf vor?

Auf verschiedene Weise. Wir haben ja das Phänomen, relativ viele atypisch Studierende zu haben. Also viele Studenten, die nicht den klassischen Weg – 18 Jahre, Abitur, Uni – gehen, sondern welche, die mit einem Berufshintergrund an die Unis kommen. Da sind wir von Hause aus also angehalten, das Lernen auch auf diese Gruppe zuzuschneiden – durch flexiblere Zeit- und Lernformate.

Wie beurteilen Sie die zukünftige Entwicklung des Studienangebots an Hochschulen in Deutschland allgemein?

Die Hochschulen werden sich darauf einstellen müssen, dass wir eine hybridere Studierendenschaft bekommen und dass die zukünftigen Studierenden auch andere Lernformate bevorzugen, wie das Smartphone.

Bitte gehen Sie genauer darauf ein.

Eine aktuelle Untersuchung besagt, dass nur 20 Prozent der Nutzer das Smartphone zum Telefonieren nutzen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass das Smartphone ganz viele andere Funktionen hat. Da gehört Unterhaltung dazu, aber mit Sicherheit auch das Lernen.

Wie kann man das in die Hochschullandschaft integrieren?

Es gibt eine ganze Reihe von Hochschulen, die mittlerweile mit Podcast und Videovorlesungen unterwegs sind, andere Hochschulen versuchen sich an MOOCs (Massive Open Online Courses). Ich bezweifle, dass der MOOC die Form der Zukunft ist, aber all das sind sicherlich erste Versuche, sich in diesem Bereich aufzustellen.

Und wir werden uns in diesem Bereich aufstellen müssen, da Flexibilität ein wesentlicher Aspekt für den Erfolg von Hochschulen in der Zukunft sein wird.

Wird Studieren immer digitaler werden?

Ich glaube, dass es einen Mix aus Digitalisierung der Lehre und der Präsenzlehre geben wird. Die wissenschaftlichen Hochschulen werden in dieser Hinsicht sicherlich auch andere Formate finden als die an den Erfordernissen der Wirtschaft und der Praxis ausgerichteten, insbesondere privaten Fachhochschulen.

Da wird es immer eine breite Diskrepanz geben, und ich vermute, dass dieser Spread sich noch vergrößert in der Zukunft, was bedeutet, dass wir eine größere Vielfalt von Hochschulformen bekommen werden, die auf die individuellen Bedürfnisse eingehen. Digitalisierung wird aber in jeder dieser Formen zunehmen – und das nicht im Bereich der aufgezeichneten Vorlesungen.

Wie wird sich das Umfeld der Lehrenden und Lernenden verändern? Worauf legen hierbei Privathochschulen den Fokus?

Vermehrt werden sich Studierende und Lehrende auch damit befassen müssen, wie mit dem immer größeren Datenvolumen – auch durch die Digitalisierung – umgegangen und wie es bewertet werden muss. Umso digitaler das Lernen, desto mehr ungeprüfte Meinungen stehen den Lernenden zur Verfügung.

Es muss also wichtiger werden, Studierenden auch beizubringen, wie sie mit Informationen umgehen und wie sie zu bewerten sind. Für die privaten Hochschulen ist dies auch eine Chance, wieder mit innovativeren Unterrichtsformen voranzugehen – so wie wir es seit Jahren in vielerlei Hinsicht schon tun.

Welche Tipps geben Sie Studienanfängern, um sich auch für die professionelle Karriere nach dem Studium bestens zu rüsten?

Es ist extrem wichtig, frühzeitig Praktika zu machen. Denn wenn wir über Zukunft Lernen sprechen, sollte man das Erlernte so schnell wie möglich in der Praxis erproben, aber auch hinterfragen, ob das wirklich ein Betätigungsfeld für die Zukunft ist.

Denn ein interessant klingendes Studium kann für den Einzelnen in der Umsetzung sterbenslangweilig sein. Hier setzen die privaten Hochschulen auch gezielt an, denn wir kümmern uns intensiv darum, was mit den Studierenden nach dem Abschluss passiert, und ich persönlich rate jedem, sich vor Studienbeginn darüber Gedanken zu machen, ob das Studium in einem Beruf mit Zukunft münden kann.