Doch dies gelingt nicht immer auf Anhieb: Nahezu jeder vierte Ausbildungsvertrag in Deutschland wird vorzeitig gelöst. Auch an den Hochschulen sieht es nicht besser aus: In einigen Fachrichtungen führt jeder zweite Jungakademiker sein Studium nicht zu Ende. Zu den meistgenannten Gründen für einen Ausbildungs- oder Studienabbruch zählen falsche Vorstellungen von den Anforderungen und Inhalten sowie fehlende Identifikation mit dem gewählten Fach.

Um dem vorzubeugen, ist es wichtig, jungen Menschen bereits während der Schulzeit eine gute Orientierung zu geben über die weite Welt der Berufe. Denn wer nur mit dem Bild eines Fernsehkochs vor Augen in Richtung Sternegastronomie startet, der ist schnell ernüchtert, wenn er später in einer Großküche kleine Brötchen backen soll.

Was Eltern und Schulen tun können

Eltern sind noch vor Freunden und Lehrern die wichtigsten Ansprechpartner bei der Berufswahl. Deshalb ist es wichtig, dass sich Eltern aktiv in die Berufsorientierung ihrer Kinder einbringen – aber ohne deren Entscheidung zu stark zu beeinflussen.

Auf dem sich schnell wandelnden Arbeitsmarkt entstehen laufend neue Berufsfelder.

Da die berufliche Laufbahn der meisten Eltern entweder mit einer Ausbildung oder einem Studium begonnen hat, beziehen sich ihre Erfahrungen meist nur auf diesen selbst erlebten Teil der nachschulischen Bildungswelt.

Genau hier können Schulen weiterhelfen. Denn die Berufsorientierung in der Schule informiert die Jugendlichen idealerweise sowohl über berufliche als auch über akademische Entwicklungsmöglichkeiten und schafft einen umfassenden und neutralen Überblick.

Berufsorientierung ist auch Stärkung der Persönlichkeit

Auf dem sich schnell wandelnden Arbeitsmarkt entstehen laufend neue Berufsfelder. Gute schulische Berufsorientierung muss nicht über jeden Beruf informieren. Wichtig ist, dass sie Kenntnisse über verschiedene Arbeitswelten vermittelt und den Jugendlichen eigene Erfahrungen ermöglicht. Der Schwerpunkt guter Berufsorientierung im Unterricht liegt auf der Stärkung der Persönlichkeit. Eigenverantwortung und Selbstständigkeit werden gefördert, damit die Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit erlangen, ihre spätere Arbeits- und Lebenswelt aktiv mitzugestalten.

Der Erwerb von Schlüsselkompetenzen und das Bereitstellen von Informationen über die vielfältigen Möglichkeiten der nachschulischen Bildungswelt im Unterricht sollten durch längere Praktika ergänzt werden. Insbesondere diese bieten die Möglichkeit, einzelne Berufe und Tätigkeiten direkt erfahrbar zu machen.

Durch die Vielzahl an Aktivitäten in und außerhalb des Unterrichts erlangen die Jugendlichen so im Laufe ihrer Schullaufbahn nicht nur viele berufsrelevante Fähigkeiten, sondern gewinnen auch unterschiedliche Eindrücke in der Berufswelt. Praxisbeispiele, Arbeitsmaterialien und viele Anregungen für Eltern, wie sie beim Thema Berufsorientierung mit der Schule an einem Strang ziehen können, lassen sich unter www.planet-beruf.de/eltern finden.

Niemand – auch nicht die Eltern – kann einem jungen Menschen die Qual der Berufswahl abnehmen, doch durch systematische und früh angelegte schulische Berufsorientierung wird ihm die Möglichkeit gegeben, diese Entscheidung auf Grundlage eigener Erfahrungen zu treffen. Zeit, als Eltern kritisch nachzufragen, wie die Schule ihre eigenen Kinder in Sachen Studien- und Berufsorientierung unterstützt!