Bewegungsmangel macht sich bereits in frühen Jahren bemerkbar. Ob beim Spiel auf dem Abenteuerspielplatz oder später im Sportunterricht: Kinder, die in ihrer motorischen Entwicklung und Leistungsfähigkeit zurückliegen und dadurch oft mit Übergewicht zu kämpfen haben, werden schnell sozial ausgegrenzt. „Dick, krank, faul“ sind nur einige der Stigmata, mit denen die betroffenen Kinder konfrontiert werden.

Fakten

  1. Kaum Spielkameraden. Spielt Ihr Kind oft allein, sitzt es auch eher. Hier ist Initiative gefragt – ein Vereinsbeitritt erleichtert den Einstieg zum Sport und ermöglicht neue soziale Kontakte.
  2. Schnell aus der Puste. Kinder, die bereits beim Treppensteigen kurzatmig werden, verfügen über zu wenig Ausdauer. Als Aufbauübungen kommen unter anderem Radfahren oder Schwimmen infrage.
  3. Schwache Balance. Ab dem sechsten Lebensjahr sollten Kinder mindestens zehn Sekunden ruhig auf einem Bein stehen können.
  4. Haltungsschwäche. Hängende Schultern und ein nach vorne gebeugter Oberkörper sind Anzeichen für eine schwach ausgebildete Rücken- und Schultermuskulatur.

Vielfältige Funktionen

Dabei hat Bewegung mehr Funktionen als nur die körperliche Leistungsfähigkeit auszulasten. Laut dem Sportpädagogen Jürgen Funke-Wieneke lernen Kinder durch Bewegung die instrumentelle Funktion ihres Körpers kennen. Laufen, Springen, Klettern oder auch Fahrradfahren sind essenziell, um die eigene Koordination zu trainieren.

Ebenso hat Bewegung eine soziale Funktion, denn im aktiven Spiel lernen Kinder, sich in andere einzufühlen, zu führen oder auch die Bewegung anderer mitzuempfinden.

Bewegung hat auch eine symbolische Funktion – wer in Rollen schlüpft und sich durch Bewegungen ausdrückt, fördert ebenfalls die Fähigkeit, sich Dinge gut vorstellen zu können. Zuletzt führt viel körperliche Aktion vor allem zur Selbstbildung, der eigene Körper wird bewusst erlebt.

Träge Kinderstuben

Trotz der großen Bedeutung, die sportlichen Aktivitäten inzwischen gutgeschrieben wird, herrscht in deutschen Kinderstuben nach wie vor Bewegungsmangel. Was kann der Grund sein? Zum einen hat die Intensität, mit der Sport getrieben wird, stark abgenommen.

Im Rahmen der vom Robert Koch-Institut beauftragten Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland gaben nur 21 Prozent von insgesamt 4.500 untersuchten Kindern an, sich beim Sport so stark anzustrengen, dass sie auch ins Schwitzen kommen.

Dabei entfaltet sich erst ab diesem Intensitätslevel die gewünschte Wirkung wie Muskelaufbau und eine gute Ausdauer.  Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass Kinder jeden Tag mindestens eine Stunde bei Spiel oder Sport ins Schwitzen kommen. Wird dieses Bewegungsminium nicht erreicht, ist eine altersgerechte Ausbildung von Kraft, Ausdauer und Koordination faktisch nicht möglich.

Eltern sind hier als gute Vorbilder in der Pflicht – ein Waldspaziergang oder öfters Fahrradfahren macht Bewegung für Kinder attraktiv und bringt Spaß.