Frau Knabenreich, wie kommt man auf die Idee, Hundefriseurin zu werden? Sind Sie einfach so tierlieb – oder eine besonders kreative Friseurin?

Ich wollte schon immer mit Tieren arbeiten. Und so hat mich 2011 der Mops meines Vaters auf die Idee gebracht. Denn wer es nicht weiß: Möpse haaren! Mir war bis dahin nicht klar, dass es Hundefriseure gibt. Bei einem kurzhaarigen Hund braucht man doch keinen Hundefriseur. Ich wurde eines Besseren belehrt und habe angefangen, mich mit dieser Branche zu beschäftigen. Recht schnell wurde mir dann klar, dass ich Hundefriseurin werden möchte.

Wer sich mit Hunden nicht auskennt, hält das Thema „Hundefrisur“ vielleicht für so eine Art „Hollywood-Quatsch“. Aber Fell und Pflege sind tatsächlich wichtig, oder?

Jeder Hund hat das Recht, gepflegt zu werden. Wir Menschen achten ja auch auf unser Äußeres. Mittlerweile gibt es so viele verschiedene Rassen und Züchtungen, dass der Mensch vor lauter Fell mit der Fellpflege überfordert ist. Hunde sollen natürlich gepflegt werden, denn sie leben mit uns unter einem Dach. Nur ein gepflegter Hund fühlt sich auch wohl in seiner Haut. Ich halte aber nichts davon, sie zu färben, komische Frisuren zu schneiden oder sie in alberne Kostüme zu stecken. Es sind immer noch Tiere.

Wie würden Sie das gewichten – wie viel Ihrer Arbeit ist „Aufklärung für Haustierhalter“, wie viel ist „Spiel und Spaß“?

Da es so viel Unwissenheit zum Thema Hundefell gibt, erachte ich es als sehr großen und wichtigen Teil meiner Arbeit aufzuklären. Viele Menschen haben schlichtweg keine Ahnung vom Fell ihres Hundes. Durch meine Öffentlichkeitsarbeit im Fernsehen oder anderen Medien versuche ich täglich, über das Thema Hundefell aufzuklären. Ich betrachte Hunde nicht als Spielzeug oder Mittel zum Zweck, um mein eigenes Ego zu befriedigen. Deshalb sind mir auch Friseurwettbewerbe ein Graus. Mir ist es wichtig, ein Bewusstsein für Hunde und ihr Fell zu schaffen. Das allein macht mir Riesenspaß und ich hoffe, die Hundewelt dadurch etwas besser machen zu können.

Muss eigentlich jeder Hund regelmäßig „zum Friseur“? Und wenn ja, warum überhaupt?

Der Hund lebt mit uns unter einem Dach und trägt ziemlich viel Unrat mit sich in seinem Fell herum. Ein verfilzter oder ungepflegter Hund neigt dazu, Hautkrankheiten zu bekommen. Zudem ist er dann ein super Wirt für Parasiten und Keime, die sich in diesem Dreck ziemlich wohlfühlen. Bei meiner Arbeit als Hundefriseurin stelle ich immer wieder fest, wie wohl sich die Hunde nach einer art- und fellgerechten Pflege fühlen. Egal ob Kurz- oder Langhaar. Und nebenbei dient Fellpflege einem sozialen Aspekt. Es stärkt die Bindung zu dem Hund.

Gibt es Rassen, die überhaupt keine großartige Pflege oder Schur brauchen?

Es gibt Rassen, wie der Pudel oder auch die Trimmhunde (Hunde mit drei Fellschichten wie der Parson Russell oder Irish Terrier), die regelmäßig geschnitten oder getrimmt (gezupft) werden müssen. Denn das Fell wächst endlos oder fängt wie bei den Terriern irgendwann an in der Haut zu jucken. Kurzhaarige Rassen sind da nicht so aufwendig, dennoch empfehle ich, auch kurzhaarige Rassen regelmäßig zu enthaaren und zu waschen. Man muss sich einfach nur mal vorstellen, dass der Hund ja in Autoauspuffhöhe rumläuft. Man würde sich erschrecken, was Hunde alles so für Zeug mit sich rumschleppen.

Haben Sie ein paar Geheimtipps für Hundehalter? Irgendein Tröpfchen ins Futter, und schon glänzt das Fell?

Alle vier Wochen mit einem Naturshampoo (bitte ohne Farb- und Duftstoffe!) mit hundespezifischem pH-Wert waschen und regelmäßig bürsten, kämmen oder striegeln. Gesundes Fell hängt natürlich auch immer von der Gesundheit und Ernährung des Hundes ab. Gut gepflegte Hunde brauchen kein Zaubermittelchen.

Nicht jeder weiß, dass Hundefriseur ein „richtiger Beruf“ ist. Erzählen Sie uns kurz etwas über die Ausbildung – und über die Reaktionen Ihrer Mitmenschen.

Achtung! Eben das genau ist ein großer Irrtum, denn Hundefriseur ist kein Beruf! Es gibt keine staatlich anerkannte Ausbildung in Deutschland. Und genau das ist das große Problem. Viele sogenannte Hundefriseure oder Groomer kennen sich mit Hundefell oder Hundepsychologie nicht aus. Und leider Gottes werden so viele Hunde deren Opfer. Daher kläre ich immer wieder zu den Themen wie Sommerschur oder Baden auf. Ich habe bis jetzt immer positive Reaktionen auf meinen Beruf bekommen. Die Leute fragen sehr neugierig und fangen dann direkt an, von ihrem Hund zu erzählen. Es ist für mich immer ein guter „Eisbrecher“, wenn ich erzähle, was ich beruflich mache.

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