Antwort: Man holt sich Hilfe von einem Übersetzer wie dem Hundeprofi Martin Rütter, der weiß, was der Hund sagen will.

Herr Rütter, muss ich mich sorgen, wenn mein Hund mir nicht immer gehorcht?

Die Frage ist: Was will ich? Kein Hund muss funktionieren wie ein Roboter und beim Kommando „Platz“ wie totgeschossen umfallen. Aber wenn ich ihn nur noch am Horizont winken sehe, ist der Hund nicht mehr gesellschaftstauglich. Mir geht es darum, dass der Halter seinen Hund einschätzen kann. Dann kann er ihn auch lenken.

Wo liegen denn die größten Missverständnisse zwischen Hund und Herrchen?

Viele vermenschlichen ihren Hund, etwa indem sie mit ihm in ganzen Sätzen sprechen. Ob jemand „Sitz“ sagt, oder „Mach mal Si-hitz“ ist für den Hund völlig unterschiedlich.

Häufig deuten Menschen auch das Verhalten falsch. Vier von fünf Haltern haben in unserer Umfrage angekreuzt: „Wenn mein Hund mit dem Schwanz wedelt, ist er lieb.“ Das ist totaler Blödsinn – der Hund drückt so Aufregung aus, die auch freudig sein kann. Steht der Dackel aber vor dem Mauseloch, schlägt der Schwanz auch. Und die Maus erwartet sicher keine freundliche Begrüßung.

Bei Ihrer Arbeit im Fernsehen sieht alles einfach aus. Stolpern sie auch über Fälle, wo Sie nicht mehr weiterwissen?

Definitiv – und die zeigen wir auch! Wenn ein Fall nicht funktioniert, scheitert er zu 99 Prozent am  Menschen. Die Beziehung ist dann so kaputt, dass man sie kaum noch retten kann. Mir begegnen aber vielleicht drei Hunde im Jahr, wo ich ehrlich sagen muss: Trennen sie sich vom Hund, hier geht nichts mehr.

Wie kann ich lernen, meinen Hund besser zu verstehen?

Ich muss immer fragen, was den Hund motiviert. Täglich fragen mich Menschen auf der Straße: „Was kann ich tun? Mein Hund bellt an der Leine.“ Pauschal kann ich da nichts sagen. Ist er ängstlich? Aggressiv? Gelangweilt?

Ist er ängstlich und ich bestrafe ihn, verstärkt das seine Unsicherheit. Testet er nur die Grenzen, setze ich mich einmal durch und das Problem ist gegessen. Erst wenn ich die Motivation verstehe, kann ich Erziehungsregeln aufstellen.

Welche Grundmanieren muss ein Hund haben, um für den Umgang mit dem Menschen gewappnet zu sein?

Wichtiger als die Grundkommandos wie „Sitz“ oder „Platz“, die recht trivial sind, ist Frustrationstoleranz. Ein Hund muss lernen, zu warten und nicht sofort zu bekommen, was er in der Sekunde will. Wenn ich im Büro war, lag mein Hund immer total relaxed neben mir.

Wenn ich aufstehe, rennen neun von zehn Hunden hinterher und denken „Olé olé – jetzt gibt’s Action!“ Was für ein Stress das sein muss, diese ständige Alarmbereitschaft. Mein Hund hatte gelernt: Er ist dran, wenn ich ihn anspreche. So waren wir beide entspannt.

Hand aufs Herz – war ihre eigene Golden Retriever-Dame Mina ein perfekter Hund?

Die Erwartung von Außenstehenden an Mina war ja häufig, dass sie sich morgens‚ einen brennenden Reifen in den Garten stellt und Saltos übt. Dabei war Mina im positiven Sinne ein lieber, verfressener Familienhund. Auch auf ihre alten Tage hat sie sich noch eine Apfelkitsche vom Kompost geklaut, wenn man nicht aufgepasst hat.

Ich hatte nicht den Anspruch, alles perfekt zu machen. Beim eigenen Hund ist es sowieso schwierig, rational zu bleiben. Denn selbst verständlich war meine Mina der beste und tollste Hund der Welt. 

Vielen Dank für das interessante Gespräch.