Sie haben Hunde und Katzen – welche Eigenschaften schätzen Sie an den Tieren?

Tiere erden mich. Sie lehren mich täglich die Kunst, im JETZT zu sein. Ich gestehe also: Ich gehe regelmäßig in die Hundeschule. Als Schülerin, versteht sich. Und das seit neun Jahren, als mein erster Hund Lupo in die Familie kam. Also, ich lerne. Wanstiges Liegen zum Beispiel. Mich über sinnloses Toben freuen, Bauchkraulen als höchstes Glück zu erfahren und Hunger als Katastrophe.

Weder Hund noch Katze kommunizieren über den Kanal, den wir kräftig überstrapazieren, über den Intellekt. Da ist eine gewisse Schlauheit, die große Kunst, „ihren Menschen“ zu interpretieren, um dann geschickt das Gewünschte – also Leckerli, Spiel oder Gekraule – zu ergaunern. Doch der Hauptkanal der Kommunikation ist reine Emotion, sind ungefilterte Gefühle.

Liebe, Wärme und Mitleid gehören auch dazu. Ich muss also meinen Kopf ausschalten, wenn ich mit meinen Tieren bin, den rein intellektuellen Part zumindest. Und so lerne ich, wenn ich denn offen dafür bin, täglich eine weitere Lektion im Fach „Wir! Leben! Jetzt!“

Wo leben die Tiere? Wie schaut der Alltag mit Ihren vierbeinigen Lieblingen aus?

Die Katzen leben in unserem Haus in der Toskana, und wenn ich nicht da bin, werden sie von unserer katzenverrückten Italienerin mit Namen Nadia versorgt. Die Hunde sind immer bei mir. Wenn ich in München bin, sind sie in München. Im Sommer sind sie dann immer „mal weg“. Wie ich auch. Alltag? Da gibt es nur ein MUSS: raus gehen, laufen.

Ich nutze das immer für eine kleine Wahrnehmungsmeditation, zumindest wenn ich mit ihnen alleine gehe. Ich schalte das Denken, das Benennen aus. Ich bin „einfach“ nur in der Natur. Wenn Lupo meint, einen Dackel ankläffen zu müssen, und Vroni mal wieder nach fauligem Gerümpel stöbert, wird mein „Da-Sein“ allerdings abrupt unterbrochen. Doch wenn wir spielen, die Natur bewundern oder wenn die beiden mit der Nase am Boden „Hunde-News“ erschnüffeln, zischt nichts Sinnloses durch meinen Hinterkopf. Celebrate your life.

Wie füttern Sie? Vertreten Sie eine bestimmte Fütterungsphilosophie?

Natürlich nur allerbeste Qualität! Da meine beiden durch freundliche Zuwendung von uns allen durchaus zu Übergewicht neigen, wird Qualität nur kalorienarm akzeptiert. Sprich: Trockenfutter ist schmackhaft, aber strenge Hundediät.

Jeder Hund ist anders, also brauche ich auch typgerechte Erziehungsmethoden.

Dazu kommt täglich eine ziemlich große Portion Gemüse (kein Brokkoli, keine Zwiebeln, keine Tomaten!) – ja, meine Hunde sind partielle Vegetarier. Das füllt schlicht und einfach kalorienarm den Magen. Dazu kommt noch ein bisschen hochwertiges Dosenfutter (Bio!) und Hüttenkäse (fürs Fell!). Alles streng abgewogen. Ein übergewichtiger Hund ist ein unglücklicher Hund. Besonders, weil seine Gelenke leiden.

Sie haben einige Bücher und Ratgeber geschrieben – unter anderem auch ein Buch zum Thema „Hundepsychologie“. Sie zeigen auf, wie wichtig Vertrauen und Empathie in einer gesunden Beziehung zwischen Mensch und Tier sind. Wie handhaben Sie das Zusammenleben? Welche Tipps können Sie unseren Lesern geben?

Respekt, Wärme, Klarheit im Verhalten – und Kenntnis über artgerechte Haltung –, das ist mein persönlicher Beziehungsmix. Jeder Hund ist anders, also brauche ich auch typgerechte Erziehungsmethoden. Das Wichtigste ist jedoch die BE-ziehung. Liebevolle Konsequenz lässt die Rollenverteilung klar leben (ich bin die Chefin, meine beiden Racker sind aber noch lange keine Untertanen) und respektvolles Vertrauen ist die beste Grundlage für lebenslange Liebe.

Sie engagieren sich sehr für den Tierschutz – warum? Welche Werte möchten Sie vermitteln?

„Liebe fürs Leben“ – genau deshalb engagiere ich mich unter anderem für eine Initiative im Grundschulunterricht. Didaktisch ausgebildete Tierärzte erarbeiten, erspielen, erraten und erdenken mit Zweitklässlern, was ein Tier braucht, wenn ich es in die Familie hole. Wie viel Zeit, Geld und Aufmerksamkeit ich täglich benötige, um ein glückliches Zusammenleben zu ermöglichen.

Das „Lernziel“ ist klar: Die Kinder erkennen, ob sie sich wirklich der Verantwortung für ein Haustier stellen wollen – und meine Hoffnung ist, dass es so weniger Tierleid geben wird, weniger ausgesetzte oder ins Tierheim abgeschobene Kreaturen.

Sie begleiten eine Studie, in denen Hunde mit Osteoarthrose via Stammzellentherapie von ihrer Lahmheit geheilt werden können. Wie kamen Sie dazu, die Studie zu begleiten, und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich schreibe schon seit Langem Artikel und Kolumnen für Hundezeitschriften, und da ich von der Ausbildung her Biologin bin, interessieren mich tiermedizinische Themen besonders. Frau Prof. Meyer-Lindenberg, Klinikvorstand und Inhaberin des Lehrstuhls für Chirurgie der Kleintiere an der LMU München, informierte mich über ihre laufende Studie zur Stammzellentherapie bei Hunden mit schweren Arthrosen an großen Gelenken wie Hüfte oder Schulter. So begleitete ich den neunjährigen Labrador Bruno bei seiner Therapie.

Er hatte eine fortgeschrittene Arthrose in der Schulter, lahmte sehr stark und konnte ohne Schmerzmittel nicht leben. Ihm wurden – nach gründlichen Voruntersuchungen – Stammzellen aus dem Bauchfett entnommen, die in einem hoch spezialisierten Verfahren aufbereitet und zwei Stunden später in das betroffene Schultergelenk eingespritzt wurden.

Nach zwei Wochen – es mutet wirklich wie ein Wunder an – begann sich sein Zustand schlagartig zu bessern, und wenige Wochen später lief er wieder durch den Englischen Garten, ohne Schmerzmittel, als wäre nichts gewesen. Was an großartiger Forschungsleistung dahintersteckt und wie die Therapie im Einzelnen funktioniert, beschreibe ich in meinem Artikel in DOGS, der im September erscheint. Alles wird gut!