Erinnerst du dich noch an deinen ersten Schnee? Wie du wild verrückt durch die Gegend getobt bist, nur um festzustellen, dass Schneeflocken auf deiner Zunge schmelzen? Erinnerst du dich an meinen ersten Liebeskummer, wie du mich allein mit deinem Blick getröstet und durch dein Ankuscheln mir zu verstehen gegeben hast, sei nicht traurig, ich bin doch für dich da? Denkst du auch noch an deinen ersten Versuch zu schwimmen zurück, wo wir beide feststellten, dass du wohl doch lieber eine Landratte bleibst? Am besten erinnere ich mich allerdings daran, als du hoch erhobenen Hauptes die ganzen Rüden in unserer Straße verrückt gemacht hast, auf dem Weg zu unserem täglichen Waldspaziergang. Stolz und voller Desinteresse jeden der Bäume markiert hast. Du hast dazu beigetragen, dass ich eine wunderbare Kindheit hatte und seitdem weiß, wie es ist, sich immer auf seinen Vierbeiner verlassen zu können.

Eigentlich hatte dich mein Bruder als Welpen zu sich geholt, musste dich dann aber berufsbedingt und schweren Herzens bei uns unterbringen. Er wusste, ein besseres Zuhause als bei uns wird es für dich nicht geben. Großer Garten, Wald fast vor der Tür und eine Schwester, die dich genauso liebt wie er.

Es war für mich klar, dass ich dich bei deinem Gang über die Regenbogenbrücke natürlich nicht alleine lasse.

Du hast alles miterlebt. Mit 16 das heimliche Reinschleichen zu Hause nach zwölf Uhr. Gott sei Dank konnte man dich mit Streicheleinheiten bestechen und Mama hat nichts davon erfahren, dachte ich zumindest. Die erste Fahrt im Auto mit meinem frisch ergatterten Führerschein hast du überlebt, auch wenn du mir mit Bellen zu verstehen gegeben hast, dass du das nur bedingt gut findest.

Selbst der größte Schäferhund hat dich nicht eingeschüchtert, und so musste ich dich auch das ein oder andere Mal vor einer sehr bissigen Auseinandersetzung schützen. Du warst für jeden Spaß zu haben und selbst die lustigste Verkleidung hat dich nicht irritiert. Wenn wir nicht zu Hause waren, hast du es dir einfach auf dem Sofa gemütlich gemacht und uns dann freudig schwanzwedelnd begrüßt, wenn wir zurückkamen.

Wir haben alles zusammen erlebt. So war es für mich klar, dass ich dich bei deinem Gang über die Regenbogenbrücke natürlich nicht alleine lasse. Ich habe dir ein letztes Mal in deine braunen Augen geschaut, dir gesagt, dass es für dich nun leichter wird, und habe meine Tränen an deiner Schnauze getrocknet. Du bist friedlich eingeschlafen und ich musste nun lernen, wie das Leben ohne dich ist. Es fällt mir noch heute schwer, an dich zu denken, ohne zu weinen, denn eines weiß ich heute: Du warst meine wirklich erste große Liebe, und die hält für immer an.