Tiernahrungsexperte Hans-Jochen Büngener bestätigt das: „Alle Humantrends landen nach einem Jahr im Heimtiermarkt. Darauf hat sich die Industrie eingestellt.“ Der im Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e. V. (ZZF) organisierte Fachmann war viele Jahre ZZF-Vorstandsmitglied und leitet den Messeausschuss der Interzoo.

Ein gesunder Hund verträgt Getreide

Tierhalter führen Juckreiz oder Verdauungsbeschwerden bei ihren Hunden und Katzen oft auf Allergien oder eine Glutenunverträglichkeit zurück; sie lehnen daher getreidehaltiges Futter ab. „Viele Allergien entstehen aber durch Umwelteinflüsse“, betont der Fachmann.

Fütterst Du noch oder „BARFst“ Du schon?

„Getreidefreies Füttern mag im Trend liegen, aber das heißt noch lange nicht, dass es auch für jedes Tier besser ist.“ Grundsätzlich vertragen gesunde Hunde Getreide, dessen Stärke durch Erhitzen verdaulich gemacht wurde. Auch Wölfe haben über den Darminhalt ihrer Beutetiere, welcher vorverdaut und für Hunde und Wölfe verwertbar ist, Pflanzen und Getreide zu sich genommen.

Roh-Fütterung erfordert Ergänzungsmittel

Fütterst Du noch oder „BARFst“ Du schon? Mit dieser Frage lässt sich ein weiterer Tiernahrungs-Trend thematisieren. Die BARF-Methode, im Deutschen meist „biologisch artgerechte Roh-Fütterung“ genannt, entstand aus dem Wunsch, Vierbeiner möglichst naturnah zu ernähren. Roh verfüttert werden dabei Rationen aus Fleisch, Innereien und Knochen, die mit Gemüse oder Obst ergänzt werden.

Je weniger normal ich mein Tier ernähre, desto empfindlicher wird es.

Jedoch gilt laut Experte Büngener: „Hunde sind keine Wölfe mehr. Viele mögen kein rohes Fleisch. Außerdem ist es sicherer, das Fleisch wegen möglicher Keimbelastung zu erhitzen. Wer dennoch lieber rohes Fleisch füttern möchte, muss sicherstellen, dass das Rohfleisch in Lebensmittelqualität unter Einhaltung der vorgeschriebenen Kühlkette und Hygienemaßnahmen in den Futternapf gelangt.“

Die BARF-Methode erfordert Büngener zufolge von Hundebesitzern einige Kenntnisse. Zum Fleisch müsse man in jedem Fall pflanzliche Eiweißträger und Wirkstoffe wie Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente hinzufügen. Um das Futter für die Hunde verwertbar zu machen, komme es dabei auf das passende Verhältnis der Nähr- und Wirkstoffe untereinander an. Tiernahrungshersteller haben den Trend aufgenommen, sie bieten fertige BARF-Mischungen sowie Ergänzungsnahrung an.

Büngener rät: „Je weniger normal ich mein Tier ernähre, desto empfindlicher wird es.“ Diätfutter etwa sei nur für spezielle Situationen gemacht. Bei der Ernährung sei es wichtig, die Lebenssituation des Tieres zu beachten: Ein aktiver Hund zum Beispiel verbraucht mehr Kalorien; ein älterer oder ruhiger Hund benötigt weniger Kalorien und mehr Ballaststoffe, um die Darmtätigkeit anzuregen.

Im Bereich Heimtiernahrung seien nach wie vor Produktlinien im Trend, die die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Tierarten berücksichtigen und auch auf Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel oder Farbstoffe verzichten. „Damit sollte es jedem Halter gelingen, bei seinem Tier Übergewicht, Verdauungsbeschwerden und Allergien zu vermeiden“, lautet Büngeners Fazit.