Seit Halter zu ihren Tieren ein innigeres Verhältnis pflegen, bewerten manche Menschen das Thema Fütterung kritischer. Sie übertragen auf ihre Mitbewohner diejenige Nahrungsqualität, die sie selbst essen: Wer zum Beispiel „bio“ lebt, füttert so auch Hund und Katz. Wer bei seiner Ernährung auf Produktqualität achtet, wer Deklarationen genau liest, handelt so auch beim Einkauf von Tiernahrung.

Heimtiernahrung aus Zutaten in Lebensmittelqualität hat inzwischen eine wachsende Fangemeinde. Lebensmittelskandale haben kritische Zeitgenossen sensibler für die Ernährung ihrer Tiere gemacht: Wenn „das alles" in menschlicher Nahrung landet – was mag dann erst in Tiernahrung enthalten sein?

Das Gesetz regelt, was im Tierfutter enthalten sein darf: nur Fleisch- beziehungsweise Schlachterzeugnisse von Tieren, die für den menschlichen Verzehr geschlachtet wurden. Das laut dem Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz (TierNebG) sogenannte K3-Material wird seit Jahrzehnten für die Herstellung von Tiernahrung genutzt.

Lebensmittelqualität kommt der Rohstoffqualität eines vom Wolf frisch erlegten Beutetiers am nächsten.

Weil das von genussuntauglichen Innereien bis zum Federmehl reicht, weil mangels Hygiene oder Frische verdorbene Lebensmittel dazugehören, mögen das nicht mehr alle Tierhalter füttern – und entscheiden sich neuerdings für den Kauf von Tiernahrung „wie selbst gekocht“, mit Zutaten in echter Lebensmittelqualität.

Birgitta Ornau, Ernährungsexpertin, nennt solches Futter „artgerecht und nicht etwa überkandidelten Luxus“. Sie sagt: „Lebensmittelqualität kommt der Rohstoffqualität eines vom Wolf frisch erlegten Beutetiers am nächsten.“ Sie ist – seit 2005 – die erste Herstellerin, die Hundefutter aus Zutaten in 100 Prozent nachweislicher Lebensmittel-Qualität produziert: Zutaten, die im Moment ihrer Verarbeitung den rechtlichen Status „Lebensmittel“ haben.

Das kann nur ein zugelassener Lebensmittelbetrieb leisten. Aus solchen Zutaten könnte zum Beispiel ein Gulasch, könnten ebenso gut Wurstwaren für Menschen hergestellt werden. Ist aber das Etikett „für Hunde“ an der Dose angebracht, ist damit eine juristische Umwidmung vom Lebens- zum Futtermittel vollzogen.

Tricky daher, wenn Nachahmer den entscheidenden Unterschied zu echter Lebensmittelqualität durch die Aussage kaschieren, ihre Tiernahrung habe dieselbe Wertigkeit, weil die Rohstoffe darin ja schließlich „aus der Lebensmittelproduktion stammen“.

„Das heißt nämlich nicht“, klärt Ornau auf, „dass die Rohstoffe zum Zeitpunkt ihrer Verarbeitung tatsächlich noch Lebensmittelqualität besaßen – und nicht etwa schon wegen womöglich mangelnder Frische oder Hygiene zu K3-Material geworden waren.“

Aufsehen erregte Ornau, als sie im TV quietschvergnügt eine Dose ihres Hundefutters leer löffelte, um seine Qualität und völlige Unbedenklichkeit selbst für den Menschen zu demonstrieren.

Für die Nahrung der 7,9 Millionen Hunde in 16 Prozent der deutschen Haushalte gaben diese 2015 1,3 Milliarden Euro aus. 1,6 Milliarden Euro verschlangen die Futterkosten für 12,9 Millionen Katzen in 22 Prozent der Haushalte. Die Auswahl des Futters für diese Vierbeiner ist zur Philosophie avanciert: Wie ich mir, so ich dir ...