Zum Kinderturnen, dem Geigenunterricht oder was sonst so ansteht an einem ganz normalen Wochentag. Und dann wieder auf die Piste, um ein möglichst gesundes, abwechslungsreiches Abendessen zu zaubern, was bestenfalls alle ohne Meckern essen (auch der Dreijährige in der Autonomiephase). „Ich renne und renne und bin doch meistens zu spät“ fasste mal eine Freundin von  mir ihren Alltag als Mutter so treffend zusammen.

Zeit für mich selbst? Vielleicht abends von acht bis zehn, wenn die Kinder im Bett liegen. Wenn sie denn mal einigermaßen pünktlich einschlafen. Ansonsten kann das Me-Time-Zeitfenster auch schnell auf eine Stunde zusammenschrumpfen. Und nicht unbedingt selten bin ich es, die zuerst eingeschlafen ist.

Die Mutter von heute will es vielen gerecht machen. Den eigenen Kindern. Dem Partner. Dem Arbeitgeber. Den Kollegen. Den Erziehern. Manchmal auch noch den Schwiegereltern, der aufdringlichen Dame von nebenan, die alles besser weiß und den Müttern auf dem Spielplatz, die immer wie aus dem Ei gepellt aussehen und in Herzform ausgestanzte Apfelscheiben aus den Brotboxen zaubern. Es ist kein Wunder, wenn dabei vor allem eine Person auf der Strecke bleibt: die Mutter selbst.

„Muttersein ist ein Gesundheitsrisiko“ sagt das Müttergenesungswerk nicht ohne Grund. Und damit ist nicht das Risiko bei der Geburt gemeint. Rund zwei Millionen Mütter in Deutschland sind laut Genesungswerk kurbedürftig. In einer Studie der DAK gab die Hälfte der Mütter an, dass die psychischen und körperlichen Belastungen durch Kinder groß oder sehr groß seien. Der größte Stressfaktor, so diese Krankenkassen-Studie: die Mehrfachbelastung durch Erziehung, Haushalt und Beruf.

Eure Familie wird es verkraften, wenn das Gemüse einfach nur banal in Scheiben geschnitten und ohne Firlefanz-Muster auf dem Teller serviert wird.

Höchste Zeit, dass wir Mütter uns endlich mal mehr um uns selbst kümmern! Dass wir viel zu oft als letztes an uns selbst denken, zeigt sich in so simplen Alltagssituationen wie dem gemeinsamen Abendessen: Der Gatte füllt sich auf. Der Gatte fängt an zu essen. Ich tue dem einen Kind auf. Ich tue dem zweiten Kind auf. Ich drücke dem Baby ein Brot in die Hand. Ich schneide das Essen für das eine Kind klein. Ich drücke dem Baby eine Banane in die Hand. Ich fülle mir auf. Ich tue dem einen Kind zum zweiten Mal auf. Und während der Gatte sich seinen Teller  nachfüllt, schaffe ich es, meine inzwischen erkalteten Nudeln endlich zu essen.

Das kann doch nicht sein?! Leider doch. Viel zu oft.

Es ist Zeit, das Hamsterrad zu stoppen und auch einmal an uns selbst zu denken! Und das kann bei so simplen Alltagssituationen wie dem Abendessen beginnen. Muss es denn immer etwas Selbstgekochtes sein? Natürlich ist selbstgekocht besser, keine Diskussion. Und natürlich lege ich Wert auf abwechslungsreiches, möglichst frisches Essen für meine Familie. Und für mich.

Aber: Niemand kippt aus den Latschen, nur weil es einfach mal eine Tiefkühlpizza gibt, die in zehn Minuten auf dem Tisch steht und kaum dreckiges Geschirr produziert, was dann wiederum im Geschirrspüler verschwinden muss... Wer es etwas gesunder will, kann ja frische Tomaten oder Paprika drüberschnippeln. Oder aber einfach etwas Tomate, Gurke, Paprika als Beilage servieren. Das ist schnell zurecht geschnitten und jeder kann sich bedienen.

Und, liebe Mütter: Eure Familie wird es verkraften, wenn das Gemüse einfach nur banal in Scheiben geschnitten und ohne Firlefanz-Muster auf dem Teller serviert wird. Obst- und Gemüsemandalas sind nett anzusehen, schmecken tut das Ganze aber gleich. Und übrigens: Äpfel und Co. werden nicht gesünder, nur weil sie hübsch in einem Muster auf dem Teller drapiert sind.

Ich möchte hier nicht dazu aufrufen, der Familie tagein tagaus Tütensuppen oder Ähnliches zu servieren - denn dass das auf Dauer nicht gesund ist wohl jedem klar. Aber ab und an auf eine Tiefkühlpizza zurückzugreifen oder einfach eine Bolognesesauce aus dem Glas über die Nudeln zu kippen, geht absolut in Ordnung. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Denn es entlastet, nimmt Tempo raus und gibt uns Müttern Energie zurück  - die wir auch für uns selbst mal dringend brauchen.

Denn wir brauchen gar nicht das große Wellnesswochenende, um mal wieder Zeit für uns zu haben. Um uns selbst nicht aus den Augen zu verlieren, reichen oft auch kleine Zeitinseln. Momente, nur für uns selbst. Zum Durchatmen. Und Kraft tanken. Eine Art Boxenstop, bevor es wieder weiter geht. Diese kleinen Zeitinseln halten das tägliche Hamsterrad für einen Moment an. Und wer das oft genug macht, kann sich entspannter und besser gelaunt den täglichen Herausforderungen stellen.

Diese kleinen Zeitinseln können zum Beispiel zwischen der Arbeit und dem Abholen der Kinder aus Kindergarten oder Schule sein. Da es in unserem städtischen Kindergarten eh nur Ganztagsplätze gibt, kann ich meine Kinder bis 16 Uhr abholen. Unser Abholzeit ist 14 Uhr, das passt gut in unseren Tagesablauf. Aber ab und zu lasse ich sie eine halbe Stunde länger dort.

Ohne schlechtes Gewissen. Sie spielen mit ihren Freunden und bekommen es meist gar nicht mit und ich gehe einen Kaffee trinken. Und lese dabei in einer Zeitschrift. Oder treffe mich mit einer Freundin. Einfach so. Natürlich könnte ich jetzt auch zuhause noch mal schnell den Geschirrspüler einräumen. Aber ganz ehrlich: Das kann ich auch mit den Kindern.

Die helfen sogar gerne dabei. Stattdessen gönne ich mir Zeit nur für mich selbst. Das sind meine kleinen Boxenstops im Alltag. Oder umgekehrt: Ich bringe meine Kinder morgens etwas früher in den Kindergarten und die Schulbetreuung und nutze die gewonnene Zeit für einen zweiten Kaffee und die Tageszeitung, bevor ich mich an den Schreibtisch setze. Wenn wir uns in unserem Alltag einmal umschauen, entdecken wir viele dieser kleinen Zeitinseln für Verschnaufpausen. Und übrigens: Schon kleine Kinder verstehen es, wenn Mama ihnen sagt, dass sie noch die zwei Seiten in der  Zeitschrift lesen und den Tee austrinken will, bevor sie sich mit ans Bibi & Tina Puzzle setzt.

Der einzige Haken an der Sache: Wir müssen es einfach mal machen. Unser schlechtes Gewissen ausschalten. Denn eines sollte uns Müttern klar sein: Wenn wir nicht ab und zu nur an uns selbst denken, dann haben wir irgendwann keine Kraft mehr für die anderen. Und damit ist niemanden geholfen.

Information

Nathalie Klüver ist Dreifachmama, freiberufliche Journalistin und Autorin. Mehr Tipps, wie man als Mutter keinen Burnout bekommt und sich Auszeiten im Alltag verschafft, gibt sie in ihrem neuesten Buch „Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein. Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter“ (Trias Verlag, 14,99 Euro, ISBN 9783432106304).

Auf ihrem Blog www.ganznormalemama.com schreibt sie über ihren oft turbulenten Alltag mit drei Kindern. den täglichen Spagat zwischen Beruf und Familie - mit einer großen Portion Humor.

Ihr Motto: Mehr Humor und weniger Perfektion. Denn da man es nie allen recht machen kann, sollte man es auch gar nicht versuchen.

 

Bücher:

  • Die Kunst, keine perfekte Mutter zu sein. Das Selbsthilfebuch für gerade noch nicht ausgebrannte Mütter. Trias Verlag, 14,99 Euro.
  • Willkommen Geschwisterchen. Entspannte Eltern, glückliche Kinder. Trias Verlag, 14,99 Euro.

Der Blog: www.ganznormalemama.com  - der Mamablog mit mehr Life als Style.