Christine Hansen, nach einem schweren Autounfall, den Sie und Ihre Tochter Josefine im Jahr 2013 hatten, verbrachte sie mehrere Wochen auf der Intensivstation. Wie haben Sie diese Zeit empfunden?

Ich habe von dieser Zeit nicht viel mitbekommen, weil ich selbst auf der Intensivstation in einem anderen Krankenhaus lag. Für den Papa der Kleinen, unsere Eltern und die Zeit danach kann ich sagen, dass wir als Familie erst mal „nur“ funktioniert haben.

Erst bei Kontrolluntersuchungen erkannten Ärzte zwei Aneurysmen – lebensgefährliche Aussackungen eines Blutgefäßes – in Josefines Kopf ...

Direkt nach dem Krankenhausaufenthalt kamen wir beide in die Reha. Die Ärzte sagten, dass mit Josefine alles in Ordnung sei, aber ich fand, dass sie sich seltsam verhielt. Es war insofern mütterlicher Instinkt, der mich dazu brachte, sie noch mal genau untersuchen zu lassen. Nach den Befunden kam sie von der Reha sofort wieder ins Krankenhaus und wurde operiert.

Seit dem Unfall ist Josefine halbseitig gelähmt, sieht schlecht und ist Epileptikerin. Wie gingen Sie mit dieser neuen Situation um?

Wir kommen bis heute schwer damit klar und wollten es lange nicht wahrhaben. Nach dem Unfall zogen wir uns viel zurück und mieden Kontakte. Es brauchte eine Weile, um die Geschehnisse zu verarbeiten und uns neu zu organisieren. Und ob im Bekanntenkreis oder mit Unbekannten, etwa auf Spielplätzen: Man vergleicht sich mit anderen Eltern und Kindern. Das war nicht leicht. Mittlerweile gehen wir anders damit um und öffnen uns der Außenwelt wieder.

Josefine ist eine Kämpfernatur. Wie sieht ihr Alltag aus?

Stressig. Der Papa von Fine und ich arbeiten beide 40 Stunden pro Woche. Wir stehen um 5.00 Uhr auf und um 6.00 Uhr wird die Kleine geweckt. Um 7.00 Uhr fährt sie der Fahrdienst zur Integrationskita. In der Kita bekommt Josefine ihre Therapien. Gegen 16 Uhr ist sie wieder zu Hause. Die Nachmittagsbetreuung ist durch unsere liebevollen Babysitter momentan sichergestellt. Wir haben zudem das Glück, dass die Großeltern in der Nähe wohnen und tatkräftig mithelfen. Am Wochenende ist für uns Familienzeit.

Ihre Tochter macht eine Lauftherapie in der Slowakei. Was bedeutet das für ihre Entwicklung?

Josefine hat dort laufen gelernt! Das macht uns glücklich. Sie selbst freut sich über jeden einzelnen Schritt und strahlt dabei. Die Ärzte sagten, sie werde sich überhaupt nicht mehr bewegen können. Jetzt macht sie täglich Fortschritte, trainiert, rutscht auf dem Po durchs Haus und will ganz viel laufen üben. Unsere Tochter war jetzt fünfmal in der Slowakei und fährt im Juli noch einmal hin.

Immer für zwei Wochen und in Begleitung von ihren Eltern oder Großeltern. Für Josefine bedeutete das täglich fünf Stunden intensives Üben an sechs Tagen in der Woche. Ich glaube, dass sie das Laufen nur mithilfe der Kompetenz des Therapeutenteams und der intensiven Lernzeit in der Slowakei lernen konnte. Das wäre bei uns gar nicht zu leisten gewesen. Auch der Austausch, den wir über die Stiftung mit anderen betroffenen Eltern haben, führte dazu, dass wir heute viel besser mit der Situation umgehen. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Toni Kroos Stiftung.

Was sind Ihre persönlichen Wünsche für die Zukunft?

Dass wir als Familie alles unter einen Hut bekommen, dass Josefine weiterhin so viele Fortschritte macht und lernt, mit ihrer Behinderung selbstständig zu leben, dass sie sich über ihre Erfolge freut und motiviert bleibt.