Frau Babić, Sie sind die Mutter von Sebastian. Wann erfuhren Sie davon, dass Ihr Sohn eine Querschnittslähmung haben wird und wie gingen Sie damit um?

Anda B. (Mutter): Ich war in der 20. Woche schwanger. Der Frauenarzt, der mich behandelte, schickte mich noch mal zu einer Untersuchung. Dabei dachte ich mir nichts. Die Diagnose war dann aber: Spina bifida – ein offenes Rückenmark, durch das Nervenbahnen zum Teil irreparabel geschädigt werden. Es war ein Schock. Eine Welt brach zusammen.

Doch für mich und meinen Mann war die Entscheidung klar, dass wir ihn bekommen. Mein Glaube half mir und ich gab die Hoffnung nie auf, dass wir das schaffen. Ich war damals schon so dankbar für die Hilfe, die wir von Ärzten, Therapeuten, Pflegern und Schwestern erfahren haben. Aber wenn ich jetzt zurück blicke, bin ich noch dankbarer für die Begleitung. So konnte ich den Schock überwinden und es fühlte sich so an, wie mit unserem ersten Sohn, mit dem ich vier Jahre zuvor schwanger war. Mein Glaube hat mich dabei immer getragen.

Sebastian, wie hast du deine Kindheit empfunden und wie gehst du im Alltag mit deiner Querschnittslähmung um?

Ich habe meine Kindheit als normaler Junge erlebt und empfunden. Klar, mit ein paar Einschränkungen mehr, aber sonst wie jeder andere. Ich war in einem normalen, inklusiven Kindergarten und bin jetzt auf einer regulären Realschule Plus. Mit meinen Freunden gehe ich raus. Seit meinem 6. Lebensjahr spiele ich Rollstuhlbasketball in der RSG Koblenz. Das ist eine offene Gruppe, bei der jeder kommen, zugucken und mitspielen kann, auch Nichtbehinderte.

Wodurch bist du zu dieser Sportart gekommen?

Meine ehemalige Physiotherapeutin hat uns das empfohlen. Sie wusste von der Gruppe. Wir gingen dann dort hin. Ich hab mitgespielt und es machte mir so großen Spaß, dass ich wieder hinwollte.

Du kannst deine Beine nicht bewegen, aber deinen Oberkörper?

Ich kann meine Beine bewegen, aber nicht so strecken, wie andere. Das heißt, mit Hilfe kann ich ein bisschen gehen. Überwiegend fahre ich aber mit dem Rollstuhl.

Anda B.: Sebastian war schon als Kind sehr aktiv. Ob im Schwimmbad oder auf Spielplätzen – er machte mit den anderen alles mit, was er konnte. Bis heute ist er aktiver, als viele gesunde Menschen. Damals merkte ich: Okay, der Junge muss sich austoben.

Anton B. (Vater): Basketball passte ideal, weil die Spieler dort haptisch und schnell in ihren Bewegungen sein müssen. Wir gehen als Familie oft mit, wenn Spiele sind. Das macht uns großen Spaß.

Wie bist du auf die Toni Kroos Stiftung aufmerksam geworden?

Wir sind durch meinen Arzt darauf gekommen. Er weiß, dass ich aktiv Basketball spiele, aber zu diesem Zeitpunkt noch keinen Sportrollstuhl hatte. Weil er mit der Stiftung zusammen arbeitet, empfahl er, dass wir uns an sie wenden. Das haben wir gemacht und ich habe einen bekommen. Ich kann dadurch viel besser spielen und mich beim Sport bewegen. Der Rollstuhl ist leichter, wendiger, schneller und stabiler. Damit fühlt man sich auch beim Spielen sicherer. 

Wie war dein Treffen mit Toni Kroos?

Am 23. März 2017 lernten wir uns im Kölner Krankenhaus kennen. Toni Kroos wollte nicht nur Geldgeber sein, sondern alle persönlich kennen lernen. Ich war etwas aufgeregt. Als ich mich länger mit ihm unterhielt, merkte ich aber, dass er wie jeder andere normale Mensch ist.

Und wie sehen deine Pläne für die Zukunft aus?

Ich möchte nach der Schule eine Ausbildung als Techniker machen. In sportlicher Hinsicht träume ich davon, Profi- und Nationalspieler zu werden.