Sie waren selbst viermal schwanger – wie gelingt es Frauen nach Ihrer Erfahrung, auch in dieser anstrengenden Zeit ein gutes Körpergefühl zu entwickeln?

Die Schwangerschaft ist eine hypersensible Zeit. In ihr stelle ich meinen Körper einem neuen Lebewesen zur Verfügung, damit es darin wächst. Erst danach gehört er wieder mir. Wichtig ist, auf sich selbst zu hören und ausgewogen zu essen. Das ist schwer genug, weil einen die Hormone durcheinanderbringen.

Sport würde ich immer nur in Absprache mit dem Arzt betreiben. Bei meiner ersten Schwangerschaft war Sport eine gute Sache. Nach zwei Fehlgeburten wurde er mir für meine vierte Schwangerschaft jedoch untersagt. Wenn man nach der Geburt allerdings wieder in seine alte Jeans zurückmöchte, gibt es kein Erbarmen. Dann muss man wieder Gas geben.

Was empfehlen Sie ab diesem Zeitpunkt?

Die Frau hat nicht nur ein Kind ausgetragen, sondern es hat sich in ihrem Körper entwickelt. Der Körper ist sozusagen auf links gedreht. Bindegewebe, Sehnen und Muskelpartien haben sich verändert. Der Körper muss sich regenerieren dürfen. Wie schnell, ist individuell unterschiedlich.

Man sollte dem Körper Zeit geben, sich umzustellen.

Ich empfehle, beim Training erst mal Muskelpartien zu ignorieren, die, zum Beispiel am Bauch, stark beansprucht wurden. Auf der anderen Seite gilt es, seine Komfortzone zu verlassen, um ein Ziel zu erreichen. Sport und gesunde Ernährung sollten schon zu unseren Top Drei im Leben gehören.

Wie ernährt man sich denn gesund und verliert nach der Schwangerschaft ein paar Pfunde, ohne unter dem Jo-Jo-Effekt zu leiden?

Man sollte dem Körper Zeit geben, sich umzustellen. Entscheidend ist, freundlich mit sich selbst zu sein und sich für kleine Ziele zu belohnen.

Der Jo-Jo-Effekt frustriert viele, da sie nach ersten Erfolgen die Pfunde wieder draufhaben. Aber vielleicht haben sie dem Körper eine zu große Aufgabe gestellt, die er nicht erfüllen kann? Ich muss also lieber in einer längerfristigen, gesunden Umstellung Kohlenhydrate abbauen. Irgendwann merkt dann der Körper, dass er morgens zwar das Brot braucht, aber nicht mehr mittags zum Salat.

Wenn ich mir jeden Tag eine halbe Stunde nur für mich selbst nehme, profitiert auch mein Kind davon.

Gerade Frauen neigen dazu, lieber weniger zu essen. Aber der Stoffwechsel sollte regelmäßig angeregt werden, und zwar mit gesunder Ernährung. Seit ich mich bewusster ernähre, esse ich sogar mehr und gönne mir hin und wieder auch etwas Ungesundes. Denn ich weiß, dass ich das am nächsten Tag wieder „ausbügeln“ kann.

Gewohnheiten spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Habe ich wirklich Hunger oder nur Appetit? Schnell ist mal ein Stück Schokolade im Mund. Zum Stressabbau oder gegen Hungerattacken platziere ich deshalb dort, wo sonst die Schokolade liegt, lieber Tomaten oder Gurken.

Hört also nicht auf Leute, die sagen: „Na, du hast aber Hunger.“ Ja, habe ich – aber ich achte darauf, was ich esse.

Bei der Schwangerschaft dreht sich naturgemäß alles um das Kind. Wie gelingt es Müttern, sich dennoch auch um sich selbst zu kümmern?

Wenn ich mir jeden Tag eine halbe Stunde nur für mich selbst nehme, profitiert auch mein Kind davon, da ich über mehr Energie verfüge. Bei uns unterstützen mich mein Mann oder andere Familienmitglieder. Das Kind baut so auch Kontakt zu anderen Bezugspersonen auf.

Sie haben auch norwegische Wurzeln. Wie geht man in anderen Ländern mit diesen Themen um?

Ich war gerade zwei Monate in Amerika. Nach meiner Erfahrung wird man dort eher ermutigt, Sport zu treiben, oder erhält Komplimente, wenn man abgenommen hat. Es gibt dafür mehr Akzeptanz. Deutschland hinkt da etwas hinterher. Hier muss man sich fast entschuldigen, wenn man, wie ich es mal getan habe, stolz ein Foto postet, nachdem man abgenommen hat. Ich wurde sogar angefeindet.