Wer als Kind nicht selbst mal eine Weile mit einem von allen Klassenkameraden bunt bemalten Gips herumgelaufen ist, hat mindestens einmal etwas Buntes auf den Gips eines Klassenkameraden gemalt. Kinderknochen brechen schnell, da sich das Skelett im Kindesalter noch in der Aufbauphase befindet. Die sogenannte Wachstumsfuge, die für das Längenwachstum des Knochens sorgt, ist noch nicht geschlossen und enthält einen hohen knorpeligen Anteil, der den Knochen wachsen lässt. Das macht Kinderknochen so verletzlich und weich – eben ziemlich zerbrechlich. Dieser unpraktische „Nachteil“ ist allerdings gleichzeitig auch ein sehr praktischer Vorteil: Die Knochen können relativ schnell wieder verheilen.

Schnell kaputt, schnell wieder ganz

Weil dieser Knochenstoffwechsel bei jungen Menschen so aktiv ist, können Fehlstellungen oder Verkürzungen des Knochens während der Heilung durch das Längenwachstum leicht ausgeglichen werden. Je älter man wird, umso langsamer wird dieser Prozess: je jünger das Kind, umso schneller heilt ein Bruch. Ein Beinbruch mit sieben ist darum bei Weitem nicht so ein „Beinbruch“ wie mit 70. Betroffene Eltern wissen: Nach dem ersten Schreck und anfänglichen Schmerzen ist das Ganze ziemlich schnell eher eine aufregende Sache – und in Kindergarten oder Grundschule ist ein eingegipster Arm eher eine kleine Attraktion als ein Grund zur Sorge.

Bruch ist nicht gleich Bruch

Es gibt verschiedene Frakturformen – generell wird zwischen offenen und geschlossenen (auch „inneren“) Brüchen unterschieden. Seltener und tendenziell gefährlicher sind die offenen Brüche, die sich durch die Verletzung der Haut auszeichnen, bei denen auch häufig ein gebrochener Knochen aus der Wunde herausragt. In schwerwiegenden Fällen können offene Brüche auch mit Gefäß- und Nervenverletzungen einhergehen – allerdings passieren solche krassen Brüche im Rahmen der üblichen Spiele- und Tobereien sehr selten.

Bei geschlossenen Brüchen bleibt die Haut unversehrt; in den „mildesten“ Fällen kommt es sogar vor, dass man sich erst mal fragen muss, ob überhaupt ein Bruch vorliegt. Eine  Ausbeulung der Haut oder eine innere Quetschung beziehungsweise Blutergüsse sind dann aber schnell auftretende sichere Anzeichen. Meistens ist die Sache aber schnell klar: Ein Knochenbruch tut nun einmal ziemlich weh, auf jeden Fall mehr als die „üblichen“, für viele Kinder fast alltäglichen Prellungen oder Schürfwunden. Weitere typische Anzeichen sind neben den Schmerzen plötzliche Übelkeit und Schwindel, eine stark eingeschränkte Beweglichkeit und Schwellungen.

Ein kleines „Knochenbruch-Einmaleins“

Das Wichtigste zuerst: Das Kind muss beruhigt, der erste Schreck genommen werden. Erst dann wird der Bruch untersucht. Ist eine offene Wunde zu sehen, sollte diese mit einer Kompresse aus dem Verbandskasten abgedeckt werden. Geschlossene Verletzungen sollten möglichst schnell mit einem feuchten Handtuch oder Eispack gekühlt werden, um Schwellungen zu minimieren.

Ist die Erste Hilfe geleistet, geht es los ins Krankenhaus. Je nach Alter und Charakter des Kindes kann ab jetzt auch die Kommunikation eine große Hilfe darstellen: Eine Fahrt ins Krankenhaus kann ein Abenteuer sein; eine lebhafte oder lustige Schilderung ähnlicher oder eigener Kindheitserfahrungen kann von den Schmerzen ablenken und dem Erlebnis von vornherein den Schrecken nehmen.

Den Rest erledigen dann die Fachleute. Die Diagnose erfolgt per Röntgenaufnahme, bei Kleinkindern auch per Ultraschall, um den Bruch erkennen und genau lokalisieren zu können. Die Therapie ist dann in den allermeisten Fällen denkbar einfach: Gips drum und fertig.

Die Schmerzen lassen schnell nach, eine Weile darf nur eingeschränkt gespielt und getobt werden, und wir sind wieder am Anfang unserer Geschichte – die Heilung geht schnell und ganz von allein: Bei unter Fünfjährigen ist die Verletzung meist nach zwei bis drei Wochen schon wieder vergessen.