Zudem ist nach wie vor die Meinung verbreitet, dass viele der typischen Erkrankungen im Kindesalter harmlos sind – „Kinderkrankheiten“ eben. Dabei war das Leid der Kinder, die noch vor wenigen Jahrzehnten zum Beispiel an Kinderlähmung oder Diphterie erkrankt sind, unermesslich.

Leider trägt eben der Rückgang vormals gefürchteter Krankheiten dazu bei, dass Schutzimpfungen vernachlässigt werden und gravierende Schutzlücken entstehen, etwa bei Masern. Da erleben wir geradezu ein Revival an Irrtümern und Wissenslücken, wenn zum Beispiel junge Eltern verunsichert durch „news“ und „fake-news“ gezielt die Masernimpfung ihres Kindes verweigern – aus Angst vor vermeintlichen Impfrisiken oder sogar in dem Irrglauben, dass durchgemachte Krankheiten das Kind stärken würden.

Die möglichen Komplikationen der „Kinderkrankheiten“ werden ignoriert: So können Kinder, die an Masern erkranken, lebensgefährliche Organbeteiligungen wie zum Beispiel Lungenentzündungen oder eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute  (Meningoencephalitis) erleiden. Die SSPS (subakute sklerosierende Panencephalitis) ist eine zwar seltene, aber nicht behandelbare Gehirnentzündung, die zu schwersten Gehirnschädigungen und unweigerlich zum Tod führt – auch Jahre nach einer Masernerkrankung.