Darauf legt Dr. Ortrun Rupprecht-Möchel großen Wert. Sie leitet die gemeinnützige Initiative Kiefergesundheit (IKG), die mit diesem Konzept seit der Gründung vor über 20 Jahren der Zeit einen guten Schritt voraus ist.

Kieferorthopädische Wissenschaft und Praxis zeigen, dass Fehlstellungen der Zähne und Kiefer Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben. Oberkiefer und Unterkiefer, so hat sich die Natur das gedacht, sollten sich bei geschlossenem Mund locker gegenüberstehen.

Weisen wie bei einem „Überbiss“ die Frontzähne des Oberkiefers zu weit nach vorn und machen ein entspanntes Mundschließen unmöglich, trocknet das Feuchtbiotop Mundhöhle aus. Die zahnschützenden Eigenschaften des Speichels können kleinste Schäden am Zahnschmelz nicht mehr reparieren, was der Karies den Weg bereitet.

Manche Kinder laufen auch aus reiner Angewohnheit mit offenem Mund herum – sie merken das gar nicht. „Ihre Eltern leider auch nicht“, sagt Dr. Rupprecht-Möchel. In der Regel wird dabei über den Mund geatmet statt über die Nase, die über vielfältige Infektionsschutzmechanismen verfügt. Kinder mit offenem Mund haben daher ein deutlich erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen.

Dass sie zudem Schwierigkeiten mit dem Sprechen haben, erklärt sich von selbst: „Sprache entsteht durch die gezielte Steuerung von Zähnen, Zunge und Luft“, sagt Dr. Rupprecht-Möchel. Wenn Zähne und Zunge nicht an ihrem natürlichen Platz arbeiten, entwickeln sich Lautstörungen: „Lispeln ist nicht niedlich, sondern eine Sprechstörung.“

Um Kindern später eine aufwendige Therapie zu ersparen, sollte man so früh wie möglich mit kindgerechten fachzahnärztlichen Maßnahmen und, so die Kieferorthopädin, auch liebevollem elterlichem Druck gegen die Entwicklung anarbeiten.

Allerdings gibt es auch Störungen, bei denen die Eltern mehr Sorgen haben als die Kieferorthopäden: Viele Kinder knirschen mit den Zähnen, dass den Eltern angst und bange wird. Neue Studien zeigen aber, dass solches Knirschen physiologisch sein kann, das bedeutet: Die Natur schleift die Zähne passgenau ein. Das gilt aber nur für die Milchzähne. In der Wechselgebissphase, wenn die bleibenden herauskommen, ist das Knirschen tabu.

Je später man eingreift, um so schwerer wird es für das Kind, sich das Knirschen rechtzeitig abzugewöhnen. Knirschen am Tag spricht vor allem für zu viel Stress, Knirschen in der Nacht eher für eine Zahn- beziehungsweise Kieferfehlstellung. Es empfiehlt sich, rechtzeitig Fachzahnärzte für Kieferorthopädie einzubeziehen.

Weitere Informationen unter: www.ikg-online.de