Das Mädchen hält zärtlich ein Kuscheltier in den Armen – eine Schildkröte. Emmas Mutter erzählt, dass das Kind am nächsten Tag eine große Operation vor sich hat und sehr ängstlich und aufgeregt ist. „Schildkröten sind Emmas Lieblingstiere“, verrät ihre Mutter noch. „Schau mal, Emma, hier möchte dich Willi, die Riesenschildkröte, begrüßen“, spricht Mimi Rizzi Emma an.

Willis Kopf bewegt sich nun langsam, wie in Zeitlupe, und seine Schnauze sucht vorsichtig nach Futter. Bei schnellen Bewegungen des Mädchens zieht sich der Kopf in den imaginären Panzer zurück. „Ich glaube, die Schildkröte hat Hunger“, sagt Mimi und überlegt, was der verwandelte Willi wohl fressen mag. „Blumen!“, meint Emma, und Clown Mimi pflückt eine unsichtbare Blume vom Krankenhausflur. Emmas Mutter schmunzelt und beobachtet ihre Tochter, die fasziniert auf Mimi und Willi blickt.

Jede Woche besuchen die Clowns kleine Patienten im Sankt-Joseph-Krankenhaus Berlin-Tempelhof. Doch nicht nur in Berlin gibt es speziell ausgebildete Klinikclowns wie Mimi Rizzi und Willi. Deutschlandweit muntern Krankenhausclowns kranke Kinder und ihre Familien auf. Sie finanzieren sich zumeist aus Spenden.

Die Idee stammt aus den USA: 1977 gründete der Schauspieler, Straßentheaterspieler und Clown Michael Christensen zusammen mit seinem Partner den Big Apple Circus, einen Zirkus mitten in New York. Zehn Jahre später führte der Auftritt in einer Kinderherzklinik dazu, die Big Apple Clown Care Unit aufzubauen. „Freude überwindet alle Hindernisse“, so lautet das Credo von Michael Christensen.

Die Wissenschaft vom Lachen

Tatsächlich sind die positiven Auswirkungen vom Lachen wissenschaftlich belegt. Gelotologie heißt die Wissenschaft vom Lachen, die sich mit den körperlichen und geistigen Auswirkungen beschäftigt. Denn Lachen stellt im Körper viel mehr an, als dass sich die Mundwinkel hochziehen. 20 Sekunden Heiterkeit fordern den Körper mindestens genauso wie drei Minuten Joggen. Wer lacht, fordert den Körper und trainiert das Herz-Kreislauf-System: Der sogenannte Zygomaticus-Muskel zieht die Mundwinkel nach oben, die Nasenlöcher weiten sich, der Herzschlag beschleunigt sich und der Augenmuskel spannt sich an. Nach der kurzen Phase der Anspannung folgt die Entspannung der Gesichtsmuskeln, der Herzschlag verlangsamt sich und der Blutdruck sinkt. Ein Wohlgefühl stellt sich ein. Doch wer lacht, spart sich nicht nur das Fitnessstudio, sondern kann auch Stress entgegenwirken. Cortisol heißt das Hormon, das erhöhten Blutdruck oder Kopfschmerzen auslösen kann. Doch lässt sich Cortisol „weglachen“. Wenige Minuten nach einem herzhaften Lachen stellt sich eine Entspannungsphase ein und das Cortisol sinkt ab. Dafür steigt das Glückshormon Endorphin.

Zum Glück gibt es die Clowns!

Die kleine Emma in Berlin weiß nichts von Wissenschaft. Doch ihr Kichern und Glucksen macht deutlich, dass auch bei ihr nun die Glückshormone übernommen haben. Mittlerweile hat das Mädchen seine anfängliche Scheu verloren. Emma pflückt eine imaginäre Rose vom Krankenhausflur und füttert die behäbige Willi-Schildkröte,, die sich nun sogar von ihr streicheln lässt.

Welch eine Freude! Solche positiven Auswirkungen der Clowns auf die Kinder beobachtet Dr. Beatrix Schmidt, Leiterin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Sankt-Joseph-Krankenhaus:  „Die Kinder auf unserer Station freuen sich sehr und lachen, wenn die Clowns kommen. Es gibt sogar kleine Patienten, die entlassen werden sollen, aber unbedingt so lange bleiben möchten, bis die Clowns da waren.

Ich bin davon überzeugt, dass Kinder schneller gesund werden, wenn sie Freude haben.“  Auch aus Thüringen kommt Unterstützung für die Klinikclowns. Wolfdietrich Gaßdorf ist Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik in Suhl. „Die Clowns springen in eine Pflegelücke, die zu schließen im Gesundheitssystem nicht vorgesehen ist. Wir hätten sie am liebsten jeden Tag da.“ Auch aus Suhl sind die Clowns nicht mehr wegzudenken.

„So, Emma, jetzt geht’s los“, bittet die Krankenschwester das Mädchen zur Untersuchung bei der Ärztin. Emma streicht der Schildkröte noch einmal vorsichtig über die Wange, verabschiedet sich von Mimi und geht fröhlich hüpfend mit ihrer Mutter davon. Mission erfüllt – nun darf sich das nächste Kind auf die Clowns Willi und Mimi Rizzi freuen.