Wodurch und wann entstand bei Ihnen der Wunsch, Hebamme zu werden?

Ich wollte ursprünglich gar nicht Hebamme werden, ich wollte Kosmetikerin werden. Damals war ich noch nicht 18, also musste ich erst mal was anderes machen. Da habe ich Krankenschwester gelernt, die Ausbildung zu Ende gemacht und ein paar Jahre gearbeitet, ein Jahr davon auch auf der Entbindung.

Das hat mir auch immer gefallen, aber trotzdem gab’s da noch nicht den großen Wunsch, Hebamme zu werden. Das kam erst, als ein Arzt von einer Schwester erzählte, die Hebamme geworden war. Damals dachte man ja noch, was man wird, das bleibt man auch. Na ja, und da habe ich umgeschult – und 1968 mein Examen gemacht. Seitdem bin ich Hebamme! Und hab’s noch nicht bereut.

Dann hat die Umschulung sich ja gelohnt!

Auf jeden Fall. Ich denke, vor allem auch weil inzwischen viel mehr dazugehört als nur die „Schmalspur-Geburtshilfe“ von damals. Heute kennt man die Mütter viel länger, betreut vor und nach der Geburt, da spielt ein bisschen Psychologie mit rein, ein bisschen Handwerkliches, wenn’s zum Beispiel einen Kaiserschnitt gibt – das hat früher keine große Rolle gespielt. Da wurde schnell entbunden und fertig.

Es entsteht eine Verbindung.

Genau, und das ist auch richtig und wichtig, für die Mütter sowieso, aber natürlich ist das auch schön für mich in meinem Beruf. Vor allem wenn man das zweite oder dritte Mal zusammenkommt für eine Geburt, das ist schon schön zu sehen, was aus den Kindern geworden ist. Und für die Mütter ist diese Vertrautheit unglaublich wichtig. Das hilft sehr, sich zu entspannen.

Sie sind nun schon so lange dabei – gab es Erlebnisse, an die Sie sich noch heute regelmäßig erinnern?

Natürlich gibt es da viele „spektakuläre“ Erlebnisse im Laufe der Jahre. Früher gab es auch mal negative Sachen, als wir noch keinen Ultraschall hatten und so weiter, aber normalerweise ist jede Geburt immer wieder toll. Insofern lässt sich da kaum die eine oder andere Geburt besonders hervorheben.

Was löst eine Geburt denn „heute noch“ bei Ihnen aus? Wird das nach so vielen Jahren zur Routine, oder ist das jedes Mal wieder „ein Wunder“?

In erster Linie geht es mir natürlich darum, dass ein gesundes Kind dabei herauskommt (lacht). Also da überwiegt schon erst mal das „Medizinische“. Klar, es gibt dann – bei manchen mehr, bei manchen weniger – auch für mich eine emotionale Verbindung, manche Frauen kenne ich ja dann auch wie gesagt schon länger. Da sind auch schon richtige Freundschaften entstanden. Manchmal ist es aber auch „nur“ ein Job – ein sehr wichtiger Job, aber nach so vielen Entbindungen kann es da nicht jedes Mal die „großen Gefühle“ geben.

Wozu raten Sie werdenden Müttern heute? Wassergeburt, Hausgeburt, im Stehen?

(lacht) Ja, das hört sich alles toll an. Erfahrungsgemäß ist aber viel „heiße Luft“ dabei, wenn so über Geburt gesprochen wird – vor allem vor dem ersten Kind. Ich sage immer: „Schwangerschaft und Geburt sind Situationen, in denen Sie der Natur hilflos ausgeliefert sind.“ Sie können da ja kaum etwas beeinflussen, nicht die Zeit, nicht die Lage; also die Frauen, die dann tatsächlich in der Hocke oder im Stehen gebären, die kann ich an einer Hand abzählen. Da wird im Vorfeld viel verherrlicht. Ich sehe das einfach realistisch, wir leben im 21. Jahrhundert! Kein Kind muss ohne Schmerzmittel und in einer kleinen Schüssel zur Welt kommen.