Ihre Tochter Cosima hat gerade ihren ersten Geburtstag gefeiert. Wie haben Sie rückblickend Ihre Schwangerschaft in Erinnerung?

Sie war unkompliziert. Ein wenig Übelkeit, aber mehr nicht.

Half Ihnen Ihre Kompetenz als Medizinerin, den eigenen Körper dabei besser zu verstehen?

Was die körperlichen Veränderungen wie Übelkeit oder Wasser in den Beinen angeht, ein klares Ja. Aber noch entscheidender für das Wohlfühlen während der Schwangerschaft war das Körpergefühl, das ich durch den Sport entwickelt habe. So hatte ich immer ein gutes Gefühl bis wohin ich mich problemlos belasten konnte und ab welchen Punkt ich Pause machen musste.

Wie war es mit dem Sport?

Den habe ich während der ganzen Zeit gemacht. Man muss einfach auf seinen Körper hören. Es gab immer mal wieder Tage, da spielte der Kreislauf nicht mit. Ja und? Dann habe ich eben nichts gemacht. Ich wollte nicht Ziele erreichen, sondern mich fit fühlen. Man muss die Bewegung den Gegebenheiten anpassen. Als zum Beispiel der Bauch dicker wurde und somit die Bauchmuskeln auseinander wichen, konnte ich nicht mehr die geraden Bauchmuskeln trainieren, sondern nur sie seitlichen. So hatte ich meine Bewegung ohne kontraproduktiv gegen den natürlichen Geburtsvorgang zu agieren.

Welchen Sport haben Sie betrieben?

Die Klassiker wie Schwimmen oder Yoga sind nicht gerade meine Favoriten. Ich habe dann meine Fitnessübungen sozusagen schwangerschaftskompatibel erstellt. Allerdings passte die erste Planung auf dem Papier dann später nicht immer zur Realität.

Ist das Kind auf der Welt, muss man da anders herangehen, weil die Zeit fehlt.

Manchmal ist eben der Bauch dazwischen oder das Becken zu instabil. Bestimmte Übungen konnte ich plötzlich nur praktizieren, indem ich mich am Stuhl festhielt, weil ich aus dem Gleichgewicht kam. Ich bin aber überzeugt, dass man sich während der Schwangerschaft wohler fühlt, mit der Geburt besser klarkommt und danach schneller wieder mit seinem Körper eins ist, wenn man fit ist..

Wie vereinbaren Sie heute Baby und Fitness?

Ist das Kind auf der Welt, muss man da anders herangehen, weil die Zeit fehlt. Wenn ich daheim Übungen mache, turnt Cosima neben mir und ich habe den Eindruck, dass sie mich imitiert. Man kann nur versuchen, es den Kindern vorzuleben, jedenfalls bis zur Pubertät. Joggen mit Kinderwagen findet sie auch super.

Wie haben Sie es mit dem Gewicht gehalten?

Man kann sich ja ungefähr ausrechnen, wie viel man im physiologischen Rahmen zunehmen darf. Bei mir waren es 16 Kilo, die ich mir bis zum Maximum gegönnt habe. Die waren dann auch recht schnell wieder runter. Wenn Frauen 20 Kilo zunehmen, ist das auch in Ordnung. Bei 30 oder 40 Kilo Übergewicht sind die Dimensionen für Mutter und Kind schon schwieriger.

Mein Rat ist: Macht euch nicht verrückt.

Manche Frauen gönnen sich wohl, endlich mal beim Essen ein wenig „die Sau rauszulassen“. Man muss zwar Nahrung für zwei zu sich nehmen. Aber nicht in der Menge, sondern bewusster in der Qualität. In der Stillzeit benötigt man für das Kind beispielsweise 500 Kilokalorien mehr. Wenn man da weniger isst, purzeln die Kilos wie von selbst.

Wie haben Sie sich ernährt?

Ich habe zum Beispiel mehr Fleisch gegessen als üblich, um das Kind komplett zu versorgen. Interessant war, dass wegen der Hormonumstellung in der Schwangerschaft keine Haare ausfallen. Da meine sehr dick sind, hatte ich irgendwann einen krassen Mopp auf dem Kopf. Nach der Geburt fiel aber innerhalb von acht Wochen plötzlich alles aus, was vorher draufgeblieben war. Das ist gruselig. Man traut sich nicht mehr, sich zu kämmen.

Haben Sie bestimmte Pflegeprodukte verwendet?

Nein, nichts Besonderes. Ich habe mich täglich mit Öl eingerieben und später abwechselnd mit Körperbutter, damit die Haut nicht austrocknet. Ein Tipp von meiner Hebamme. Ob’s am Öl lag oder an meiner Konstitution, dass ich keine Schwangerschaftsstreifen hatte, kann ich nicht sagen.

Generell sollte man diese Zeit also relativ entspannt angehen?

Mein Rat ist: Macht euch nicht verrückt. Hört auf euer Herz und euren Bauch. Fragt reale Menschen, vielleicht den Arzt, die Freundin oder die Nachbarin. Aber geht auf keinen Fall in diese Internetforen. Dort steht ein unfassbarer Müll drin. Das Internet hat sicher seine Berechtigung und es gibt medizinische Sonderfälle. Aber niemand kennt das Wissen und die Intention dieser wildfremden Menschen im Web.

Ich habe mir nur angelesen, was in jeder Woche in meinem Bauch passiert. Mehr nicht. Auch jetzt nicht für die Erziehung des Kindes. Lasst euch in dieser Zeit nicht unter Druck setzen, um irgendwas perfekt zu machen. Das finde ich ganz schlimm. Ich habe jeden Tag der Schwangerschaft genossen.