„In Deutschland liegt die Rate von Fehl- oder Frühgeburten noch immer bei etwa fünf bis sieben Prozent aller Schwangerschaften. Nicht selten ist die Ursache ein veränderter pH-Wert im Vaginalbereich“, erklärt Dr. Peter-Michael Sannwald vom Berufsverband der Frauenärzte.

Pilzinfektionen: eine Gefahr für Mutter und Kind

Infektionen werden durch Bakterien oder Pilze hervorgerufen. Sie können von der Vagina bis zur Gebärmutter aufsteigen und vorzeitige Wehen und einen Blasensprung auslösen und damit eine Frühgeburt einleiten. Es gibt sogar Infektionen, die beim Geburtsvorgang den Säugling infizieren, sodass er gleich zu Beginn seines Lebens mit einer Augen- oder Lungenentzündung zu kämpfen hat.

Im Mutterleib selbst ist das ungeborene Kind zunächst vor bakteriellen Infektionen oder Pilzerkrankungen (Chlamydien) der Mutter geschützt. Deshalb sollte man bei Juckreiz, Rötungen oder Entzündungen im Vaginalbereich den Frauenarzt aufsuchen.

Er macht einen Abstrich und schlägt Behandlungsmethoden vor, die für Mutter und Embryo ungefährlich sind. Aber schon mit einer regelmäßigen Reinigung der Genitalien kann man verhindern, dass Pilze, Bakterien oder andere Erreger sich einnisten können.

Gesundes Scheidenmilieu erhalten

Aufgrund hormoneller Veränderungen ist die Scheide in der Schwangerschaft infektionsanfälliger als sonst. Ein wichtiger Wert, der vom Frauenarzt regelmäßig kontrolliert wird, ist der pH-Wert – also der Säuregrad – der Scheidenflüssigkeit.

„Der pH-Wert sinkt bei einer Schwangerschaft auf etwa 3,5 bis 4,5. Das ist eine ganz natürliche Schutzfunktion des Körpers. Denn je saurer das Vaginalmilieu, desto schlechter können Keime eindringen und zu Infektionen führen“, so Dr. Sannwald.

Ist der pH-Wert einmal zu hoch, hilft schon ein in Naturjoghurt getränkter Tampon, den man in die Scheide einführt, dort kann er bis zu sechs Stunden verbleiben. Joghurt enthält Milchsäurebakterien, die auf natürliche Weise ein saures Milieu wieder herstellen können.

Wichtig ist aber auch, sich regelmäßig im Genitalbereich zu waschen. Am besten verwendet man Pflegeprodukte mit einem niedrigen ph-Wert, die das Gleichgewicht der Haut-Mikroflora stabilisieren. Alkalische Seifen, Intimsprays, Dusch- und Badepräparate sollten während einer Schwangerschaft nicht angewendet werden, da sie die natürliche Hautflora der Scheide zerstören.

Oft werden die Infektionen von den Betroffenen aber gar nicht bemerkt. Sie sind auch vom Arzt manchmal nur bei gezielter Suche zu entdecken. Vor allem dann, wenn sie nicht mit Brennen, Jucken und Ausfluss einhergehen.

„Während der Schwangerschaft ist die Frau sehr viel mehr auf sich und die Veränderungen des Körpers fixiert als sonst. Warum daher nicht auch intensiv die Intimpflege in das tägliche Wellness-Programm mit einbeziehen?“, meint Dr. Sannwald. Denn das führt auch zu einer erhöhten Sicherheit für die Schwangerschaft und das ungeborene Kind.