Wohl jede werdende Mama plagt sich mit Ängsten rund um die Geburt. Gibt es Möglichkeiten, diese Ängste zu reduzieren beziehungsweise zu nehmen?

Die Angst kommt durch die Ungewissheit, was einen genau erwartet, und ist völlig normal. Doch Geschichten, die werdende Mütter zudem ständig erzählt bekommen, schüren diese Grundängste noch mehr. Leider erzählen Mütter, die eine tolle Geburt hatten, viel seltener darüber als diejenigen, bei denen es nicht so schön war. Keine Geburt ist gleich, jede gleicht einer Wundertüte.

Was ist Ihr Tipp, um dem entgegenzuwirken?

Geschichten von schönen Geburten lesen. Dafür veröffentliche ich regelmäßig positive und von mir kommentierte Geburtsberichte auf Hebammenblog.de.

Eine Geburt kann einen wahnsinnig tollen Effekt auf die Frau haben, regelrecht high machen und sie mit großem Stolz erfüllen.

Natürlich ist eine Geburt eine unbekannte Macht, die auf die werdende Mutter zukommt. Es hilft, diese aktiv als Herausforderung anzunehmen, anstatt sich einfach nur ausgeliefert zu fühlen.

Den Besuch eines Geburtsvorbereitungskurses, am besten mit Partner, empfehle ich sehr. Eine Geburt kann einen wahnsinnig tollen Effekt auf die Frau haben, regelrecht high machen und sie mit großem Stolz erfüllen. Was Frau selbst dafür alles tun kann, beschreibe ich in meinem Buch „Das Geheimnis einer schönen Geburt“ und nehme die Leserin mit Arbeitshilfen und Checklisten ganz pragmatisch an die Hand.

Was zeichnet eine „schöne Geburt“ aus?

Jede Frau empfindet das anders. Mir geht es ganz oft so, dass ich eine Geburt als schön empfinde, die Frau das jedoch anders sieht. Und andersrum genauso: Ich empfand die Geburt als sehr anstrengend, doch die Familie ist freudestrahlend und happy.

Woran liegt das?

Häufig an der Erwartungshaltung der Frau. Viele Frauen wünschen sich eine Geburt nach Plan, doch dieser klappt in den wenigsten Fällen. Besser ist, verschiedene Szenarien, mit denen Frau sich wohlfühlt, im Kopf durchzuspielen. Eine Geburt ist ein Abenteuer, auf das Frau sich einlassen sollte, um es schlussendlich sogar zu genießen.

Raten Sie auch zu einem konkreten Geburtsplan?

Ich erachte es schon als wichtig, dass man sich Gedanken darüber macht, was man sich wünscht, und der Geburt dadurch etwas Schönes, Positives und vor allem durchaus Machbares gibt. Leistungssportler nutzen ebenfalls diese Technik der Vorbereitung, indem sie den Parcours wieder und wieder im Kopf durchgehen.

Die Kraft der Gedanken ist stark und diese Stärke sollte jede Frau für sich nutzen. In meinem Buch findet sich dafür eine Geburtsplan-Vorlage mit Anleitung zum Downloaden und Ausdrucken. Viele Frauen kommen darüber auch mit ihren Partnern ins Gespräch, was sehr zu einer schönen Geburt beitragen kann.

Was sollte jeder werdenden Mama vor ihrer ersten Geburt klar sein?

Flexibel bleiben – Plan hin oder her – und damit arbeiten, was kommt. Ob die Wehen morgens oder abends einsetzen, ob die Wanne in der Klinik frei ist oder besetzt – alles egal, wenn die werdende Mama das Beste aus der Situation macht. Eine Geburt kann zu den schönsten Erfahrungen im Leben einer Frau gehören. Dafür muss Frau aber auch bereit dazu sein und sich darauf einlassen. Der Blogartikel „Meine Geburt gehört mir – selbstbestimmt gebären“ ist mein Plädoyer dafür, sich nicht an der Kreißsaaltür abzugeben, sondern die Geburt selbst in die Hand zu nehmen.

Kommen wir zu der Zeit nach der Geburt. Worauf sollten sich die frischgebackenen Eltern, insbesondere die frischgebackene Mama, einstellen?

Es ist schwer, so allgemein darauf zu antworten. Ich denke aber, dass Mütter und Väter in ihre Rollen erst reinwachsen müssen. Ich denke, dass es wichtig ist, sich damit Zeit zu lassen.

Als frischgebackene Mama oder als frischgebackener Papa dürfen Sie die Überholspur mal verlassen.

In unserer viel zu schnellen Gesellschaft wird schon im Wochenbett über den PEKiP-Kurs nachgedacht oder darüber, wann das Kind wohl endlich durchschläft. Warum? Es gilt zunächst, in der neuen Situation anzukommen, auf die sich die Eltern doch in der Regel schon lange gefreut haben.

Nun ist es so weit und man kann sich zurücklehnen und das auch gebührend genießen. Mein Tipp: Schalten Sie einen Gang zurück. Als frischgebackene Mama oder als frischgebackener Papa dürfen Sie die Überholspur mal verlassen. Es ist eine einzigartige und rückblickend immer erstaunlich kurze Zeit im Leben.

Auf Hebammenblog.de gibt es ein Gratis-E-Book mit 80 Wochenbett-Spezialtipps. Es fasst die Blogbeiträge von 15 Blogautoren – allesamt Mütter beziehungsweise Väter – zum Thema Wochenbett zusammen. Sie haben an der Blogparade „Wochenbett-Tipps aus erster Hand – von Mutter zu Mutter“ teilgenommen und ihre ganz persönlichen Wochenbett-Tipps zum Besten gegeben.

Warum haben so viele Frauen Probleme beim Stillen?

Das ist ähnlich wie bei der Geburt. Frauen hören immer die schrecklichsten Storys, aber bei wirklich vielen Frauen klappt das Stillen problemlos. Stillen ist das natürlichste der Welt, und falls es nicht sofort klappt, helfen Hebammen gern, damit es klappt – dafür sind wir da. Also: Stress rausnehmen, durchatmen. Alles wird gut – das gilt nicht nur als Tipp fürs Stillen, sondern als Tipp für alle Situationen im neuen Leben als Familie.