Paare, die zur Erfüllung ihres Kinderwunsches auf eine Eizellspende angewiesen sind, können in Deutschland aufgrund des Verbots der Eizellspende nicht therapiert werden. Darunter sind Frauen, die bereits mit Anfang dreißig in die Wechseljahre gekommen sind, nach einer Chemotherapie keinen Eisprung mehr haben oder auch Frauen, die erst in ihren Vierzigern Familien gründen.

Lesbische und alleinstehende Frauen werden aufgrund der unklaren Rechtslage in Deutschland immer noch häufig nicht behandelt, erhalten in vielen Ländern aber unkompliziert und ohne dass ihre Berechtigung, Eltern zu werden, infrage gestellt wird, eine Samenspende. Auch genetisch belastete Menschen, die in Deutschland die Voraussetzungen für eine PID, also die genetische Untersuchung des Embryos auf Erbkrankheiten im Reagenzglas, nicht erfüllen, werden zu „Reproduktionstouristen“. Viele möchten sich auch die in Deutschland vor einer PID vorgeschriebene Rechtfertigung vor einer Ethikkommission, die überdies für die Paare sehr teuer ist, ersparen.

Manche Paare erhoffen sich im Ausland auch geringere Kosten als in Deutschland

Leicht fällt den meisten Menschen die Entscheidung für eine Behandlung fern der Heimat nicht, denn dadurch werden ihnen zusätzliche Belastungen aufgebürdet. So müssen sie sich beispielsweise vor einer Eizellspende damit auseinandersetzen, dass sie eine in ihrem Heimatland verbotene Behandlung in Anspruch nehmen wollen. Einige Wunscheltern sehen den Gang ins Ausland als eine Art des zivilen Ungehorsams an, andere plagen Gewissensbisse.

Die meisten Paare beschäftigt vor einer Auslandsbehandlung auch, ob die Spenderinnen medizinisch gut behandelt werden, ob sie freiwillig und nicht aus einer Notlage heraus spenden.

Auch wenn sich inzwischen viele ausländische Zentren auf die deutsche Klientel eingestellt haben, stellt die Sprachbarriere eine Hürde dar. Nicht immer ist ein Übersetzer verfügbar, und häufig sind die Behandlungsverträge nur in der Landessprache erhältlich. Die wenigsten Patienten kennen die Feinheiten der reproduktionsmedizinischen Gesetze in ihrem Behandlungsland und können daher die rechtlichen Implikationen ihrer Behandlungsverträge häufig nicht überblicken.

Insbesondere bei der Leihmutterschaft führt dies immer wieder zu Komplikationen. Die Kinder erhalten häufig keinen deutschen Pass und dürfen nicht nach Deutschland einreisen, weil Landesrecht und deutsche Gesetze in der Frage, wer denn nun die rechtlichen Eltern seien, miteinander kollidieren.

Während einer Auslandsbehandlung fehlt den Wunscheltern außerdem die Ressource eines vertrauten, unterstützenden Umfeldes. Vor allem wenn es im Vorfeld bereits mehrere erfolglose Versuche gab, verfügen viele Menschen nicht über die körperlichen, psychischen und finanziellen Reserven, um das auch organisatorisch komplexe Vorhaben anzugehen.

Die meisten Paare beschäftigt vor einer Auslandsbehandlung auch, ob die Spenderinnen medizinisch gut behandelt werden, ob sie freiwillig und nicht aus einer Notlage heraus spenden und ob sie fair entschädigt werden. Während in manchen Ländern die Eltern die Spenderin auswählen können und das Kind sie später teilweise auch kennenlernen kann, erfährt man in vielen Ländern fast gar nichts über die spendende Frau. Einige Staaten schreiben die Anonymität von Gametenspendern sogar verbindlich vor, was es den Eltern später unmöglich macht, den Kindern ihr Recht auf Kenntnis der genetischen Abstammung zu ermöglichen.

Aufgrund des Verbotes, für die Eizellspende zu werben oder Hilfe zu einer solchen zu leisten, ist es für die betroffenen Paare oft schwierig, eine kompetente medizinische Vorbereitung im Inland zu erhalten. Auch für die psychosozialen Berater ist es eine Herausforderung, zur Eizellspende zu beraten und gleichzeitig das Verbot im Inland zu berücksichtigen.

Dabei sollten Wunscheltern gerade vor einer (Auslands-)Behandlung mittels Gametenspende die Möglichkeit erhalten, alle ethischen, psychosozialen und medizinischen Aspekte gut zu reflektieren. Nur so können sie in die Lage versetzt werden, ihre Erfolgschancen realistisch einzuschätzen, seriöse Angebote von Werbeversprechen zu unterscheiden und das spätere Wohl des Wunschkindes zu gewährleisten.