Eine 38-jährige Freundin fragte mich, ob und wo sie ihre Eizellen einfrieren lassen könnte – für später, wenn sie dann den „Richtigen“ gefunden hätte und ihr spannender Job ihr Luft für das „Abenteuer Kind“ lassen würde.

Meine Antwort fiel mir nicht leicht, aber in meinem beruflichen Alltag, in den Zeiten des sogenannten Social Freezings, gebe ich sie immer häufiger: Willst du in deinem Alter wirklich ein Kind – dann entscheide dich jetzt dafür. Die Gelegenheit wird nie besser werden und das Verschieben auf vermeintlich bessere Zeiten bedeutet nur schlechtere Chancen. Wärst du 25, sähe die Welt völlig anders aus.

Zu den Fähigkeiten der Frauen gehört aber, Kinder zu empfangen, auszutragen und zu gebären. Das unterscheidet uns ganz elementar von Männern.

Ich schreibe diesen Beitrag am vergangenen Internationalen Frauentag. Wir fordern zu Recht Gleichberechtigung mit den Männern und müssen doch schmerzlich erkennen, dass sie spätestens bei der Familiengründung, beim Kinderkriegen aufhört und sich daran auch nicht wirklich etwas ändern wird – in absehbarer Zeit.

So sehr ich die Frauenquote unterstütze, so sehr möchte ich auch daran erinnern, dass Gleichstellung von Männern und Frauen nicht zuletzt darin besteht, gleiche Zeiträume für die Verwirklichung unserer Ziele, Träume und Fähigkeiten zu bekommen.

Dazu muss uns die Zeit zur richtigen Zeit gegeben werden, denn das reproduktive Fenster hat sich trotz des wesentlich längeren und gesunden Lebens nicht verändert. Sonst stehen immer mehr Frauen vor dieser nicht einfachen Erkenntnis, dass es da etwas gibt, was sie einfach nicht mehr erleben können.

Man kann als Paar, auch ohne Kinder sehr glücklich werden und ein gesellschaftlich relevantes Leben führen. Darum geht es hier nicht. Es gibt viele Kinder, um die man sich kümmern kann. Nein, es geht um die Frauen, die in dieser Double-Bind-Situation sind, die sich Kinder durchaus wünschen, aber sich die Zeit nicht meinen nehmen zu können.

Deutschland braucht Kinder und junge Familien.

Daher ist die Frauenquote noch zu kurz gegriffen, meine ich. Sehen wir nach Skandinavien: Dort wird alles getan, um Beruf und Familie ohne extremen Organisationsstress, ohne Angst um den Verlust des Arbeitsplatzes und ohne Sorge um finanzielle Einbußen miteinander in Einklang zu bringen. Deutschland ist auch ein reiches Land.

Warum ist es so schwer, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen? Ist die deutsche Wirklichkeit so anders als die skandinavische? Auch wir können von zu Hause aus arbeiten, zeitversetzt, wir können an Konferenzen teilnehmen, kommunizieren und unsere Ergebnisse darstellen. „Nine to five“ am Schreibtisch – schaffen wir es wirklich nicht, dieses Konzept endlich aus unseren Köpfen zu vertreiben?

In vielen Ländern – leider nicht in unserem – gibt es die Möglichkeit der Eizellspende. Ob allerdings die gelegentlich sehr späte Erfüllung des Kinderwunsches im Hinblick auf das Kindeswohl und die eigene Lebenszeitentwicklung wirklich sinnvoll ist, das bleibt zu überlegen.

Und doch: Vieles hat sich in unserem Land in den letzten Jahren zum Positiven verändert. Wir gehen so viel offener um mit sogenannten Regenbogenfamilien, wir lernen zu akzeptieren, dass sich auch gleichgeschlechtliche Paare Kinder wünschen und die Reproduktionsmedizin ihnen helfen kann, diese Wünsche zu erfüllen.

Wir sehen, wie Kinder, die nach Samenspenden entstanden sind, ihr Recht wahrnehmen, ihre Väter zu finden. Der Gesetzgeber erkennt Lücken und kümmert sich - wenn auch zögerlich. Die Menschen sind merkbar kinderfreundlicher geworden. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.