Vater zu sein, bedeutet für mich ...

Andreas Mertel (Vater einer dreijährigen Tochter)

... bedingungslose Liebe zu erfahren
... nicht mehr ausschlafen zu können
... grundsätzliche Nachsichtigkeit
... die Freude für die kleinen Dinge im Leben wiederzuentdecken
... die Welt aus den Augen eines Kindes kennenzulernen
... immer zuerst an mein Kind zu denken
... über den Sinn und Unsinn der Erwachsenengesellschaft nachzudenken
... wirklich jeden Kinderfilm auswendig zu     kennen
... bisher unbekannte Ängste und Sorgen um das Wohl des Kindes zu verspüren
... nachhaltiger zu denken
... Kinderlieder im Auto zu singen
... auf allen vieren als Pferd durch die Wohnung zu reiten
... Sommerfeste im Kindergarten zu organisieren
... mehr Kinderkleidung statt eigener Kleidung zu kaufen
... vergessen geglaubte Kinderkrankheiten wieder kennenzulernen
... mich abends schon auf den nächsten Morgen zu freuen
... Urlaube nach Kinderfreundlichkeit auszusuchen
... Fischstäbchen und Tomatenketchup zu essen
... weniger zu arbeiten, um mehr Zeit mit meinem Kind zu verbringen
... jeden Spielplatz in der Umgebung zu kennen
... die Zootiere beim Namen zu nennen

(Foto: Manuela Clemens)

„Ich hab’s gut!“

Mathias Bünte (Vater einer 16-jährigen Tocher)

Ich hab’s gut: Meine Tochter ist schon 16. Die meisten Freunde haben ziemlich kleine Kinder, also kaum noch Zeit, kaum noch Nerven, kaum noch andere Gesprächsthemen. Während ich mit meiner Tochter über Popmusik und den Sinn des Lebens quatsche und darüber, wie sinnlos doch der Matheunterricht auch früher schon war, sitzen die Freunde auf dem Spielplatz und beim Kinderarzt.

Natürlich war ich immer schon ein fantastischer Vater – wie alle Väter. Ich saß auch jahrelang auf dem Spielplatz und beim Arzt, hab’ Gutenachtgeschichten vorgelesen, Zöpfe geflochten und mich beim Topfschlagen zum Appel gemacht.

Vater sein bedeutet immer mehr, je länger ich’s bin. Einerseits wird es wohl immer das Gleiche bedeuten: Verantwortung, Verbundenheit, ein seltsames, tiefes Pflichtgefühl, das stolz und stark macht und weich und verletzlich. Aber andererseits lerne ich inzwischen mehr von meiner Tochter als sie von mir. Zurzeit trägt sie kaputte Jeans – genau wie ich in dem Alter! Vater sein bedeutet für mich die Chance auf eine ganz spezielle, lebenslange Freundschaft.