Bei meiner Tochter war ich so wie die meisten Mütter, die zum ersten Mal ein Kind bekommen: Ich war unsicher, alles war neu und ich hatte wahnsinnig viele Vorstellungen, die sich oft nicht mit der Realität vereinbaren ließen.

Ich musste mich erst einmal auf die neue Situation einstellen, lernen, viel stärker auf mein Bauchgefühl zu hören und mich auf meine Instinkte zu verlassen statt auf all die gut gemeinten Ratschläge, die von allen Seiten auf mich einprasselten. Und auch daran musste ich mich gewöhnen: Nahezu jeder in meiner Umgebung schien plötzlich eine Meinung zu meinem Leben zu haben – und die Vorstellung, dass ich diese auch teilen müsse.

Es scheint, als fänden sich frischgebackene Mütter plötzlich in der Rolle des Bundestrainers der deutschen Nationalmannschaft wieder und jeder weiß es irgendwie besser. Jeder hat einen Vorschlag, eine Idee, eine Lösung parat – meistens ohne zu fragen, ob man das überhaupt wissen möchte.

Bei mir bezog sich die gut gemeinte Tippflut vor allem auf das Stillen, denn mit Helene hatte ich leider einige Stillprobleme, die plötzlich auch gute Freundinnen dazu animierten, mir aufzuzählen, was ich alles falsch machen würde. Doch von vorne: Meine Tochter kam nach 16 Stunden Wehen und Geburtsstopp per Kaiserschnitt auf die Welt – leider auch mit einer Fruchtwasserinfektion, die dafür sorgte, dass sie die ersten fünf Tage ihres Lebens auf der Neonatologie verbringen musste.

Ich war auf einer anderen Station, und statt anlegen und kuscheln hieß es für mich abpumpen und auf den verzögerten Milcheinschuss warten. Da meine Tochter jedoch riesigen Hunger hatte, bekam sie von den Schwestern auf der Neo direkt die Flasche und auch einen Nuckel in den Mund gesteckt. Ob ich mir das so gewünscht hatte? Nicht wirklich, aber es war ehrlich gesagt auch kein riesiges Thema für mich.

Doch dann kam die Saugverwirrung und mit ihr die Verzweiflung. Helene schrie mich an, es ging ihr nicht schnell genug. Ich verkrampfte, und das beeinflusste meine Milchproduktion negativ. Ein Teufelskreis aus stillen, schreien und abpumpen müssen an den unmöglichsten Orten. Leider konnten weder meine Hebamme noch meine Freundinnen mit all ihren guten Ratschlägen mich unterstützen, und so wurde das Stillen für mich ein andauerndes Gefühlschaos.

Als meine Tochter fünf Monate alt war, hatte ich das Gefühl, dass sie einfach nicht mehr satt wurde, und schickte meinen Mann in den Drogeriemarkt, um Pre-Milch zu besorgen. Ich war zwar ab dem Moment tatsächlich in den Augen vieler eine „Rabenmutter“ – ich müsse doch weiter stillen, mehr abpumpen und mich anders ernähren –, doch für uns kam damit die Entspannung.

Heute stehe ich wenige Wochen vor der Geburt von Kind Nummer zwei und wir freuen uns wie wahnsinnig auf diese anstrengende und aufregende Zeit. Insbesondere weil ich so viel entspannter bin als noch vor drei Jahren. Ich freue mich auf das Stillen, hoffe sehr, dass es diesmal besser klappt, ich diese tolle und innige Zeit mehr genießen kann.

Ich wünsche mir, länger zu stillen, werde wissen, dass die Schmerzen des Milcheinschusses vorübergehen, wunde Brustwarzen dazugehören. Und sollte es doch nicht so easy sein, wie ich es mir wünsche, wird davon auch nicht die Welt untergehen. Und klappt es wieder nicht richtig mit dem Stillen, dann ist das halt einfach so. Ich kann meinem Kind schließlich auch mit ganz viel Liebe und Kuscheln die Flasche geben.

Lesetipp

Das mit dem Mummy-Sein ist so eine Sache: Bevor man es nicht ist, hat man zwar eine Vorstellung, die hat aber mit dem Alltag nicht immer viel gemein. Was das Team hinter dem Mummy-Mag aber in den letzten Jahren vor allem gelernt hat: Jedes Kind ist anders – jede Mutter aber auch. Es gibt also nicht den ultimativ richtigen Weg und keiner sagt einem, ob Kind und Karriere zusammen wirklich funktioniert. “Frau” muss einfach ihren Weg finden, denn am Ende sollte es schließlich nur für einen selbst funktionieren. Täglich berichten die Mummys auf dem Blog von den alltäglichen Herausforderungen – aber auch zweimal im Jahr in geballter Power und zum in der Hand halten: im MUMMY MAG Paper!

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