Was sind Kinderrechte?

Alle Kinder haben Rechte, und alle Kinder haben eigene Rechte. Diese Rechte sind insbesondere in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen festgeschrieben, der Deutschland im Jahr 1992 beigetreten ist.

Die Kinderrechtskonvention gilt seitdem in Deutschland für alle unter 18-Jährigen. In dem Übereinkommen sind also die grundlegenden Rechte auf Förderung, auf Schutz und auf Teilhabe aufgeführt. Es gilt die Leitlinie, dass das Wohl und die Interessen von Kindern bei Maßnahmen und Entscheidungen, die Kinder betreffen, vorrangig zu berücksichtigen sind.

Warum sind Kinderrechte wichtig?

Die Kindheit ist eine Phase der Entwicklung der Persönlichkeit. Kinder sind nicht einfach kleine Erwachsene. Sie benötigen daher während ihres Aufwachsens besondere Rechte, zu ihrem Schutz und ihrer Unterstützung, denn vor allem jüngere Kinder können für ihre Rechte nicht so einstehen, wie es Erwachsene tun.

Ist es nicht primär die Aufgabe der Eltern, für ihre Kinder da zu sein und sich für sie einzusetzen?

Natürlich sind die Eltern die ersten und wichtigsten Anwälte ihrer Kinder. Das Wohlergehen der Kinder, ihr gutes Aufwachsen, liegt in allererster Linie in ihren Händen. Wenn es uns gelingt, Bedingungen zu schaffen, unter denen Kinder bestmöglich gefördert werden und ihre Persönlichkeit frei entfalten können, dann ist das im Interesse der Eltern. Starke Kinderrechte stärken die Familien und unsere Gesellschaft insgesamt.

Werden Ihrer Meinung nach Kinderrechte gegenwärtig nicht ausreichend beachtet?

Wir haben Kinder in der Vergangenheit schon in vielen Punkten gestärkt: in der Kinder- und Jugendhilfe, beim Schutz vor Gewalt und Missbrauch oder beim Ausbau der Kinderbetreuung. Nichtsdestoweniger gibt es bei Kinderrechten nach wie vor Verbesserungsbedarf. Zum Beispiel bei jener Regelung der Kinderrechtskonvention, bei allen Maßnahmen, die Kinder betreffen, das Wohl des Kindes vorrangig zu berücksichtigen: Oft genug geraten die Bedürfnisse von Kindern in Konflikt mit anderen gesellschaftlichen Interessen.

Dabei haben die Kinder viel zu häufig das Nachsehen. Deswegen müssen wir Politik, Justiz und Gesellschaft bei Bildung, Teilhabe, aber auch bei der Herstellung von Chancengleichheit für Kinder viel stärker als bisher in die Verantwortung nehmen.

Können Sie uns eine konkrete Situation nennen, in der Kinderrechte mit anderen Interessen in Konflikt stehen?

Noch vor einigen Jahren konnte man mit Erfolg gegen den Bau einer Kindertagesstätte in der Nachbarschaft klagen. Sogenannter Kinderlärm – also die natürlichen Lebensäußerungen von Kindern – wurde dann als schädliche Umwelteinwirkung empfunden und beurteilt. Es mussten nach langwierigen Diskussionen erst so spezielle Gesetze wie das Bundesimmissionsschutzgesetz und die Baunutzungsverordnung überarbeitet werden, um klarzustellen, dass Geräuscheinwirkungen von Kindertagesstätten, Kinderspielplätzen und ähnlichen Einrichtungen keine schädlichen Umwelteinwirkungen sind.

Es gab also eigentlich einen breiten gesellschaftlichen Konsens zugunsten der natürlichen Lebensäußerungen von Kindern – aber es waren langwierige Abstimmungen und Anpassungen von Einzelgesetzen notwendig, um hier zugunsten der Kinder zu agieren.