Wir können hier nur aus unserer eigenen Erfahrung berichten. Katharina ist mit 29 Jahren zum ersten Mal Mutter geworden. Lisa war gerade 24, als ihr erstes Kind kam. Hier erzählen die beiden.

Katharina:

Ich war fast 30, als ich meine Tochter bekam. War viel gereist, hatte tolle Leute getroffen, mich ausgetobt und war im Job erfolgreich. Kurz: Ich dachte, ich weiß eine ganze Menge. Das änderte sich schlagartig, als ich Mutter wurde. Plötzlich hatte ich auf ganz viele Fragen keine Antworten. Warum schreit das Baby, obwohl es satt und sauber ist? Wann ist der beste Zeitpunkt, ein Kind impfen zu lassen?

Und wo bekomme ich nachts um zwei Milchpulver her, weil ich vergessen habe, welches zu kaufen? Schritt für Schritt wurde ich auf dem Gebiet „Mama sein“ sicherer. Meine beste Lehrerin dabei: meine Tochter. Sie zeigte mir, was sie braucht. Wenn ich sie beobachtete, brauchte ich meist keine schlauen Ratgeber-Bücher mehr. Und ich entdeckte etwas nach all den Jahren wieder: die Langsamkeit.

Im stressigen Arbeitsalltag hatte ich vergessen, wie schön es sein kann, einem Kind beim Buddeln zuzuschauen – ohne dabei die Mails auf dem Handy zu lesen. Ich merkte wieder, wie viel es überall, bei jedem Schritt, zu entdecken gab. Hier ein Käfer, da ein seltenes Blatt, dort ein glitzernder Stein. Als ich dann zum zweiten Mal Mutter wurde, dachte ich wieder, ich wüsste eine Menge.

Ein „richtiges“ Alter zum Kinderkriegen gibt es nämlich nicht.

Meinem Sohn würde ich nun viel schneller Dinge beibringen können als meiner Erstgeborenen. Pustekuchen. Denn das Söhnchen interessierte sich herzlich wenig für mich – seiner Schwester schaute er dafür begeistert bei allem zu. Was sie konnte, wollte er auch können. Was sie hatte, wollte er auch. Sie zeigte ihm viel einfacher, viel direkter, wie Dinge funktionieren – ohne die Umständlichkeit des erwachsenen Denkens.

Und so sitze ich gerade häufig einfach nur da, gucke zu, wie sie voneinander lernen – und lerne dabei selbst am meisten. Mein Alter als Mutter? Spielt dabei überhaupt keine Rolle. Das klappt bei Jungen wie bei Älteren gleichermaßen. Ein „richtiges“ Alter zum Kinderkriegen gibt es nämlich nicht.

Lisa:

Mit 24 schon ein Kind? Ganz im Ernst: Heute kommt mir das auch sehr jung vor. Damals aber, vor zehn Jahren, dachte ich darüber überhaupt nicht nach. Ich wollte ein Kind! Ich hatte einen tollen Mann. Was sprach dagegen? Die Grübler hätten wohl gesagt: Tob dich doch noch mal aus, mach Karriere, finde dich, nutze die Zeit. Ich hingegen dachte und denke: Mit Kindern ist das Leben doch nicht vorbei!

Unser erstes Kind hat bei meinem Praktikum in Namibia laufen gelernt.

Wir können doch auch gemeinsam die Welt entdecken. Zusammen lernen. Wir müssen doch nicht mit allem bereits fertig sein, wenn wir Eltern werden! Ich war mit 26 schon dreifache Mutter und habe mit 28 noch mal ein komplett neues Studium angefangen. Das geht. Wir waren zusammen auf Reisen, haben uns gemeinsame Welten erschlossen.

Unser erstes Kind hat bei meinem Praktikum in Namibia laufen gelernt, barfuß im Sand. Während der Kita-Eingewöhnung unserer Zwillinge habe ich mit Auftraggebern telefoniert. Oder eben nicht, dann gab es eben mal einen Job weniger. Und ausgehen? Kann ich heute wieder, jetzt, wo sie groß sind – und ich erst 34. Mit Kindern ist das Leben nicht vorbei! Es wird nur viel spannender.

Wenn meine Kinder mich fragen, wer Leonardo da Vinci war, dann googeln wir das halt zusammen. Oder nehmen die dicken staubigen Lexika zur Hand, die schon seit meiner Jugend im Regal stehen. Dann malen wir ein Plakat, drucken ein Bild aus, schreiben oder stempeln lustige Fakten auf das Papier. Wir fragen bei Oma nach dem leckeren Lasagne-Rezept und kochen es gemeinsam nach.

Wir lernen gemeinsam und entdecken die Welt.

Und wenn ich mit meinen geografischen Defiziten beim Länderspiel im Fernsehen nicht weiß, welche die Nachbarländer der Elfenbeinküste sind, dann schauen wir gemeinsam im Weltatlas nach. Das hätte ich doch ohne die Kinder alles gar nicht getan. Wir lernen gemeinsam und entdecken die Welt. Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen. Und auch da muss ich sagen: Das Alter der Mutter spielt zumindest dabei überhaupt keine Rolle.

Die Autorinnen:

Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim schreiben als Journalistinnen für diverse Medien, darunter Eltern, Bild am Sonntag, Die Welt, Berliner Zeitung
 

Stadt Land Mama

www.stadtlandmama.de

Hier geben Lisa und Katharina Müttern eine Stimme, mit eigenen Geschichten, Gastbeiträgen und Reportagen zu Familienthemen – mal aus der Stadt- und mal aus der Landperspektive.

Die Journalistinnen, Autorinnen und Bloggerinnen Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim arbeiten seit zwei Jahren zusammen bei STADT LAND MAMA und gehören damit zu den erfolgreichsten deutschen Mamablogs.

Networking, SEO und Social Media haben sie für ihre Tätigkeiten verinnerlicht. Familie, bloggen und Reportagen schreiben, das sind ihre drei Grundpfeiler, die sich ganz wunderbar ergänzen. Gemeinsam haben die beiden sechs Kinder.