Können Sie schildern, wie Sie sich das Muttersein vorgestellt haben - und wie es dann wirklich war?

Als ich endlich schwanger wurde, fühlte ich mich überglücklich. Ich dachte, dass möglicherweise die kurze Anfangszeit etwas anstrengend sein könnte. Ich hatte eine blumige Vorstellung von bedingungsloser Liebe und wie toll alles wird. Nach den ersten Wochen, als Ella zur Welt gekommen war, merkte ich jedoch, wie wahnsinnig anstrengend alles sein kann.

Können Sie Beispiele geben?

Das fing schon mit der Geburt an. Der sah ich recht entspannt entgegen. Ich bin etwas esoterisch angehaucht, so dass ich Schmerzen locker wegatmen und vielleicht ein wenig Akupunktur betreibe wollte. Konkret hing ich dann jedoch am Tropf, bekam alles an Schmerzmitteln, was zur Verfügung steht, und brauchte einen Kaiserschnitt, den ich eigentlich gar nicht wollte. Direkt danach hat man außerdem eine große Wunde und ist nicht mobil. Die Kräfte lassen zunehmend nach, weil man nicht genug schläft. Auch die Hormone spielen verrückt. Mit 33 Jahren glaubt man eigentlich, dass man voll im Leben stünde. Ich sah mich dann aber heulend zu Hause. Ich wusste nicht, wie ich das schaffe.

Was hat Ihnen geholfen?

Mit meinem Partner teile ich mir die Aufgaben natürlich auf. Meine Mutter und die Hebamme haben mir gut zugeredet und gesagt, dass alles seine Zeit brauche. Wichtig ist außerdem, sich die eigene Schwäche einzugestehen. Es muss nicht alles perfekt sein. Da ich nicht ausreichend Milch produziere, bekommt Ella nun immer ihr Fläschchen. Aber auch hier habe ich irgendwann die praktische Seite gesehen. Ich bin nun nicht die einzige, die sie ernährt. Das können nun auch mal mein Partner oder die Omi übernehmen. Ich bin dadurch zeitlich flexibler.

Welche Momente sind denn schön?

Ella lächelt einen Morgens immer an. Sie bekommt ganz viel mit, brabbelt und wir singen und tanzen zusammen. Sie gibt mir so viel zurück.

Gibt es bestimmte Rituale, die Sie gemeinsam pflegen?

Wir gehen viel zusammen Spazieren. Außerdem badet sie wahnsinnig gern in ihrer Wanne und quietscht dabei. Leider darf man das nicht allzu häufig machen. Ihre Omi hat sogar mit ihr gemeinsam gebadet. Da war ich neidisch. Das mache ich demnächst auch.

Sie haben seit ein paar Jahren zwei Siamkatzen - wie haben denn die Tiere auf den familiären Nachwuchs reagiert?

Da habe ich mich vorher erkundigt. Ich habe ihnen zum Beispiel Babygeschrei vorgespielt und geschaut, wie sie reagieren. Denn es gibt nichts Schlimmeres als Mütter, die ihre Tiere weggeben müssen, weil plötzlich ein Baby im Haus ist. Zuerst haben die beiden Katzen viel miaut und sind hinter mir hergelaufen. Die waren ebenfalls irritiert und merkten, dass hier irgendwas nicht stimmt.

Aber inzwischen sind sie sehr entspannt und gehen sehr sanft mit dem Baby um. Ich finde es toll, wenn Kinder früh mit Tieren aufwachsen. Ella liebt sie. Wenn sie erstmal laufen kann, rennt sie ihnen hinterher.