Lieber Jan, du bist Schauspieler und nun auch Papablogger, wie kam es dazu?

Auslöser war ganz klar die Geburt unseres Sohnes Nikolas im Oktober 2015. Plötzlich hatte ich so unendlich viel Redebedarf zum Thema Kind und Familie. Es klingt nach Klischee, aber mit der Geburt hat sich mein gesamtes Denken wirklich gedreht. Auf einmal liegt dein Fokus auf Kind, Familie und Nestbau.

Dein Motor ist ein ganz anderer. Ich war eh nie der Typ für Chichi, und nach der Geburt noch viel weniger. Das eigene Ego verlangt plötzlich nicht mehr nach dem gewohnten Raum. Man nimmt sich nicht mehr so ernst wie vorher und das ist auch gut so. Die Kleinen sind so zart. Sie brauchen unsere Aufmerksamkeit, unsere Hilfe und Zuneigung. Ich will ja keinen Quatsch erzählen. Es gibt auch Momente die nicht so perfekt und leicht sind, in denen es nicht nach Weichspüler und Rosenduft riecht. Aber ich nehme die Kacke-Windel und den Schlafentzug voll an. Papa Hartmann (www.papahartmann.com) sein ist die beste Rolle, die ich je hatte.

Was macht deinen Blog aus?

Mit unserer Entscheidung tatsächlich einen Blog zu starten gingen Julia und ich einige Zeit schwanger. Mir war schon bewusst, dass das nicht so eine Larifari-Nummer werden durfte. Ein Blog und dessen wachsende Leserschaft verlangen nach regelmäßigem Content. Das braucht Passion und Zeit. Manchmal wird es ein wenig sportlich, neben Dreh und Text lernen. Aber wir haben uns auf einen guten Rhythmus eingegrooved. Der Vorteil ist sicher auch, dass wir den Blog als Gemeinschaftsprojekt fahren und Julia viel schreiben kann, wenn mir die Zeit fehlt. 

Durch meinen Job haben wir das große Glück viel Zeit miteinander verbringen zu können.

Was macht unseren Blog aus ? Für uns ist Authentizität das primäre Schlagwort. Wir folgen mit dem Blog unseren Impulsen und Gedanken, vertreten unsere persönliche Haltung. Wir wollen nicht gefallen, sondern die Leser an unseren Gedanken und Erfahrungen teilhaben lassen. Der Blog soll auch in Zukunft beweglich bleiben, sich mit unserer Entwicklung als Familie und Menschen weiter verändern. Stillstand bedeutet Tod. Deshalb wird sich die Ausrichtung in Zukunft vielleicht auch mehr Richtung Reisen mit Kind, schulische Dinge, Technik die Papa toll findet, Hausbau, Autos etc ausweiten. 

Natürlich klopfen schnell Kooperationspartner an, die Ihre Produkte „beschrieben“ haben wollen, aber wir würden uns nie kaufen lassen. Wenn wir solche Anfragen annehmen, stehen wir hinter der Sache und/oder haben eine klare Haltung dazu. Schlagwort Authentizität.

Wie schaut ein Familienalltag im Hause Hartmann aus?

Durch meinen Job haben wir das große Glück viel Zeit miteinander verbringen zu können. Wenn Niki nachts wach geworden ist liegt er morgens beim Aufwachen zwischen oder neben uns. Dann krabbelt er auf Mama und Papa rum, wir kuscheln und spielen. Das geht oft eine Stunde oder mehr. Manchmal bringt er uns seine Lieblingsbücher oder was ihm sonst so Spaß macht. Wenn ich nicht drehen muss, frühstücken wir gemeinsam. Dann beginnen Julia und ich unser Tageswerk.

Sitzen Am Rechner und bereiten Beiträge vor, ich lerne Text, kümmere mich um Organisatorisches. Nikolas ist bei uns, beschäftigt sich, guckt immer bei uns vorbei usw. Zugegeben schafft man nicht ganz so viel, wenn er immer wieder interessiert auf die Tastatur tippen will, aber  mal ehrlich, wer liebt es nicht mit seinem Kind zu kuscheln ?! Uns ist die gemeinsame Zeit, Nähe und Zuneigung, die wir ihm vermitteln sehr wichtig.

Wir versuchen so viel wie möglich beieinander zu sein, sind meist zusammen unterwegs auf Reisen oder z.B. Veranstaltungen (wenn es möglich ist) Nikolas ist extrem entspannt und kampferprobt. Er ist ein großer Entdecker. Seit er laufen kann immer auf Tour, was besonders in Hotels und Restaurants nie langweilig wird, besonders wenn er die Küche mal entdeckt hat.

Welche Spiele spielt ihr? Wie vertreibt ihr euch die Zeit?

Wir wohnen direkt an Wald und Wiesen sind also viel an der frischen Luft, gehen an der Donau spazieren und gucken Tiere. Nikolas ist sehr interessiert an Büchern, deshalb lesen wir sehr viel.

Handys und dergleichen haben in den Händen eines Kleinkindes nichts verloren.

Als Musiker habe ich ihm (ja, gut…etwas zu früh….) ein Tiny Piano von Korg gekauft auf dem er gerne klimpert. Mittlerweile auch schon mit einzelnen Fingern, nicht mehr so grob.

Stolzer Papa! Ganz hoch im Kurs sind natürlich Bauklötze oder die Kugelbahn, auch Fingerpuppen findet er lustig. Und grundsätzlich alles, was interessante Geräusche macht. Wir wohnen nämlich mit dem kleinen Phil Collins zusammen.

Was hältst du von pädagogisch wertvollen Spielzeugen?

Viel. Wir leben im Zeitalter der Digital Natives und Millenials, das lässt sich nicht weg diskutieren. Unsere Kinder werden ganz anders mit den neuen Medien umgehen, als wir es uns heute vorstellen können. Das gehört auf jeden Fall gefördert. Dennoch finde ich es äußerst wichtig, die Kleinen altersgemäß an Dinge heranzuführen.

Handys und dergleichen haben in den Händen eines Kleinkindes nichts verloren. Im Gegenteil: für eine gesunde geistige und körperliche Entwicklung sind pädagogische Spielzeuge von großem Wert. der Nachwuchs muss die große Welt um sich herum ja erst einmal „be-greifen“ lernen. Da sind Formen und Farben in Form von Holzspielzeug genauso wichtig wie das Erlernen einfacher motorischer Ablaufe.

Legt ihr besonderen Wert auf nachhaltige Produkte?

Ja, absolut. ohne dabei hysterisch zu werden. Nachhaltige Produkte haben für uns in allen Lebensbereichen hohe Priorität. Auch wenn die Umsetzung für viele nicht immer leicht sein mag, ist vorhandenes Bewusstsein und eine Sensibilisierung für dieses Thema ein guter erster Schritt. Ich glaube jeder, der sich mal die Mühe macht den Produktionsweg (und dessen Bedingungen) bis hin zum fertigen Produkt nachzuvollziehen, wird bereit sein, für ein nachhaltiges und hochwertiges Produkt, guten Gewissens auch den eventuellen Mehrpreis zu zahlen.

Welche Projekte stehen bei dir an? Willst du noch mehr als Papa-Blogger schreiben oder ist dir die Schauspielerei weiterhin wichtig?

Das bloggen macht mir großen Spaß und wird mich auch nicht wieder los. Nichts destotrotz ist die Schauspielerei mein Beruf und große Leidenschaft, die mir natürlich weiter sehr wichtig ist. 

Für mich gibt es jeden Tag so viele schöne Momente.

Aktuell drehe ich noch für die bayerische Serie „Dahoam is Dahoam“. Im Dezember übernahm ich die Hauptrolle für einen RTL Film aus dem vielleicht eine Serie wird. Die würde dieses Jahr gedreht werden. Ab Juni werde ich für ein bekanntes deutsches Format bei dem ich bereits als Gast dabei sein durfte in einer  durchgehenden Hauptrolle drehen. Neben ein paar weiteren losen Anfragen oder unserem Hausbau fliege ich viel mit meinen Drohnen für mein 2012 gegründeten Luftaufnahmen-Business. Und auch sonst hab ich immer viele Projekte und Ideen im Kopf die ich irgendwann umsetzen will. Es wird nicht langweilig.

Und zu guter Letzt: was war der schönste Moment mit eurem kleinen Mann?

Wenn ich mich auf einen Moment festlegen müsste sicherlich der Moment, in dem er das erste Mal Papa gebrabbelt hat. Zumindest wollte ich das hören. Für mich gibt es jeden Tag so viele schöne Momente. Jedes Mal, wenn er mich anlacht, sich ankuschelt, etwas neues lernt, versteht, was wir ihm sagen und darauf reagiert. 

Das Leben und groß werden ist eine fantastische Entdeckungsreise und ich bin dankbar, dass ich ihm dabei helfen und dabei sein darf.