Diätassistentin Melanie Wilhelm gibt Tipps, wie Eltern die Essgewohnheiten ihrer Kinder von klein auf fördern.

1. Bunte Lebensmittel bringen Kinder auf den Geschmack

In den ersten Lebensjahren gehen Kinder aufmerksam auf Entdeckungstour. Sie erkunden alles, was ihre Sinne reizt. Getreu dem pädagogischen Ansatz, Kinder zu offenen und neugierigen Weltenbürgern zu erziehen, sollte das fragende und forschende Kind bereits früh an eine gesunde Ernährung herangeführt werden. Darüber hinaus sind Kleinkinder besonders aufnahmefähig für bunte Farben und Formen.

Damit die Ernährungserziehung zu Hause gelingt, empfiehlt die Ernährungsexpertin: „Eltern können die stark ausgeprägte visuelle Wahrnehmung ihrer Sprösslinge nutzen. Der Trick: Lebensmittel spielerisch in Szene setzen.“ Hier müssen nicht immer bunte Gesichter und Figuren aus Gemüse oder Bananensterne und Apfelschiffchen zubereitet werden. Auch ein bunter Teller mit unterschiedlichen Gemüsestiften lädt die kleinen Entdecker zum Probieren ein.

2. Gemeinsame Mahlzeiten schulen das Ess- und Tischverhalten

Für ein gesundes Essverhalten bei Kindern sollten Eltern Lebensmittel nicht als Druckmittel oder Belohnung einsetzen. Hierdurch können emotionale Verknüpfungen entstehen, die ein Leben lang bestehen bleiben.

Stattdessen sollten Eltern und Erzieher nicht nur das gemeinsame Kochen, sondern auch die gemeinsame Mahlzeit als Ritual einführen. „Das gemeinsame Essen spielt als täglicher Treffpunkt eine große Rolle in unseren Kitas. Das Zusammensein bei Tisch bedeutet soziale Gemeinschaft, bei der viel beobachtet und gesprochen werden kann“, so Wilhelm.

3. Mit gutem Vorbild vorangehen und bewusst essen

Kinder befinden sich in einem stetigen Lernprozess und orientieren sich an ihren Alltagshelden. Dies können Mama, Papa, Geschwister, Großeltern oder Pädagogen in Kitas und Schulen sein. Kinder beobachten genau, was „die Großen“ tun, und lernen durch Nachahmung. „Die Wurzeln für ein ausgewogenes Essverhalten und umweltbewussten Konsum liegen in der Kindheit“, erklärt Wilhelm.

So ist es zum Beispiel sinnvoll, dass die Erzieher gemeinsam mit den Kindern am Tisch sitzen und das Gleiche essen. Sie können den Kleinen erklären, woher die Lebensmittel kommen und wie wichtig es ist, Lebensmittel nicht wegzuwerfen. Für ein gesundes Ernährungsverhalten sollten Kinder schon von klein auf ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass Essen nicht nur Nahrungsaufnahme ist, sondern auch Genuss und Geselligkeit bedeutet. Routinen wie gemeinsame Mahlzeiten bieten hierfür einen guten Rahmen.

„Essen darf kein Zwang sein“, so Wilhelm. „Vertrauen Sie Ihrem Kind und seinem natürlichen Sättigungsmechanismus. Nicht jedes Kind isst jeden Tag die gleiche Menge.“ Darüber hinaus plädiert die Ernährungsexpertin für mehr Gelassenheit: „Wenn das Kind mal den Brokkoli nicht isst, bitte nicht Argumente finden wie ‚Der ist aber gesund‘ oder ‚Der hat aber viele Vitamine und Mineralstoffe‘.“

Allein das Wort „gesund“ löse bei Kindern Widerstände aus. Denn unter gesunden Lebensmitteln verstehen sie „Schmeckt mir nicht“ oder „Ich muss es essen, obwohl ich es nicht mag“. Eltern und Erzieher sollten vielmehr die Vorlieben der Kinder kennen und beispielsweise neue Lebensmittel mit altbewährten Favoriten kombinieren, um Abwechslung auf den Teller zu bringen.